Süß, sauber, sexy

SAARBURG. Schwiegermuttertraum und Teenie-Idol: Jeanette Biedermann erfüllte in Saarburg die Erwartungen. 1200 Besucher feierten ihren Star beim Konzert, das der Trierische Volksfreund präsentierte.

Lange Wartezeiten nehmen Jeanette-Fans ohne Murren in Kauf. Bereits am frühen Nachmittag harren sie geduldig vor dem Haupteingang der Stadthalle Saarburg aus, um drei Stunden später, wenn der Einlass beginnt, die Ersten zu sein. Als sich die Türen öffnen, drängt sich ein Menschenpulk vors Sicherheitspersonal. Der Reihe nach werden die Gäste hereingelassen, und meistens rennen sie schnell in den Saal, um einen Platz ganz vorne vor der Bühne zu erwischen. Einige haben selbstgemalte Plakate mitgebracht: "Jeanette, Du bist cool" steht darauf in bunter Farbe, umrahmt von zahlreichen Fotos dieser jungen Sängerin.Während die Vorbands auftreten, gibt es einen Vorgeschmack dessen, was später bis auf die Straße zu hören sein wird. Nach jedem Stück, sogar nach jedem Refrain, kreischen die Konzertbesucher aus voller Kehle. Das Licht geht aus, und auf der Leinwand wird ein Countdown rückwärts gezählt. 60 Sekunden, die für viele unerträglich scheinen. Nervös tippeln sie hin und her, werfen die Hände vors Gesicht und können es gar nicht erwarten, dass der Auftritt, dessentwegen sie gekommen sind, endlich beginnt. Die letzten zehn Zahlen werden lautstark mitgezählt. Der Schriftzug "Jeanette" erscheint, und die jungen Menschen sind außer Rand und Band.Auf die Bühne kommt eine quirlige Frau mit langem Zopf, in Weiß gekleidet. Es ist Jeanette. "Hallo Saarburg", ruft sie, und "Ich freu‘ mich so, dass ihr hier seid". Sie trägt einen hautengen Hosenanzug, stelzt hochhackig zu ihren Tänzern, ballt die Fäuste und hält ihr Profil in die Scheinwerfer. Sie sieht sehr sexy aus.Jeanette Biedermann ist ein Teeniestar für Mädchen ab acht Jahren. Weil es in Deutschland keine Britney Spears und keine Christina Aguilera gibt, wurde Jeanette nach ihrem Gesangs-Debüt als deutsche Antwort auf diese amerikanischen Pop-Sternchen gehandelt. Ihr erstes Album "Enjoy" erreichte einen Achtungserfolg. Darauf befindet sich auch Jeanettes erster Hit "Will you be there".Mittlerweile hat sie die dritte Platte - "Rock My Life" - herausgebracht und eigens für Tournee und Promotion eine Fernsehpause eingelegt. Jeanette spielt seit 1999 in der täglichen Seifenoper "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" die Rolle der Marie Balzer. Im Herbst soll es die Rückkehr auf den Bildschirm geben.Karrierestart im Kinderzirkus

Die Karriere der heute 20-Jährigen hat früh begonnen. Mit sechs Jahren trat sie im Berliner Kinderzirkus Lilliput auf, vor vier Jahren gewann sie unter 260 000 Bewerbern einen Talentwettbewerb, kam dadurch ins Fernsehen und schließlich auf die Bühne. Sie wurde zum Comet-Live-Award nominiert, erhielt Sonderpreise der goldenen Europa und Echo-Auszeichnungen. Die Single zum aktuellen Album belegte sogar Platz drei der deutschen Charts. Mit Ronan Keating produzierte sie ein Duett ("We‘ve got tonight"), und erst vor kurzem erhielt sie den "European-Top-of-the-Pops-Award" als beste deutsche Künstlerin.Tänzerin, Schauspielerin, Sängerin - Jeanette verkörpert solche Talente, die sich manche Mädchen beim Erwachsenwerden wünschen. Deshalb ist Jeanette ein Symbol, dem man nacheifern möchte, und ein Idol für viele, die sich beim Konzert in Saarburg treffen. Dort stehen ihre Mütter beisammen, manchmal sind auch Väter dabei. Die Kinder feiern ein paar Schritte weiter. Für die ganz Kleinen gibt es ganz vorne einen abgegrenzten Bereich, damit sie überhaupt etwas sehen können. Alle jubeln ausgelassen. So laut können Mädchen schreien. "How it‘s got to be" heißt eine von Jeanettes erfolgreichsten Single-Produktionen. "How it‘s got to be" singen 1200 Besucher in Saarburg.Freundinnen liegen sich singend in den Armen

"Saarburg, let‘s party tonight", fordert Jeanette immer wieder. Die Angesprochenen jauchzen und freuen sich in diesen frühen Abendstunden. Sie vergessen den Schulkram und andere Sorgen. Sie fassen sich an den Händen, haben Tränen in den Augen. Freundinnen liegen sich singend in den Armen. Welches Lied besonders gefällt, lässt sich freilich gar nicht sagen. Die Konzertbesucher sind textsicher und freuen sich über jedes Stück, jeden Tanz und jede Geste.Die Choreografie ist - wie die gesamte Show - präzise einstudiert. Jeanette wechselt spätestens nach drei Nummern ihr Outfit. Als feurige Latino-Dame taucht sie auf und stolziert unter Palmen-Deko. Dann hat sie sich in eine Jeans-Kutte geschmissen, zitiert Janis Joplin und macht das Friedens-Zeichen. Das Publikum folgt ihr wiederum nach Aufforderung. Auch in schwarzem Leder zeigt sich Jeanette, rockig und gestiefelt. Bauchfrei oder zumindest knapp geschürzt, das sind all ihre Kostüme. Sie schaut süß aus. Vielleicht ein Schwiegermuttertraum? Nur, es gibt wenig männliche Gäste im Saal und vor allem kaum im entsprechenden Alter. Jeanette - ein Sternchen fürs Kinderzimmer. B ilder von der Veranstaltung im Internet unter www.intrinet.de Rubrik Szene/ClickMe