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Puppenspiel als Welttheater

Puppenspiel als Welttheater

Erstaunlich, wie nuanciert Puppenspiel möglich ist. Neville Tranter und sein Assistent entfalten in der Trierer Tufa mit ihrem Figuren spiel um den Abstieg eines Rockstars - tragisch und komisch zugleich. Rund 40 Besucher waren wie gebannt bei der Sache.

Trier. Man mag es zunächst nicht glauben. Da nehmen Puppenspieler fast lebensgroße Figuren auf die Hand - und mit einem Mal werden aus den toten Abbildern lebendige Gestalten. Neville Tranter und sein Kollege Wim Sitvast hauchen ihnen Leben ein - mehr noch: emotionale Energie und soziale Aktivität. Da zeigen Figuren ein menschliches Verhalten, das sich in Film und Theater oft nur mit großem Aufwand realisieren lässt. Die Miniatur der Puppen wird zum kleinen Stück Welttheater.
"The King" heißt die Produktion. Ihre Handlung ist simpel und orientiert sich am Leben des echten "King of Rock \' n \' Roll", Elvis Presley. In Rückblenden erzählen die Puppen am Grab des Musikers, der hier nur "King" genannt wird, von dessen Niederlagen bis hin zum traurigen Ende.
Ein Musiker wird zum Medienobjekt und verliert am Ende seine Identität. Der Arzt entpuppt sich als skrupelloser Drogendealer, der Manager als gewinnsüchtiger Mafioso, der Sicherheitschef als subaltern-verantwortungsloser Funktionär, ein Reporter als gehetzter Sensationsjournalist. Und mittendrin der "King" mit seiner vergeblichen Suche nach Wärme und Nähe.
All das ist so neu nicht. Aber nicht die Story besticht, sondern deren Realisierung. Tranter und sein Kollege sind Meister der Nuance - in der Figurendarstellung und in der modulationsfähigen und dabei stets deutlichen und auch im Englischen verständlichen Sprache. Im kargen Bühnenbild spielen sich Figuren großspurig auf, nehmen sich demütig zurück, suchen hoffend oder angstvoll Kontakt zu anderen, und wenn das Ego bis ins Mark getroffen ist, dann zittern die Puppenkörper, als wären es Lebewesen.
Ihre Gestalten sind inspiriert vom amerikanischen Comic-Cartoon. Gerade das ist ihr Plus. In den kalkulierten Verzeichnungen der Figuren zeigt sich ihr wahrer Charakter. Bei Tranter hat sich Theater von der Illusion völlig gelöst. Es spiegelt vielmehr die Wirklichkeit.