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Kultur
So erfolgreich, so bescheiden

FOTO: h_ko <h_ko@volksfreund.de>
Trier. Der Konzer Organist und seine Chorkomposition zur Eröffnung der Heilig-Rock-Tage 2018

Eine Nische nur habe er besetzen wollen, sagt Karl Ludwig Kreutz. Aber der Konzer Organist und Lehrbeauftragte für Improvisation und liturgisches Orgelspiel hat für seine Chorkomposition zur Eröffnung der diesjährigen Heilig-Rock-Tage trotzdem keineswegs zum nächstbesten Text gegriffen.

Er ist auf eine Dichtung gestoßen, die ihn unmittelbar ansprach, obwohl sie im neuen „Gotteslob“ nicht mehr erscheint. Silja Walter (1919-2011), Benediktinern mit dem Ordensnamen Schwester Maria Hedwig hat ihn geschrieben.

Die angesehene und mehrfach preisgekrönte Schweizer Dichterin hat in ihren zahlreichen Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken immer wieder das Verhältnis von Gott und Menschen in den Mittelpunkt gestellt. „Ein Mensch wie wir“ heißt der Text, den Kreutz für das Pontifikalamt vom 13. April zur Eröffnung der Heilig-Rock-Tage vertont hat.

Die erste Chorkomposition speziell zum „Heiligen Rock“ in Trier sei es, sagt er leise. Und ergänzt bescheiden, es handele sich bei diesem Werk um „Gebrauchsmusik“. Damit benutzt er eine Vokabel, die sich in Komponistenkreisen keiner sonderlichen Beliebtheit erfreut. Wer will schon gerne für den „Gebrauch“ komponieren?

Aber Kreutz bleibt nicht nur im Auftreten, sondern auch in seiner Komposition zurückhaltend. Das Werk ist mit 4-5-stimmigem Chor, Blechbläsern und zwei Orgeln besetzt und damit nicht gerade kammermusikalisch, aber doch in der Wahl der Mittel nicht allzu groß und ist dazu im Schwierigkeitsgrad von eindeutigem Realismus geprägt. „Sie soll von Herzen kommen und zu Herzen gehen“, sagt Kreutz und meidet in seinem Werk alles, was normalen Chor-Sängerinnen, -Sängern und auch Publikum unüberwindliche Schwierigkeiten machen könnte.

Kreutz gehört nicht zu den Künstlern, die bei jeder Gelegenheit Selbstdarstellung praktizieren. Und doch hat der Konzer Organist durchaus Anlass zu leisem Stolz. Sein kirchenmusikalisches A-Examen und die Reifeprüfung im Konzertfach Orgel hat er 1988 mit Auszeichnung bestanden. Schon fünf Jahre zuvor hatte er den Förderpreis im Saarbrücker Walter-Gieseking-Wettbewerb erhalten. Der ist benannt nach dem großen Saarbrücker Pianisten, dessen Debussy- und Ravel-Interpretationen sogar in Frankreich Aufsehen erregten.

Nach seinem Studienabschluss profilierte er sich dann als brillanter Improvisator und zugleich als zuverlässig und sorgfältig arbeitender Dozent. Nach Lehraufträgen in Aachen (1995-2001) und Heidelberg (2001-2009) unterrichtet er seit 2005 Improvisation und liturgisches Orgelspiel an der Musikhochschule Freiburg und seit 2010 außerdem an der Saarbrücker Musikhochschule.

An die 100 Studenten sind bislang durch seine Schule gegangen. Was sie bei ihm erlernt haben, geben sie in der gesamten Republik als Organisten weiter. Die Ernennung von Kreutz zum Honorarprofessor im Jahr 2007 würdigt darum vor allem dessen erfolgreiche Lehrtätigkeit im Bereich Improvisation.

Was bedeutet Improvisation? Kreutz erklärt es so: Der Organist fasst sein technisches Können und seine musikalische Erfahrung zusammen und konzentriert sie auf einen bestimmten Stil. Der hängt ab von Vorgaben – vom Veranstalter, aus dem Publikum, aber auch von eigenen Ideen. Der wichtigste Ort für Orgel­improvisation ist für Kreutz dabei der Gottesdienst. Es sei eine „helle Freude“, die Messe musikalisch immer wieder anders, immer wieder neu zu gestalten. Sie ist damit auch ein Ort für musikalische Kreativität.

Wo eine Orgel steht, sind Orgelkonzerte nicht fern. Karl Ludwig Kreutz hat den Aufbau der Gaida-Orgel in Konz-St. Nikolaus eingehend begleitet und 2011 die „Internationalen Orgelkonzerte Konz“ etabliert. Auch 2018 finden Orgelkonzerte statt. Dieses Mal stehen sie unter dem Motto „Orgel plus“ – Orgel und Trompete (Louisa und Peter Maas, 17. Juni), sowie Orgel, Querflöte und Trompete (Christian Schmitt, Tatjana Ruland, Matthias Höfs 30. September).

Kreutz wird in der Eröffnung (29. April, 17 Uhr) zu Charlie Chaplins Stummfilm-Klassiker „Goldrausch“ improvisieren.

Und zum Abschluss der Reihe (11. November) präsentiert Wolfgang Seifen, der Berliner Professor und Titularorganist der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche seine Improvisationskunst (Beginn aller Konzerte: 17 Uhr).