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Wiltingen: Vier Schritte zur Brücke

Wiltingen. Die Planung für den Neubau der 3,3 Millionen Euro teuren Wiltinger Brücke steht, und der Landesbetrieb Mobilität hat sie erstmals öffentlich vorgestellt. In zwei Jahren Bauzeit wird der Weg über die Saar zweimal voll gesperrt sein - insgesamt sechs Wochen lang. Christian Kremer

Wiltingen. Die Wiltinger bekommen endlich eine neue Saarbrücke. Die alte ist seit Jahren baufällig, Pläne für den Neubau gibt es schon seit 2006 (siehe Extra). Für Montag, 1. Juli, ist der offizielle Spatenstich geplant. Die eigentlichen Bauarbeiten beginnen jedoch etwas später. Der Landesbetrieb Mobilität hat sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Wiltingen Details vorgestellt - allerdings noch unter Vorbehalt, weil der Bauauftrag noch nicht vergeben wurde. Schon jetzt steht fest, dass es vier Bauphasen gibt, die 600 Werktage in Anspruch nehmen. Nach zwei Jahren soll die Brücke stehen.

Die Brücke: Die neue Brücke wird 130 Meter lang.. "Sie wird schlanker als die alte Brücke, weil wir die Schifffahrt nicht mehr berücksichtigen müssen", sagt Adrian Ludig, Projektingenieur beim LBM. Damit spielt er darauf an, dass seit 1983 nach dem Bau des Seitenkanals zwischen Biebelhausen und der Schleuse bei Kanzem keine Schiffe mehr durch die Wiltinger Saarschleife fahren. Statt einer großen Säule werden deshalb künftig drei schmale Brückenpfeiler in der Saar stehen und das Bauwerk tragen. Für zwei Fahrbahnen wird 5,50 Meter Platz sein, für einen Gehweg zwei Meter, für einen Radweg 2,75 Meter.

Schritt 1: Die alte Brücke wird von der Kanzemer Seite aus Stück für Stück abgerissen - ohne Sprengung. Der Abriss müsse im Sommer beginnen, sagt Wolfgang Zerfaß, Fachgruppenleiter Brückenbau beim LBM. Nur in der hochwasserarmen Zeit dürfe der LBM mit Maschinen in die Saar hineinfahren. Der LBM will während der Sommerferien vom 6. Juli bis zum 16. August beginnen.
Flussaufwärts wird parallel eine Hilfsbrücke gebaut. Trotzdem gibt es eine vierwöchige Vollsperrung. Das Überqueren der Saar an dieser Stelle ist dann nicht möglich. Die Umleitung läuft über die L 138 (siehe Grafik). Der Landwirtschaftsverkehr darf auf das Schodener Wehr ausweichen. Dort sind Schranken installiert. Die Winzer bekommen Funkchips zum Öffnen der Barrieren.

Schritt 2: Sobald die Hilfsbrücke fertig ist, beginnt der Bau der neuen Brücke. Die Hilfsbrücke wird für alle Fahrzeuge bis 30 Tonnen freigegeben. Allerdings ist sie nur einspurig befahrbar. Eine Ampel soll anderthalb Jahre lang den Verkehr regeln.

Schritt 3: In der dritten Phase werden die bestehenden Straßen an die neue Brücke angeschlossen. "Das ist auf der Kanzemer Seite kein Problem", sagt Ludig. Auf der Wiltinger Saarseite sei das aber komplizierter. Deshalb müsse die K 130 erneut voll gesperrt werden - voraussichtlich zwei Wochen lang. Als Termin seien die Herbstferien im Oktober 2014 angepeilt, sagt Zerfaß. Die Winzer dürfen dann wieder über das Schodener Wehr fahren.

Schritt 4: Zum Abschluss wird die Hilfsbrücke abgebaut. Dazu könnte es - wie beim Aufbau - notwendig sein, die L 138 für ein Wochenende zu sperren. Ansonsten gibt es in dieser Bauphase keine Beeinträchtigungen mehr.

Kritik der Winzer: Winzer Johannes Peters beschwert sich darüber, dass die Sperrung ab dem 6. Juli gelten könnte. Im Weinbau gebe es in den ersten Juliwochen eine Arbeitsspitze. Die Winzer müssten dann häufig über die Brücke zu ihren Hängen auf der jeweils gegenüberliegenden Seite. "Es ist schade, dass der LBM sich vorher nicht mit den betroffenen Betrieben zusammengesetzt hat." Auch die zweite Vollsperrung in den Herbstferien 2014 sei ungünstig geplant, sagt Michael Winkel, Betriebsleiter der Winzergenossenschaft Moselland. Der Traubenherbst falle oft in die Herbstferien. Davon seien auch Betriebe aus den Nachbarorten betroffen. Der Kreis der Menschen, die über das Schodener Wehr müssten, werde extrem ausgeweitet.

Noch kein endgültiger Plan: Auf die Kritik hin signalisiert der LBM Gesprächsbereitschaft. Die Termine seien noch nicht endgültig. Ortsbürgermeister Lothar Rommelfanger kündigt zudem an, dass noch im Detail geklärt werde, wer Zugang zum Schodener Wehr bekomme.Extra

Im Zweiten Weltkrieg zerstört: Die erste Wiltinger Brücke wurde 1911 gebaut - zuvor verkehrte an der Stelle nur eine Fähre. Am 22. Februar 1945 wurde sie von deutschen Truppen gesprengt, die sich vor den heranrückenden Truppen zurückgezogen hatten. Auferstanden aus Ruinen: 1951/52 wurde die jetzige Saarbrücke auf den Resten der alten Brücke wieder aufgebaut und am 16. August 1952 feierlich eingeweiht. Laut Wolfgang Zerfaß, Fachgruppenleiter Brückenbau beim Landesbetrieb Mobilität, haben die Ingenieure damals unter dem allgemeinen Materialmangel gelitten. Man habe die Brücke gebaut und dabei Fehler in Kauf genommen. "Wenn man die Umstände des Baus bedenkt, hat sie ihr Soll aber erfüllt", folgert Zerfaß. Idee des Neubaus: Die Landesstraßenbaubehörde hat die Wiltinger Brücke alle sechs Jahre geprüft. Seit Mitte der 1990er Jahre galt die Brücke schon als marode. Seit 2006 hat sie sogar die schlechteste Bewertung. "Die Brücke stand haarscharf vor der Sperrung", fasst Zerfaß zusammen. 2006 wurde der Neubau beschlossen. Das Planfeststellungsverfahren dauerte bis 2011. Die Gemeinde Wiltingen klagte danach gegen den Beschluss, weil sie einen anderen Brückenstandort bevorzugte. Damit blieb sie erfolglos. Deshalb wird die neue Brücke jetzt am alten Standort gebaut. cmk