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Ein Star, keine Diva

Weltberühmt: die Sängerin Magdalena Ko{zcaron}ená. Foto: Oleg Rostovtsev, C.E.M.A.
Weltberühmt: die Sängerin Magdalena Ko{zcaron}ená. Foto: Oleg Rostovtsev, C.E.M.A. FOTO: Rostovtsev Photography (g_kultur
Trier. Mosel Musikfestival: Mezzosopranistin singt Händel-Arien in Trier.

Trier Ihren Karrieredurchbruch erlebte Magdalena Ko{zcaron}ená im Jahr 2000, als die Mezzosopranistin bei den Wiener Festwochen für die erkrankte Anne Sofie von Otter einsprang. Seither avancierte sie zum Star. Am Dienstag, 5. September, ab 20 Uhr gastiert die Echo-Preisträgerin beim Mosel Musikfestival im Theater Trier. Begleitet wird sie vom Venice Baroque Orchestra. Mit TV-Mitarbeiter Dirk Tenbrock sprach Ko{zcaron}ená im Vorfeld über ihr Spezialgebiet Barock, die täglichen Stimmübungen und ihre Doppelrolle als Mutter und Musikerin.Frau Ko{zcaron}ená, Händel sah sein musikalisches Schaffen eher als Handwerk denn als Kunst. Würden Sie dem zustimmen, und was bedeutet das für Ihren Gesang?Magdalena Ko{zcaron}enáIch weiß nicht, in welchem Zusammenhang Händel das gesagt hat. Doch wenn man sein gewaltiges Werk überschaut, kann man es verstehen. Nicht nur die Bewältigung aller Kompositionsformen, in denen er unbestritten seine Meisterschaft bewiesen hat, benötigt handwerkliches Können. Dasselbe gilt auch für den Sänger. Wir werden uns sicher darüber einig sein, dass die Musik ohne Kunst leer wäre.In Trier werden Sie Arien aus "Giulio Cesare" singen, die ja eine von Händels meist gespielten Opern ist. Was ist an diesem Stück so faszinierend?Ko{zcaron}ená Ich kann das nur raten, weil für den Erfolg oder Misserfolg beim Publikum viele Faktoren entscheidend sind. Doch meiner Meinung nach ist es ein glücklich gewähltes Sujet: In der ziemlich gut bekannten historischen Geschichte wird sich der Zuschauer in den komplizierten Beziehungen nicht verloren fühlen. Zu den Spezialitäten Händels gehört auch eine vollkommene Charakteristik der Personen; bei der Kleopatra kann der Zuschauer alle ihre Facetten, von einer stolzen Intrigantin über die verliebte und verzweifelte Frau bis zum Triumph am Schluss erleben. Es ist auch die außerordentlich reiche Instrumentierung des Werkes zu bewundern, auch die Tatsache, dass es sich nicht nur um eine Reihe von da-capo-Arien handelt, denn in "Giulio Cesare" fehlen auch nicht Ensembles oder orchestrale Sinfonien mit viel instrumentalen Farben.Sie sind berühmt für Ihre Barock-Interpretationen. Wie hat sich Ihr Repertoire mit der Zeit verändert?Ko{zcaron}enáIch weiß, dass ich in dieser Kategorie eingeordnet war, doch das hat sich, wie ich meine, mit der Zeit geändert. Ich kann nicht die Musik nur einer einzigen Epoche singen, es wäre für mich furchtbar langweilig. Ich brauche das Barock ebenso wie die moderne Musik, ich will vergleichen, die Kenntnisse des einen in das andere übertragen. Vom Anfang meiner Karriere an habe ich mich auch der Musik der jüngeren Epochen gewidmet. Sehr gerne und oft singe ich Werke tschechischer Komponisten, nicht nur Dvoøák, sondern auch die des 20. und 21. Jahrhunderts: Janáèek, Martin, Eben. In den Opernproduktionen kommt für mich jetzt sogar das jüngere Schaffen häufiger vor, und auch in meinen Rezitals kann man Berio, Schostakowitsch, Britten, Wolf, Ravel oder Schulhoff hören, mit einer Swing-Band singe ich sogar die Lieder von Cole Porter. Sie sind Künstlerin in einem von großen Egos geprägten Geschäft und trotzdem nicht als kapriziös bekannt. Sind Sie trotzdem eine Diva?Ko{zcaron}ená Es hängt davon ab, was Sie unter dem Begriff "Diva" verstehen. Ich habe wirklich keine speziellen Rituale, ich stelle an die Veranstalter keine außergewöhnlichen Ansprüche, ich habe an der Aufmerksamkeit der Medien keinen Gefallen. Falls Sie aber damit meinen, dass ich jetzt in meinem Beruf eine Position habe, in der ich auswählen kann, was ich machen will und mit wem, dann ja, dann bin ich eine "Diva", und das ist mir angenehm.Ihr Instrument ist Ihre Stimme. Wie viel üben Sie, und wie schützen Sie Ihre Stimme?Ko{zcaron}ená Ich mache täglich Stimmübungen, ich kann aber selbstverständlich nicht so lange üben wie zum Beispiel Pianisten. Andererseits brauche ich viel Zeit für das Lernen der Texte, ich arbeite mit den Libretti in fremden Sprachen und achte darauf, in guter physischer Kondition zu bleiben. Und wie ich meine Stimme schütze? Ich versuche, die Balance zu halten zwischen dem mehr dramatischen Repertoire wie zum Beispiel Mahler, in dem ich in der Stimme mehr Kraft entwickeln muss und bei dem ich mehr Vibrato verwende, und der Barockmusik, die wieder die Beweglicheit der Stimme braucht und sie frisch und jugendlich zu bewahren hilft.Sie haben mit Ihrem Mann, dem Dirigenten Sir Simon Rattle, drei Kinder, hat das Ihre Karriere und Ihre Lebenseinstellung verändert?Ko{zcaron}ená Es war selbstverständlich eine große Veränderung! In Bezug auf das Arbeitspensum von mir und meinem Mann ist es sehr schwer, das Familienleben mit der Karriere zu verbinden. Ich würde jedoch in keinem Fall etwas daran ändern wollen. Meine drei Kinder erfüllen mich mit einer unglaublichen Energie, sie haben mir einen nützlichen Abstand gegeben und meine Lebensprioritäten deutlich verschoben. Ich kann mir mein Leben ohne meine Familie überhaupt nicht vorstellen.Kennen Sie die Mosel-Region? Werden Sie Zeit für Sightseeing haben oder die berühmten Rieslinge probieren?Ko{zcaron}ená Die Mosel-Region kenne ich leider nicht so gut, wie ich es mir wünschte, und auch diesmal kann ich nicht länger bleiben. Ich komme zu Ihnen aus Rumänien und stehe vor einer Europa-Tournee mit einer Flamenco-Gruppe mit einem Programm aus der spanischen Barockmusik. Ich freue mich darauf, Ihre berühmten Weine zu kosten. Ich bin in Südmähren geboren, in einer ebenfalls bekannten Weinregion; ein guter Wein bringt mir immer Freude.Dirk TenbrockKarten: TV-Service-Center Trier.Interview magdalena Ko{zcaron}ená