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Ausstellung: Liebevoller Blick und traumblaue Fernen

Ausstellung : Liebevoller Blick und traumblaue Fernen

Das Wittlicher Museum Casa Tony M. zeigt das „Heimspiel“, eine unbedingt sehenswerte Schau mit Werken von Tony Munzlinger.

So kennt man ihn wenig. Ein eher unbekannter Tony Munzlinger stellt sich dieser Tage in der Wittlicher Casa Tony M. dar. Zum „Heimspiel“ ist der Künstler in das Museum in der historischen Posthalterei Thurn und Taxis, das seine Schenkung betreut, mit einer gleichnamigen Ausstellung zurückgekehrt.

Der Titel ist mehrdeutig. Nicht nur, dass der Künstler, der seit den 1960er Jahren in Italien lebt, aus Wittlich stammt. Auch die Bilder der aktuellen Schau am Markt weisen Motive aus der Lieserstadt und der angrenzenden Eifel- und Mosellandschaft sowie dem Hunsrück auf. Zu einer Art heimatlichem Klassentreffen versammeln sich in den intimen Bilderkabinetten die 60 Arbeiten, die von zahlreichen privaten Leihgebern stammen.

Mit Heimattümelei hat die Ausstellung dennoch nichts zu tun, trotz ihrer Motive und Munzlingers Verbundenheit mit seiner Heimatstadt, die er regelmäßig besucht und der er große Teile seiner Sammlung anvertraut hat. Eher kann dieses „Heimspiel“ als eine Verortung jenes Gefühls gelten, das der Künstler mit dem Begriff Heimat verbindet.

Gemeinhin ist Tony Munzlinger als Karikaturist bekannt. Sind es doch seine bisweilen bitterbösen Arbeiten, die seinen Ruhm als Karikaturist begründen. Auch in der Schau am Marktplatz findet sich eine Reihe von Arbeiten mit satirischem Unterton, wie die zur Wittlicher Säubrennerkirmes oder das „Neumagener Weinschiff“ unter der Burg Cochem, das „Loch in der Landschaft“ und die bekannten „Puzzle-Bilder“. Wo allerdings andernorts Munzlingers spitzer Stift die Dinge gnadenlos ans Licht bringt, da ist der Blick des Karikaturisten auf die heimatlichen Verhältnisse augenzwinkernd und humorvoll, eben wie einer, der zwar distanziert, aber liebevoll die vertraute Welt betrachtet.

Humor und Scharfsicht verbinden sich fraglos in der Person des 1934 in Wittlich geborenen Malers und Zeichners. Zudem besitzt er jene Fähigkeit zu gleichzeitiger emotionaler Nähe wie distanzierter Ferne, die Voraussetzung für eine wirkliche Aneignung von Heimat ist. Wer Gelegenheit hat, sich mit Munzlinger zu unterhalten, oder wer nur eingehend seine satirischen Arbeiten betrachtet, erkennt schnell, dass der so umgängliche Wittlicher wie Wahl­italiener ein im Grunde sensibler, tiefernster Mann ist, der schon im Licht den Schatten voraussieht und im Vordergründigen nachtschwarze Tiefen und sehnsuchtsblaue Fernen erkennt.

Genau diese nicht auf den ersten Blick offensichtliche Seite des Künstlers wird in den schönsten Bildern der Wittlicher Ausstellung wunderbar sichtbar. Und das ganz leise und feinsinnig. Ein Erlebnis, das allein den Besuch der sehenswerten vielfältigen Schau lohnt.

 „Meine Heimat liegt im Blauen“, die Gedichtzeile eines ansonsten vergessenen deutschen Dichters fällt einem ein angesichts der traumverlorenen Landschaftsbilder mit ihrer sensiblen Farbgebung (allesamt Mischtechniken), darunter „Da kommt bestimmt ein Gewitter“, der „Jodenbosch bei Wittlich“, der „Mosenberg“ oder der „Blick auf Eckfeld“. Es sind wahre Seelenbilder, in denen sich Innen- und Außenschau des natur-und heimatliebenden Künstlers verdichten. Tony Munzlingers seelenvolle Landschaftsbilder zeigen einen Neo-Romantiker im besten Sinn, der seine Seele in der Natur spiegelt. Und was den Heimatbegriff angeht, so machen die Landschaften des Künstlers wie seine Biografie deutlich, dass er mehr ist als ein ordnungspolitischer Begriff.

Die Ausstellung läuft bis zum 28. April 2019; die Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 14 bis 17 Uhr. Einlass über den Empfang der Städtischen Galerie im Alten Rathaus. Zur Ausstellung findet auch ein Fotowettbewerb statt. Infos dazu gibt es auf www.casatonym.de