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Ein ganz normaler Tag für zwei außergewöhnliche Menschen

Ein ganz normaler Tag für zwei außergewöhnliche Menschen

Josef und Margret Hanio hören nicht, was in der Welt um sie her um passiert. Aber sie wissen ganz genau, was los ist, machen anderen Menschen mit einer Behinderung Mut und sind Vorbild für die Gesellschaft.

Erden. (cb) Goldene Hochzeiten sind in Zeiten wachsender Lebenserwartung normalerweise keine Besonderheit mehr. Im Fall von Josef und Margret Hanio gilt das aber nicht. Die beiden Ehepartner sind gehörlos. Wer erwartet, dass die Feier unter diesem Umstand leidet, liegt aber falsch. Ganz im Gegenteil. Es ist eine besonders lustige Feier. Das liegt aber auch daran, dass die Eheleute lebensbejahende Menschen sind.Josef Hanio, der aus Erden stammt und als Kind sein Gehör verlor, leitet auch mit 75 Jahren immer noch (insgesamt seit rund 50 Jahren) eine Konditorei in Moers (Niederrhein). Wer alt und allein sei, werde krank. "Ich habe keine Zeit, um krank zu sein oder Urlaub zu machen", sagt er. Seit Urzeiten ist er in führender Position im Gehörlosen-Sportclub Moers aktiv, spielt Fern-Schach, unter anderem mit TV-Anzeigenberater Lothar Korn (Dreis), und Online-Skat, wo er es schon zu deutschen Meisterehren gebracht hat.Seine Frau (77) stammt aus Kevelar (Niederrhein). Er lernte sie in der Gehörlosenschule in Trier kennen und zog mit ihr 1956 nach Moers. "In Kevelaer mussten wir damals heiraten, die Goldene Hochzeit feiern wir aber in Erden. Ich will auch mal Heimrecht haben", erzählt er. Genau wie seine Frau kann er sich ganz gut verständlich machen. Und was nicht funktioniert, unter anderem den Ablauf des Gottesdienstes in der Kirche, übersetzt an diesem Tag Gebärdendolmetscherin Ursula Mönkhoff, die mit den Eheleuten befreundet ist. Mehrfach im Jahr kommt Hanio in seinen Heimatort, um Verwandte und Schulfreunde zu besuchen. Zum Ehrentag gibt es eine Torte, die Peter-Josef Naumann, Cousin und Patenkind, von Josef Hanno hergestellt hat. Naumann hat bei Hanio seine Ausbildung absolviert, wie etwa 50 andere Lehrlinge, dar unter einige gehörlose, auch. Als Junge hatte Naumann einen Traum. "Ich wollte Konditor werden und taubstumm". Letzteres ist er gottlob nicht geworden. Seine Worte zeigen aber, welche Hochachtung er schon damals für Hanio gehabt haben muss. Für seine Verdienste zur Eingliederung gehörloser Menschen in die Gesellschaft erhielt Hanio das Bundesverdienstkreuz.