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Musiktheater
Eine Zauberflöte in Trier mit alten Theaterfreunden

Inszenieren Mozarts „Zauberflöte“ in Trier: Generalmusikdirektor Victor Puhl und der frühere Intendant Heinz Lukas-Kindermann.
Inszenieren Mozarts „Zauberflöte“ in Trier: Generalmusikdirektor Victor Puhl und der frühere Intendant Heinz Lukas-Kindermann. FOTO: Martin Möller
Trier. Ex-Intendant Heinz Lukas-Kindermann gastiert in Trier. Für Generalmusikdirektor Puhl ist es die letzte Premiere. Von Martin Möller

Er war von 1995 bis 2004  Intendant in Trier. Und obwohl Heinz Lukas-Kindermann danach  seinen Intendantensessel an der Mosel planmäßig geräumt hat, schlägt sein Herz immer noch für Trier und sein kleines Theater. Ehemalige Theaterleute erzählen, dass Lukas-Kindermann vor allem während der Zeit der Querelen mit Karl Sibelius häufig anrief, um sich über den Stand der Angelegenheit zu informieren.

Eigentlich sollte es im Gespräch mit ihm, Victor Puhl und TV-Mitarbeiter Martin Möller nur um Lukas-Kindermanns „Zauberflöte“-Inszenierung gehen, die am Sonntag im Trierer Theater Premiere hat. Aber Kindermann musste auch loswerden, was ihn wohl schon lange beschäftigt hat. Zunächst jedoch findet ein Dialog mit Victor Puhl statt, dem musikalischen Leiter.

Herr Lukas-Kindermann, Herr Puhl, die „Zauberflöte“ kennt jeder und ist vielen Opernfreunden geläufig.  Was unternimmt man als Regisseur und als Dirigent, damit das Werk jung bleibt, damit  es seine Spannung behält?

VICTOR PUHL Also, ich glaube, das Stück hat viel mehr Tiefe, als man vermutet. Wer sich intensiv mit dem Werk beschäftigt, entdeckt immer wieder Neues, Unerwartetes. Für mich ist es die erste „Zauberflöte“. Seit ich mich mit dem Werk intensiv befasse, entdecke ich viele Dinge, die ich gar nicht vermutet hätte.

Zum Beispiel?

PUHL Die Partitur hat eine Fülle von wunderschönen Details. Zum Beispiel die Bassetthörner. Die geben den Holzbläsern eine einzigartige Fülle. Ich versuche, solche Details herauszuarbeiten und jeder Arie ein eigenes Profil zu geben.

Herr Kindermann, was unternimmt der Regisseur?

LUKAS-KINDERMANN Ich war erst einmal überrascht, dass ich eingeladen wurde, weil ich Victor Puhl überhaupt nicht kannte. Ich habe die Regie übernommen, weil ich Respekt habe vor der Haltung von Puhl, die für die Zukunft des Trierer Theaters ganz wichtig war. Wichtig war auch die Einstellung des Orchesters. Es hatte die Courage, an die Öffentlichkeit zu gehen. Und wenn Herr Puhl sein Amt als Generalmusikdirektor behalten hat, dann war auch die Presse nicht ganz unschuldig daran. Was nun die „Zauberflöte“ angeht: Ich bin ja ganz nah beim Theater auf der Wiesn aufgewachsen, wo die „Zauberflöte“ uraufgeführt wurde.  Ich habe mich mit der Persönlichkeit des Textautors Emanuel Schikaneder sehr beschäftigt. Er war ein vielseitiger Mann, hatte die geniale Begabung, die besten Leute an sich zu binden. Mozart und Schikaneder waren schon jahrelang befreundet. Als Schikaneder die Leitung des Kärntnertor-Theaters in Wien übernahm, setzte er zur Eröffnung ein Singspiel an: Mozarts „Entführung“.  Es war ein Riesenerfolg. Die Zauberflöte ist allerdings kein Singspiel, sondern eine große Oper. Mich reizt immer wieder die Beschäftigung mit diesem Werk.

Herr Kindermann, was von den interessanten Dingen, die Sie jetzt erzählt haben, findet sich in Ihrer Trierer Inszenierung wieder?  Gibt es leitende Ideen – zum Beispiel der Konflikt zwischen Matriarchat und Patriarchat bei der Auseinandersetzung zwischen der „sternflammenden Königin“ und dem Sonnenpriester Sarastro?

LUKAS-KINDERMANN Die gibt es auf jeden Fall. In der „Zauberflöte“ findet ein Machtkampf statt zwischen zwei gleichwertigen Gegnern und ausgelöst durch den verstorbenen Vater der Pamina und Ehemann der Königin. Der hat den siebenfachen Sonnenkreis dem Sarastro vermacht und nicht seiner Frau. Diese Vorgeschichte muss man als Regisseur kennen, ganz genau.

Nun erscheint diese Vorgeschichte ja nur in den Dialogen ...

LUKAS-KINDERMANN … genau…

…wie weit übernehmen Sie die Dialoge, was kürzen Sie heraus?

LUKAS-KINDERMANN Die „Zauberflöte“ ist nun in erster Linie Oper, man streicht schon die Texte zusammen. Wichtiger ist mir: Mozart arbeitet nicht mit Typen, sondern mit Menschen wie du und ich – mit allen Schwächen und Stärken, und das nicht in den Dialogen, sondern in der Musik. Darin liegt seine Genialität als Opernkomponist.

Herr Kindermann, Herr Puhl, gibt es in der „Zauberflöte“ Kompositionen, die Sie auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würden?

PUHL Ich würde die ganze Oper mit auf die Insel nehmen. Sie vertritt Werte, die noch heute gültig sind – zum Beispiel die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Pamina wird ja von den Priestern ohne Vorbehalt aufgenommen. Herr Kindermann hat es schon gesagt: Bei Mozart sind die Figuren ganz normale Menschen –  Papageno zum Beispiel.

LUKAS-KINDERMANN Es gibt ein herrliches Duett. „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ – das ist eins der schönsten Duette in der ganzen Opernliteratur. Das nehme ich auf die einsame Insel mit.

Adorno sagte, der Text der „Zauberflöte“  bewege sich auf der Grenzscheide von Banalität und abgründigem Tiefsinn. Hat Adorno  recht?

LUKAS-KINDERMANN Ja, sicherlich. Aber der Tiefsinn in dieser Oper ist das Wichtigere. Sarastro will das Reich der Nacht und das Sonnenreich verbinden. Das ist ihm gelungen. Sein legitimer Nachfolger heißt Tamino, und Pamina ist legitime Nachfolgerin der gestürzten Königin der Nacht. Sie führen beide Reiche in eine positive Zukunft.

PUHL Ich beende mit der „Zauberflöte“ meine Zeit als Generalmusikdirektor in Trier, werde aber in Trier bleiben. Es war eine schöne Zeit. Ich freue mich, dass ich in meiner letzten Trierer Produktion mit einem so erfahrenen Regisseur wie Heinz Lukas-Kindermann zusammenarbeiten kann. ⇥Interview: Martin Möller

Die Premiere am Sonntag, 18 Uhr; im Trierer Theater ist seit langem ausverkauft. Weitere Vorstellungen: 26 Mai, 1., ;5.; 8.; 15.; 23.; 26. und 28. Juni, jeweils 19.30 Uhr. 1. Juli, 16 Uhr.  Karten unter Telefon 0651/718 1818.