"Abschied am Sarg hat anderen Charakter"

"Abschied am Sarg hat anderen Charakter"

Großes Interesse zeigten die Traben-Trarbacher an einem Vortragsabend zum Wandel der Bestattungskultur während der letzten Jahre. Pfarrer Jörg-Walter Henrich und Bestatter Ralf Cullmann hatten ins Heinrich-Held-Haus geladen, und fast 40 Gäste verfolgten ihre Vorträge aufmerksam, hatten viele Fragen, diskutierten und tauschten Gedanken aus.

Traben-Trarbach. (GKB) "Die Bestattung und die Welt der Trauer hat in den letzten Jahren erhebliche Änderungen erfahren", hat Ralf Cullmann festgestellt. Seit 1990 gebe es eine starke Zunahme der Feuerbestattungen. Die lagen in Traben-Trarbach damals bei etwa 20 Prozent, hatten 2007 schon 70 Prozent erreicht, und der Bestatter rechnet für die Zukunft mit einem weiteren Anstieg.Einäscherung dauert nur noch drei bis vier Tage

In den vergangenen Jahren dauerte die Einäscherung von Verstorbenen drei bis vier Wochen, heute maximal drei bis vier Tage, sagte der Bestatter. Dies verändere auch die Gestaltung der Trauerfeiern, denen sich in über 90 Prozent die Beisetzung der Urne unmittelbar anschließe. Pfarrer Jörg-Walter Henrich ergänzte, dass die Abschiednahme am Sarg einen anderen Charakter habe. "Dort ist der Verstorbene als Person noch einmal gegenwärtig". Es gebe ein letztes Zusammensein mit aller Dichte und aller emotionalen Belastung. "Die Urne verkörpert nichts mehr, der Mensch, um den wir trauern, ist schon nicht mehr da."Henrich gab einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Bestattungskultur. "Die Erdbestattung war über Jahrhunderte hinweg bindend, ja zwingend für Christen", sagte er. Bereits 789 verbot Karl der Große die Verbrennung der Toten. Für sein Reich bestimmte er per Dekret die Erdbestattung als alleinige Bestattungsmöglichkeit. Erst 1965 erkannte die katholische Kirche eine Gleichwertigkeit der beiden Bestattungsformen an. "Die evangelische Kirche war liberaler in dieser Frage", merkte Henrich an. Gründe für die starke Zunahme von Urnenbeisetzungen sieht der Pfarrer unter anderem im veränderten Zusammenleben der Familien, wo die Grabpflege oft in der alleinigen Verantwortung der ältesten Generation liege und ein Urnengrab da manches erleichtere. Nicht selten seien auch finanzielle Gründe ausschlaggebend. Heute würden Tod und Bestattung auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, was früher undenkbar war.In angeregter Diskussion wurden viele weitere Fragen rund um das Thema erörtert. Ralf Cullmann informierte das interessierte Publikum über die Ruhezeiten auf den hiesigen Friedhöfen und weitere Beisetzungformen wie Baum, See- oder anonyme Bestattung. Die Anfrage eines Traben-Trarbacher Winzers, ob als letzte Ruhestätte denn auch der Wingert möglich sei, musste er leider abschlägig bescheiden. "Das gibt das Bestattungsgesetz nicht her", bedauerte der Fachmann.