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Richter soll brennen

Richter soll brennen

TRIER. Die Hexenverfolgungen in Trier stehen im Mittelpunkt eines großen Konzertprojekts, das im September uraufgeführt werden soll. Im Mittelpunkt der szenischen Aufführung steht eine historische Figur: Der Trierer Stadtschultheiß Doktor Dietrich Flade.

Der Mann hatte alles, was man sich wünschen kann: Macht, Einfluss, Geld. Doktor Dietrich Flade, reichster Bürger von Trier, Arzt, Jurist, Bürgermeister, Universitätsrektor, Richter. Und Hexenjäger. Von 1577 bis 1588 führte er nachweislich acht Hexenprozesse - die Opfer landeten auf dem Scheiterhaufen. Doch dann erwischte es Flade selbst: Er geriet in Verdacht, ein Hexenmeister zu sein, wurde vor Gericht gestellt, gefoltert und hingerichtet. Ein außergewöhnliches Schicksal in finsteren Zeiten, das den Trierer Musiker und Komponisten Joachim Reidenbach schon seit Jahren beschäftigt. 2000 machte er sich erstmals an eine Vertonung von Flades Lebensgeschichte. "Da wäre fast eine Oper draus geworden", sagt er heute. Aber dann verwarf er seine erste Version und legte den Stoff auf Eis. Doch Flade ließ ihn nicht in Ruhe. Und die Faszination für das Thema teilte der Musiker mit der Historikerin Rita Voltmer von der Uni Trier. In gemeinsamer Arbeit entstand eine neue Fassung mit 12 Szenen für Sprecher, Chor, Holzbläser, Streicher, Cembalo und Pauken. Für die szenische Umsetzung gewannen Voltmer und Reidenbach Regisseurin Birgit Hoffmann und ihr Max-Tuch-Theater. Insgesamt 36 Mitwirkende sollen das ambitionierte Zweieinhalb-Stunden-Stück unter dem Titel "Der Richter muss brennen" zur Aufführung bringen. Text-Grundlage ist das Protokoll des Flade-Prozesses, Reidenbach hat dazu effektvolle Chorsätze und eine größere kammermusikalische Instrumentalbegleitung komponiert. "Elemente moderner Kompositionstechnik, aber keine Atonalität" verspricht der Komponist. Das künstlerische Konzept steht, das Team für die Umsetzung auch - nur die Finanzierung weist noch Lücken auf. "Ein Wagnis in Reinkultur" nennt Reidenbach sein Projekt, das rund 25000 Euro kosten wird. Man hofft auf Sponsoren, aber natürlich auch auf großen Publikumszuspruch, vor allem angesichts der "beachtenswerten Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kultur", wie es in einem Konzeptpapier heißt. "So oder so: Wir haben uns entschieden", sagt Reidenbach. Sogar Termin und Ort hat man bereits festgelegt. "Der Richter muss brennen" soll in St. Maximin uraufgeführt werden, am 18. September. Genau jener Tag, an dem im Jahr 1589 der Richter Flade in Trier tatsächlich brannte.