Trauer und Abschied

TRIER. (bre) Dass man einem Feiertag wie Allerheiligen auch mit weltlicher Musik gerecht werden kann, bewies das Philharmonische Orchester unter der Leitung von István Dénes im zweiten Sinfoniekonzert der Saison im Theater mit Werken von Mahler und Barber.

Zu einer Trauermusik par excellence hat sich das berühmte "Adagio für Streicher" des 1981 gestorbenen amerikanischen Komponisten Samuel Barber entwickelt. In den USA erklang das Stück am ersten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001. Die Streicher der Philharmoniker spielten zuverlässig und sauber, klangen aber merkwürdig uninspiriert und schienen nicht richtig mitzugehen, sodass das Adagio etwas belanglos wirkte und die dynamische Steigerung gegen Ende zu "brav" ausfiel. Mit Trierer Kräften ein Stück wie Gustav Mahlers "Das Lied von der Erde" aufzuführen, hat etwas von einem Wagnis - das sich in diesem Fall aber zumindest in der zweiten Hälfte auszahlte. Die Entstehung des Werks 1907/1908 fiel in eine für Mahler privat und beruflich schwere Zeit. Nicht zuletzt seine angeschlagene Gesundheit machte dem Komponisten zu schaffen. In dieser verzweifelten Stimmung wandte er sich Hans Bethges Nachdichtungen altchinesischer Lyrik zu und wählte schließlich sechs Gedichte zur Vertonung. Die Uraufführung des "Liedes von der Erde" fand sechs Monate nach Mahlers Tod statt: am 20. November 1911 in München unter der Leitung von Bruno Walter. "Dunkel ist das Leben, ist der Tod" - drei Mal ertönt diese Zeile im einleitenden "Trinklied vom Jammer der Erde". In bester stimmlicher und technischer Verfassung zeigte sich Gor Arsenian mit seinem stählern strahlenden Tenor, der aber dort, wo es angebracht ist, mit beigemischter Kopfstimme durchaus auch lyrisch klingen kann. Im Orchester gab es ein paar Unstimmigkeiten, etwa bei den Violinen und der Trompete. Man hatte ein bisschen den Eindruck, als hätten sich die Musiker noch nicht richtig "warmgespielt". Dabei blieb es leider auch in den beiden folgenden Stücken. Eva Maria Günschmann bewies mit "Der Einsame im Herbst" einmal mehr, welch eine musikalisch und darstellerisch intelligente Mezzosopranistin sie ist. An das Orchester stellt die überaus transparente Instrumentierung allerhöchste Anforderungen. Kein spätromantischer Klangrausch, hinter dem man sich verstecken könnte. Am optimistischsten wirkt der dritte Teil in diesem Zyklus: das von Gor Arsenian gekonnt interpretierte, fast tänzerisch anmutende "Von der Jugend".Rhythmisch präzises und musikantisches Spiel

Erst mit dem gestalterisch anspruchsvollen "Von der Schönheit" hatte sich das Orchester gefunden und war Eva Maria Günschmann ein ebenbürtiger Partner. Und beim anschließenden "Der Trunkene im Frühling" für Tenor war sogar so etwas wie ein richtiger Mahler-Sound zu hören. Der Funke sprang über: István Dénes inspirierte die Philharmoniker zu rhythmisch präzisem und musikantischem Spiel. Und dann das abschließende und sinfonischste der sechs Lieder, "Der Abschied". So wie Eva Maria Günschmann die Abgeklärtheit dieser Musik nachempfand, und so, wie sie die nicht enden wollenden Bögen spannte, drängte sich oft der Vergleich mit der großen Christa Ludwig auf. Beim wiederholten Schlusswort "Ewig", das die Mezzosopranistin in der Dominante singt, glaubt man zu spüren, wie der Komponist nicht loslassen will. Aber schließlich geht es mit der zart und entrückt klingenden Tonika im Orchester doch zu Ende. Ein trotz aller Einschränkungen großer Abend, für den sich das Publikum mit frenetischem Beifall bedankte.