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"Ich bin ein Kontinent"

"Ich bin ein Kontinent"

Das bundesweit erfolgreiche Trie-rer Künstlerpaar Martina Roth und Johannes Conen widmet seine neue Produktion der Dichterin Gertrud Kolmar. Nach der Uraufführung am 22. Mai in der Tufa geht das Stück auf Tour.

Die Dichterin Gertrud Kolmar wurde 1943 in Auschwitz ermordet. "Eine der ganz Großen, in einer Reihe mit Else Lasker-Schüler, Nelly Sachs, Rose Ausländer", sagt Martina Roth. Nur dass Kolmar "zu Unrecht ziemlich unbekannt geblieben ist".
Erinnern und vergessen - das ist der rote Faden, der sich durch die Theaterarbeiten von Roth und ihrem Partner, dem langjährigen Trierer Gestaltungsprofessor Johannes Conen, zieht. In ihrem Studio im Gewerbegebiet Ehranger Hafen tüfteln sie unermüdlich an der Erweiterung ihres Repertoires, das inzwischen sechs Stücke umfasst.Dialog mit dem Inneren Ich


Gemeinsam haben sie das Bewegtbildtheater erfunden, eine neue Präsentationsform auf der Bühne. Roth, die professionelle Schauspielerin, agiert inmitten von Bildschirmen und Projektionen, quasi im Dialog mit einem inneren Ich - oder ihrem eigenen Spielgelbild. Lebende Performance und Hightech: Das ist Millimeterarbeit, die akribischer Vorbereitung bedarf.

Die Idee made in Trier funktioniert: Roth und Conen sind in ganz Deutschland unterwegs, vor allem in kleineren Theatern. Letztes Jahr gab es ein Gastspiel in der Ukraine, die Fortsetzung war schon geplant. "Dann kam der Maidan dazwischen", erzählt Conen. Aber dieses Jahr wäre es terminlich eh schwierig geworden - allein im Herbst sind 30 Vorstellungen mit unterschiedlichen Stücken gebucht.

Aber vorher steht in der Tufa die Premiere des Kolmar-Stücks an, das "Ich bin ein Kontinent" heißen wird. Es orientiert sich am letzten Roman der Dichterin, 1940 im Zeichen des Nazi-Terrors geschrieben, bevor die Odyssee der Jüdin durch Arbeits- und Konzentrationslager begann. Es geht um Susanna, eine junge, gemütskranke Frau, die sich in eine kindlich-poetische Welt zurückzieht. "Fast ein bisschen autistisch", sagt Johannes Conen.
Er hat Kolmar-Gedichte vertont, bei denen er Roth mit der Gitarre begleitet. Bild, Klang, Text verschmelzen beim Bewegtbildtheater zu einem Gesamtkunstwerk. Im Mittelpunkt steht Kolmars Sprache, von Martina Roth als "expressiv und bildgesättigt" beschrieben.Nächste Station: Luxemburg


So viel hat man im Lebenslauf der Frau, die nur 48 Jahre alt wurde, entdeckt, dass eine Produktion nicht ausreicht. Nächstes Jahr soll im Grand Théâtre Luxemburg, das schon mehrfach Aufführungen des Bewegtbildtheaters herausgebracht hat, ein neues Stück uraufgeführt werden: "Die Frau und die Stadt - eine Nacht im Leben der Gertrud Kolmar". Die vielfach ausgezeichnete Autorin Gerlind Reinshagen hat den fiktiven inneren Monolog geschrieben, in dem sich Kolmar mit der Frage auseinandersetzt, ob sie angesichts der schrecklichen Rahmenbedingungen weiterleben will.

Doch diese Produktion ist noch Zukunftsmusik, erst will die Premiere in der Tufa über die Bühne gebracht werden. Gleich für drei Abende in Folge hat man den kleinen Tufa-Saal gebucht - darauf bauend, dass das Publikum dem Propheten im eigenen Land mindestens so viel Gehör schenkt wie die Theaterfreunde in Konstanz, Fürth, Chur, Wolfsburg oder Nürnberg, um nur einige der vielen Gastspielorte zu nennen.

"Ich bin ein Kontinent", 22., 23. und 24. Mai jeweils 20 Uhr in der Tuchfabrik Trier. Karten im TV-Service-Center Trier, unter www.volksfreund.de/tickets und per Hotline 0651/7199996.