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Der Neuanfang fängt später an

Trier. Wie viel Freiheit soll der künftige Theaterintendant haben? Wie viel Einfluss die Politik? Der Trierer Kulturausschuss berät heute über die neu zu gründende Theater AöR (Anstalt öffentlichen Rechts). Offenbar ist noch so viel zu klären, dass die Gründung sich verzögert.

Trier. Nicht nur künstlerisch soll es am Trierer Theater in der kommenden Saison einen Neuanfang geben, sondern auch organisatorisch. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass das Theater bis Anfang August zur Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) wird. Inzwischen ist allerdings fraglich, ob dies gelingen kann. Denn erst am heutigen Mittwoch wird im Kulturausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung ein erster Entwurf jener Satzung debattiert, die die Macht am Theater neu verteilen soll.
Die Satzung wird unter anderem klären, wie viel Einfluss die Politik nach der Umstrukturierung auf das Theatergeschehen noch hat. Generell soll die neue Rechtsform dem Haus mehr Selbstständigkeit und Flexibilität bescheren und es einem Wirtschaftsbetrieb ähnlicher machen: Es kann freier über sein Budget verfügen. Ein Controller wird das finanzielle Ergebnis konstant überprüfen. Zudem können Dritte finanziell einsteigen.
"Wir haben aber noch nichts Beschlussfähiges vorliegen", sagt Ulrich Dempfle (CDU), der den Zeitplan inzwischen für unrealistisch hält. "Das hätte der Kulturdezernent schneller machen können", findet er. Dezernent Thomas Egger will sich erst nach der Sitzung öffentlich äußern. Nach TV-Informationen ist eine Ursache der Verzögerung, dass das Orchester Bedenken gegen die neue Struktur hat, da es schlechtere Konditionen fürchtet.
Politiker loben Puhl



Hineinspielen könnte aber auch die Diskussion um Generalmusikdirektor Victor Puhl, dessen Vertrag 2016 ausläuft. Denn statt eines Generalmusikdirektors soll es in Zukunft einen Chefdirigenten geben, der dem neuen Generalintendanten Karl Sibelius untergeordnet ist (der TV berichtete). Eine Nachricht, die vom Publikum - das zeigten Leserbriefe - höchst emotional aufgenommen wurde, erfreut sich Puhl doch großer Beliebtheit. Zusätzlich befeuert wurde die Debatte von einem offenen Brief, in dem der Grünen-Politiker Gerd Dahm zutiefst bedauerte, sich für Karl Sibelius entschieden zu haben. Der designierte Intendant will sich zu diesem Brief nicht äußern. "Karl Sibelius hat einen klaren Auftrag von der Politik. Sollte sich daran etwas geändert haben, dann muss die Politik neu entscheiden", sagt Sibelius' Pressesprecher Eric Thielen.
Doch die Stimmung im Kulturausschuss spiegelt Dahms Brief nicht wider. Zwar gibt es fraktionsübergreifend ein riesiges Lob für Puhls Arbeit. Auch scheinen sich viele Politiker zu wünschen, dass er als Chefdirigent bleibt. Doch werden aktuell weder Sibelius noch die neue Struktur infrage gestellt.
"Ich habe volles Vertrauen zu Herrn Sibelius. Wir haben ihm die Verantwortung übertragen und müssen nun auch akzeptieren, dass er sie übernimmt", sagt Dempfle. Er fände es schön, wenn Puhl bliebe. Aber er müsse in die neue Struktur passen.
Mehrheit steht hinter Sibelius


"Wir waren uns bewusst, dass der Job des künftigen Intendanten keiner sein wird, der immer Applaus erntet", sagt Markus Nöhl (SPD). Der Job sei eine große Herausforderung. Er schätze Herrn Puhl, aber man müsse nun erst einmal auf die Struktur schauen. Die Grünen haben für die heutige Sitzung zwar zahlreiche Fragen zur geplanten AöR eingereicht, stehen generell jedoch weiter hinter einer Umstrukturierung.
Puhls Vertrag läuft nach der kommenden Spielzeit aus. So mancher Fan fürchtet nun, dass er sich wegbewirbt, ehe die noch ungegründete AöR die neue Stelle des Chefdirigenten überhaupt ausgeschrieben hat. kah