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Die dunklen Seiten des Vatikans

Die dunklen Seiten des Vatikans

Der Saarburger Krimiautor Edwin Klein hat einen neuen Thriller geschrieben. Er handelt von sexuellem Kindesmissbrauch in der Kirche, vom Vertuschen und Unter-den-Teppich-Kehren, von unehelichen Pfarrerskindern und vatikanischen Geheimdiensten. "Die Paulus-Papiere" haben das Zeug zum Beststeller.

Saarburg. Man rechnet unwillkürlich zurück: Das Buch ist zur Leipziger Buchmesse im März erschienen. Im Februar dürfte es gedruckt worden sein, im Januar standen wohl die Gestaltung und das Lektorat an. Wie man es dreht und wendet: Edwin Klein, einst deutscher Hammerwurf-Meister, später Erfolgsautor und Unternehmer, kann vom aktuellen kirchlichen Missbrauchsskandal noch nichts gewusst haben, als er die letzten Zeilen seiner "Paulus-Papiere" schrieb.

Um so mehr staunt man über manche Passagen, die so wirken, als habe der Autor das Sodom und Gomorrha in manchen Teilen der heiligen katholischen Kirche förmlich vorausgeahnt.

Aber von Anfang an: Ein junger Eifel-Pfarrer, dem Klein nicht zufällig den Vornamen des Zweiflers Thomas gegeben hat, verliert seine Pfarrei, die kostensparenden Strukturreformen zum Opfer gefallen ist. Thomas wird vom Trierer Bischof nach Rom beordert, um für eine Bistumspublikation in vatikanischen Archiven neue Erkenntnisse über den Apostel Paulus zu sammeln.

Doch alles kommt anders, als ihm ein alter Ordensbruder unglaubliche, über Jahrzehnte zusammengetragene Informationen zuspielt, die hohe und höchste Würdenträger der Kirche als Kinderschänder, uneheliche Väter oder Sexmonster entlarven.

Wer Edwin Kleins Romane regelmäßig liest, kennt sein Schnittmuster: Da gibt es eine Organisation, die zur Durchsetzung ihrer Interessen vor keiner Schweinerei zurückschreckt - Mord, Totschlag und Folter inklusive. Das kann ein Konzern sein, eine Versicherung, ein Geheimdienst - in diesem Fall ist es die Kirche. Und es gibt einen Menschen, der in die Fänge dieses Molochs gerät und letztlich überlebt, weil er die Spielregeln des Feindes bis zu einem gewissen Grad akzeptiert und gegen den Gegner anwendet.

In Kleins Roman verfügt der Vatikan über eine skrupellose Sonderabteilung, deren Aufgabe darin besteht, schwarze Schafe der Kirche aus dem Verkehr zu ziehen, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon merkt. Die Täter landen hinter Klostermauern, die Opfer werden zum Schweigen gebracht - notfalls mit Druck, Erpressung oder Gewalt.

Pfarrer Thomas nimmt den Kampf auf, und er gerät dabei an eine Verschwörung, die sich über Kontinente erstreckt. Und unversehens steht auch seine eigene, ganz persönliche Vergangenheit im Blickpunkt.

"Die Paulus-Papiere" sind differenzierter als andere Klein-Thriller. Die Grenzen zwischen Täter und Opfer verwischen, der personifizierte Bösewicht war einst selbst Missbrauchsopfer, und der sympathische Aufklärer in der Mönchskutte ist keineswegs ein Engel. Es gibt viele überraschende Wendungen und Volten, ohne dass die Logik und der Erzählfluss darunter leiden. Edwin Klein schreibt, wie gewohnt, flott und schnörkellos, leistet sich aber auch philosophischen Tiefgang - vor allem, wo es um Fragen geht, die der gesunde Menschenverstand fast zwangsläufig an die Institution Kirche stellen muss.

Unterm Strich: ein Buch, das man einfach ungern aus der Hand legt. Für überzeugte Kirchenmänner und -frauen fraglos eine Provokation. Für Thriller-Fans ein Muss. Pech für den, der beides ist.

"Die Paulus-Papiere", swb-verlag, 358 Seiten.