1. Region
  2. Kultur

"Ohne Lesen verblöden wir"

"Ohne Lesen verblöden wir"

MÜNCHEN. Start für Elke Heidenreich: Am Dienstag, 29. April (22.15 Uhr), moderiert die Schriftstellerin und Kritikerin das neue ZDF-Büchermagazin "Lesen!". Die Sendung ist der Nachfolger der 2001 abgesetzten Talkshow "Das literarische Quartett".

Frau Heidenreich, nach jahrelanger Bildschirmabstinenz kehrenSie jetzt zurück. Warum? Heidenreich : Weil ich finde, dass das Fernsehen neben dem ganzen Unterhaltungskram auch die Verpflichtung hat, etwas für die Kultur zu tun. Außerdem begegnen mir immer wieder Leute, die sagen: "Ich möchte gerne lesen, aber ich weiß nicht was, geben Sie mir doch mal einen Tipp."

Ihre Sendung richtet sich also nicht nur an Intellektuelle?

Heidenreich : Nein, die Intellektuellen sind über die Zeitungs-Feuilletons gut versorgt. Ich möchte die bedienen, die sich nicht zurecht finden, und die sich bang fragen: Verstehe ich das überhaupt? Soll ich dieses Buch lesen? Oder lieber ein anderes?

Es wird demnach also auch keine Verrisse geben, sondern klare Kauf- und Lesetipps?

Heidenreich : Wir haben ja nur 30 Minuten, da fände ich es verfehlt zu sagen: Dieses Buch ist schlecht, lest das nicht. Ich möchte eher Empfehlungen geben. Eine Ausnahme würde ich vielleicht machen, wenn ich von einem viel beachteten Buch abraten möchte.

Es wird in Ihrer Sendung auch Filmbeiträge geben.

Heidenreich : Einen pro Sendung. Wir picken uns jedes Mal ein wichtiges Buch heraus, besuchen den Autor und reden mit ihm - über sein Buch oder sein Leben. Damit wir sehen: Ist er dick oder dünn, klein oder groß, alt oder jung, was ist das für ein Mensch. Außerdem haben wir in jeder Sendung einen Gast. Der spricht über ein Buch, das er gerade liest oder das in seinem Leben wichtig war, und soll daraus auch ein bisschen vorlesen.

In der ersten Folge haben Sie Harald Schmidt zur Gast. Warum?

Heidenreich : Harald ist einer der intelligentesten Menschen, die ich kenne, und liest unheimlich viel. Er wohnt bei mir in Köln nebenan, wir sehen uns oft und reden dann jedes Mal über Bücher.

Kürzlich haben wir uns auf der Straße getroffen und über ein Buch gesprochen, das uns beide sehr berührt hat. Da habe ich gesagt: Mensch, komm doch in meine erste Sendung und lass uns darüber reden.

Welche Gäste werden Sie in den nächsten Ausgaben haben?

Heidenreich : Ich habe eine lange Wunschliste, aber es ist noch nichts spruchreif. Die Voraussetzung ist, dass es Menschen sind, die im Fernsehen frei und offen reden können - Autoren können ja oft nicht über ihre eigenen Bücher sprechen. Außerdem müssen es Lese- und Literaturbegeisterte sein. Niemals Stefan Raab oder diese Richtung, es sollten schon Leute sein, denen man Intelligenz und Lesen zutraut.

Stimmt es, dass die Idee zu der neuen Literatursendung von Ihnen stammt?

Heidenreich : Eigentlich hatte ich die Idee, dass das Fernsehen endlich eine gute Literatursendung machen sollte. Ich wollte sie gar nicht selbst machen, denn mein Leben ist auch ohne Fernsehen sehr schön. Dann fragte der NDR bei mir an, und ich sagte: Ich mache das, aber nur unter strikten Bedingungen, nur alleine und nur vor 23 Uhr. Wir konnten uns aber nicht einigen, weil bei der ARD immer so viele Sender mitreden - die waren nicht unter einen Hut zu bringen. Das ZDF ist zwar ein Riese, und es dauert, bis er sich bewegt. Aber wenn er sich bewegt, kommt auch was dabei raus.

Haben Sie den Eindruck, dass sich zurzeit etwas bewegt in Sachen Literatursendungen?

Heidenreich : Nein, es ist immer noch viel zu wenig, und vor allem kommt vieles mit diesem Bildungsanspruch daher. Ich möchte, dass Lesen etwas ganz Selbstverständliches ist, wie Essen, Trinken, Fernsehen. Ohne Lesen verblöden wir. Lesen macht glücklich, davon gehe ich aus.

Das Gespräch führte unsere

Mitarbeiterin

Cornelia Wystrichowski.

Elke Heidenreich und Bernd Schröder werden am Freitag, 9. Mai, 20 Uhr, in der Aula der Wandalbert-Hauptschule in Prüm aus dem Buch "Rudernde Hunde" lesen.

Es ist die Auftaktveranstaltung des Eifel Literatur Festivals, das vom Trierischen Volksfreund präsentiert wird.

Kartentelefon: 06551/2489 und 4399.

e-mail: josef.zierden@t-online.de