Der Mensch als Kosmograph

Das Gedenkjahr zum 550. Todestag des Nikolaus von Kues wurde mit dem Patronatsfest im St.-Nikolaus-Hospital feierlich beendet. Mit einer Reihe von Veranstaltungen und Ausstellungen gedachte das Cusanusstift seines Gründers. Die dritte Ausstellung befasst sich mit den kartografischen Interessen des Kardinals.

Bernkastel-Kues. Auto- und Wanderkarten, Atlas oder Navigationssysteme gehören heute zum Alltag. Bereits lange vor Christus haben die Menschen versucht, geografische Gegebenheiten mit Zeichen in Stein, Knochen oder auch Wandmalereien wiederzugeben.
Die spätere Kosmografie beschreibt die Entstehung und Entwicklung des gesamten Kosmos mit Himmel und Erde, Astronomie, Geografie und Geschichte, Biologie, Medizin und Naturwissenschaft.
Was Karten über die Weltansicht ihrer Macher und ihrer Zeit verraten und wie sich Karten von den heilsgeschichtlichen Weltkarten des Mittelalters bis zu den topografischen Karten der Neuzeit entwickelten, darüber informiert die Ausstellung anhand vieler eindrucksvoller Exponate im Gotischen Saal des Stiftes. Bibliothekar Marco Brösch hat zusammen mit dem Luxemburger Mathematiker Tom Müller die umfangreiche Ausstellung konzipiert.
Die Cusanus-Karten aus dem 15. Jahrhundert sind die ältesten "modernen" Karten Mitteleuropas. Der Universalgelehrte Nikolaus von Kues kann auch als Kosmograph bezeichnet werden, denn er besaß ein großes Interesse an Astronomie/Astrologie, Geografie und Kartologie. In einer seiner letzten Schriften, dem "Compendium" (1463) beschreibt er den Menschen als Kartenmacher, der in einer Stadt mit fünf Toren, den fünf menschlichen Sinnen sitzt.
Durch diese Tore kommen Boten aus aller Welt, die ihm Informationen über den Himmel und die Erde zutragen, die er dann in eine Karte überträgt. Für Cusanus hatte dieser philosophische Gedanke aber auch reale Bedeutung, denn er selbst war zeitlebens viel auf Reisen. Aufgrund seiner Erkenntnisse entwarf er die wohl älteste Karte Mitteleuropas, deren Originalentwurf nicht mehr vorhanden ist. Vorhanden aber sind Kopien. Charakteristisch für diese Karten vom "Cusanus-Typ" sind etwa die als Pyramidenketten wiedergegebenen Gebirge und deutsche Ortsnamen.
Die Cusanus-Karte tritt erstmals mit einem handgezeichneten Exemplar des Kartografen Henricus Martellus Germanus (um 1480) in Erscheinung, auf der auch Kues und Brixen als Geburtsort und Bischofssitz des Kardinals eingetragen sind. Die bekannteste Ausgabe der Cusanus-Karte ist die Eichstätter "Parva Germania tota tabella" (kleine Tafel von ganz Germanien) von 1491.
In einem Begleittext wird Nikolaus von Cusa als Urheber der Karte gedankt. Zu sehen ist diese Eichstätter Originalkarte als Leihgabe aus der Bitburger "Sammlung Niewodniczanski" bis Ende Februar in der Ausstellung.
Ein interessantes Exponat ist auch die "Eyfalia", die älteste selbstständige Landkarte der Eifel des bekanntesten Kosmographen Sebastian Münster.
Extra

Die Ausstellung ist geöffnet bis Mitte Juli 2015 immer am letzten Wochenende eines jeden Monats. Öffnungszeiten: samstags von 11 bis 15 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Anmeldung auch im Rahmen einer Führung. Anlässlich der Ausstellung wird die Messe am Samstag, 27. Dezember um 16 Uhr in der Stiftskapelle in byzantinischem Ritus gehalten mit Seminaristen des interdisziplinären Priesterseminars in Eichstätt. mblExtra

Den Weg zu eurer Schule kennt ihr sicher ganz genau. Und ihr wisst auch, wie ihr zu euren Freunden kommt. Wenn ihr aber mal irgendwo hingehen wollt, wo ihr noch nie gewesen seid, dann müsst ihr den Weg suchen. Dafür ist dann eine Karte hilfreich. Entweder ein Stadtplan oder auch eine Landkarte. Da könnt ihr auch nach Entfernungen schauen. Denn wenn ihr zum Beispiel in den Ferien nach Mallorca geflogen seid, ging das fast so schnell, als wenn ihr mit dem Auto zu Oma ins Ruhrgebiet fahrt. Auf der Karte aber seht ihr, dass es viel weiter weg von daheim ist. noj

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