Das alte Gebäude der JVA Wittlich könnte saniert werden

Archiv : Die größte Hürde ist die alte Pforte

Das Land prüft, ob die JVA Wittlich erweitert werden kann. Bis zu 350 zusätzliche Gefangene könnte die Anstalt nach der Sanierung des mehr als 100 Jahre alten und denkmalgeschützten Altbaus aufnehmen.

Wenn Jörn Patzak, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich, über die  Sanierungspläne für den JVA-Altbau sprich, fällt besonders ein Satz häufig: „Das macht Sinn.“ Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude (siehe Info) steht seit 2010 leer. Damals sind Gefangene und Verwaltung in den Neubau gezogen. Da ein Abriss des Hauses wegen des Denkmalschutzes nicht möglich ist, sucht das Land für das stillgelegte Gebäude, das sonst zu verfallen droht, seitdem nach einer neuen Nutzung. Und die könnte die alte sein: Derzeit arbeiten Mitarbeiter des LBB Trier, des Justiz- und Finanzministeriums Rheinland-Pfalz und der Wittlicher JVA daran, das alte Haus zu sanieren und wieder als Haftanstalt zu nutzten.

LBB-Niederlassungsleiter Christoph Thein: „Wir schauen derzeit, was machbar ist.“ Die JVA hat zuvor einen Bedarfsplan aufgestellt und darin ihre Wünsche geäußert, welche Räume in welcher Form und Anzahl wo benötigt werden – im Idealfall. „Jetzt prüfen wir, was geht und was wir davon umsetzen können“, sagt Thein.

Diese Prüfung könnte noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. „Wenn wir im nächsten halben Jahr damit fertig werden, wäre das richtig gut“, sagt Thein, und Patzak nickt. Anschließend, so Thein, würden Planer beauftragt, die Finanzierung gesichert und die Arbeiten ausgeschrieben. Die Kosten für das Projekt können derzeit noch nicht genau beziffert werden. Sie dürften aber im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Von der Gebäudestruktur sei der Altbau, so Patzak und Thein, fast ideal, größere Umbauten seien nicht nötig. „Durch das panoptische System und den strahlenförmigen Bau sind größere Eingriffe nicht nötig“, sagt Thein. Und Patzak ergänzt: „Das einzige Problem könnte die alte Pforte sein.“ Denn die ist verhältnismäßig schmal und niedrig, größere Lastwagen passen dort nicht durch.

„Sie ist 3,10, vielleicht  auch 3,30 Meter hoch“, weiß Michael Becker, der seit 1985 in der JVA Wittlich arbeitet und bis zum Umzug in den JVA-Neubau im Altbau Dienst getan hat. Er kann sich noch gut an die Arbeit dort erinnern, auch an die Zeit vor 2004, als es noch keinen Strom in den Zellen gab. „Damals waren Batterien die beliebteste Währung unter den Gefangenen“, sagt Becker. Er kann sich vorstellen, auch nach der Renovierung wieder im Altbau, der dann zum Neubau würde, zu arbeiten. Vielleicht auch, weil das historische Gebäude  – obwohl es ein Gefängnis ist – „eine gewisse Atmosphäre“, habe, sagt Thein.

350 Gefangene könnte die Wittlicher Anstalt zusätzlich aufnehmen, wenn die Umbau-Pläne realisiert werden. Dann wäre der Wittlicher Gefängniskomplex mit Platz für insgesamt 820 Gefangene laut Jörn Patzak einer der größten in Deutschland. Die Küche der JVA (siehe Info) kann bis zu 1500 Menschen pro Tag versorgen. In den anderen Wirtschaftsbetrieben könnten die zusätzlichen Gefangenen arbeiten, wenn sie das wollen.

Neu ist die Idee, einen alten Gefängnistrakt umzubauen und wieder zu nutzen, nicht: Anregungen für den Umbau haben sich die Planer in der JVA Neumünster (Schleswig-Holstein) geholt. Dort wurde ein ähnlich alter und gleich konzipierter Bau kürzlich für 25 Millionen Euro saniert und wird seitdem wieder als Gefängnis genutzt. Die Pläne für Wittlich sind, so Patzak, unabhängig von den Plänen, die JVA in Trier eventuell zu schließen und die Gefangenen nach Wittlich zu verlegen. Dort könnten auch Gefangene aus Frankenthal untergebracht werden, wo die JVA renoviert werden müsse. Dann könne sich das Land knapp vier Millionen Euro sparen, die der Bau eines Provisoriums dort kosten würde, und es in Wittlich dauerhaft investieren.

JVA Wittlich Altbau. Foto: Christian Moeris

Weitere Fotos aus dem Altbau der JVA Wittlich finden Sie im Internet unter www.volksfreund.de