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Roberto Fonseca: Jazz flirtet mit Drum’n’bass, Klassik und Soul

Roberto Fonseca: Jazz flirtet mit Drum’n’bass, Klassik und Soul

Er ist das jüngste Mitglied des berühmten Buena Vista Social Club. Der kubanische Jazz-Pianist Roberto Fonseca hat mit Größen wie Herbie Hancock, Omara Portuondo und Ibrahim Ferrer gespielt. Im luxemburger Musikkonservatorium entführte er die Zuschauer auf eine jazzige Weltreise.

Foto: Mandy Radics

Luxemburg. Er ist ungewöhnlich, dieser Roberto Fonseca. Nicht nur, weil er mit dem Rücken zum Publikum an seinem Piano sitzt. Auch, weil die Scheinwerfer auf die Mitte der Bühne gerichtet sind, wo nicht er selbst sitzt, sondern sein musikalischer Kollege an den afrikanischen Percussions. Irgendwie sympathisch, diese Bescheidenheit.

Doch Fonseca gibt ganz klar den Ton an, gibt seinen Musikern Zeichen, singt selbst mit. Für den afrikanischen Gesang ist Baba Sissoko zuständig. Der spielt auch hervorragend die sogenannte N'goni, ein Zupfinstrument ähnlich einer Gitarre in Kleinformat. Der Klang dieses Instruments trägt ganze Songs, ist eingehend, berührend wie in "7 Rayos".

Wie auf einer kleinen Insel sitzt der 37-Jährige Fonseca auf seinem Schemel. Vor ihm sein Steinway-Piano, darüber montiert ein Keyboard. Rechts ein weiteres Tasteninstrument für die elektronischen Klänge, links das Laptop. Eine passende Schublade lässt sich für ihn nicht finden, denn auf seinem neuen Album "Yo", zu deutsch ich, vermischt er Jazz mit afrikanischen, springt im nächsten Song zu orientalischen Klängen. Mal fliegen seine Finger über die Tasten wie bei "80's".

Im Stück "El soñador está cansado" gibt er langsame Klänge zum besten, das Piano ist das Hauptelement des Stückes. Nie verleugnet er seine kubanischen Wurzeln. Ganz im Gegenteil, immer wieder schlängeln sich kubanische Rhythmen durch die verschiedenen Arrangements. Dabei flirtet Fonseca musikalisch mit Jungle, Drum'n'bass, Klassik und Soul.

Fordert seine Percussionisten zum Zweikampf mit dem Piano heraus. Die Klavierklänge fliegen durch den Saal, dicht gefolgt von den Trommeln und Schlaginstrumenten. Fonseca hat den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen. Er ist eins mit seiner Musik, genau wie die Zuschauer, die pfeifen und klatschen und den sympathischen Musiker erst nach einigen Zugaben und stehenden Ovationen aus dem Konzert entlassen.