Einzeln oder nur im Verbund

ERBESKOPF. Immer mehr Passagiere fliegen den Flughafen Frankfurt-Hahn an. Doch bei den Übernachtungszahlen in den Hunsrückgemeinden macht sich diese Entwicklung nicht bemerkbar. Woran liegt‘s? Das versuchten die Mitglieder der Zweckverbandsversammlung Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte in ihrer konstituierenden Sitzung zu ergründen.

Mit drei Millionen Passagieren rechnet der Flughafen Frank-furt-Hahn in 2004. In den Anfängen des Zivilflughafens hätten 80 Prozent der Fluggäste den Airport genutzt, um "herauszufliegen", nur 20 Prozent hätte es in den Hunsrück gezogen, erläuterte der Geschäftsführer der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH Jörg Schumacher in der Zweckverbandsversammlung im Hunsrückhaus. In der Zwischenzeit habe sich das Verhältnis auf 34 Prozent zugunsten des "Incoming Tourismus" verschoben. Das heißt: Eine Million Fluggäste fliegen zum Hahn. Und 50 Prozent von ihnen kämen als Touristen. Die Flughafen-Betreibergesellschaft arbeitet nach Aussagen Schumachers daran, dieses Verhältnis weiter zu verbessern, beispielsweise durch die Veranstaltung hochkarätiger Journalistenreisen. "Events schaffen einen Bekanntheitsgrad", betonte Schumacher weiter. Sein Unternehmen sei gern bereit, in diesem Zusammenhang bei einer Veranstaltung am Erbeskopf als Sponsor aufzutreten. Mehr Touristen in den Hunsrück zu holen, das ist auch ein Ziel der Hunsrück-Touristik, die mit Jörn Winkhaus in der Sitzung vertreten war. Aufgrund knapper Mittel kooperiere man beispielsweise bei Veranstaltungen in Stockholm oder Glasgow mit anderen Regionen wie Naheland, Rhein, Mosel und Eifel. Bei so genannten "Roadshows" im Rahmen des EU-Projektes Dart (Developing Active Regions and sustainable Tourism) versuche man bei Events in Flughafennähe, den Interessenten einiges zu bieten, beispielsweise Weinverkostungen mit einer Weinkönigin. Wichtig sei es vor allem, den Bekanntheitsgrad des Hunsrücks zu verbessern, der sogar im eigenen Land sehr zu wünschen übrig lasse. Durch den Hahn und insbesondere Ryan Air seien ganz neue Märkte entstanden. Immer interessanter werden neben Großbritannien, Schottland und Irland auch Schweden, Norwegen, Finnland, Spanien und Italien. Federführend ist die Hunsrück-Touristik im Rahmen von Dart, was die Entwicklung von Qualitätskriterien für Radfahren, Wandern und Mountain-Biken angeht. Im Entstehen begriffen ist auch ein Mountainbike-Wegenetz. Denn es gebe zwar in einzelnen Regionen anspruchsvolle Strecken, doch häufig fehlten die Verbindungen.Warum gibt‘s keine Viezkönigin?

"Drei Millionen Fluggäste, aber was haben wir davon?", brachte Hans-Joachim Rahn, Mitglied der Verbandsversammlung und Hotelier in Morbach, die Diskussion auf den Punkt. Wenn der Hunsrück im Verbund mit Eifel, Mosel, Nahe und Rhein werbe, "gehen wir dann nicht sang- und klanglos unter?", frage Gregor Eibes, neuer stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbandes. Er hat die Nachfolge von Beate Läsch-Weber in diesem Amt angetreten. Oder sei es nicht vielmehr denkbar und ratsam, Morbach und Thalfang zusätzlich individuell zu vermarkten, fragte Eibes weiter, während andere Mitglieder dafür plädierten, mit Partnern wie Bernkastel-Kues enger zu kooperieren. Schumacher plädierte dafür, die Anregung von Eibes aufzugreifen und an einem ohnehin "starken Standort" wie Stockholm testhalber gezielte, individuelle Aktionen zu machen. Allerdings brauche man einen langen Atem. "Ohne Moos nix los", machte er zudem darauf aufmerksam, dass derlei Aktivitäten durchaus ihren Preis hätten, aber nicht unbezahlbar seien. Immerhin gebe es Regionen, die bewiesen hätten, dass man Wald und gute Luft positiv vermarkten könne: der Bayrische Wald. Dabei handle es sich im übrigen um Arbeitsplätze, die man nicht nach Polen oder Tschechien umsiedeln könne. Bettina Brück fragte an, ob man statt mit Wein- oder Edelstein-Königin auch mit einer Viezkönigin auf Werbe-Tour gehen und Erbeskopf und Hunsrückhaus nicht besser vermarkten könne. Man müsse mit "Highlights" werben, hielt Winkhaus dagegen. Und mit Bergamo verfüge die Ryan Air über eine Destination, bei denen 2000er Berge vor der Haustür stünden. Verbandsvorsteher Hans-Dieter Dellwo empfahl, dass Einheits- und Verbandsgemeinde das Thema in den Ausschüssen diskutieren, um eventuell weitere Schritte einzuleiten.

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