Etwa 3500 Weinfreunde aus vielen Ländern bei der fünften Auflage von Mythos Mosel

Genuss : Junge Talente, viele Zugpferde und 14 Kronen

Rekordbesuch: Etwa 3500 Weinfreunde aus vielen Ländern machten die fünfte Auflage von Mythos Mosel zu einem Riesenerfolg.

Wo feiern junge Frauen einen Junggesellinnenabschied? Auf Mallorca, in einer Großstadt oder in einem Nobelschuppen mit allen Extras? Es gibt etwas Besseres! Mythos Mosel. Gleich zwei Gruppen sind bei der Veranstaltung unterwegs. Zehn Frauen mit Blumenkränzchen im Haar sind aus Schalkenmehren und Umgebung gekommen. Braut Simone Weber wird am Morgen überrascht und weiß nicht, wo es hingeht. Dass es zu Mythos Mosel geht macht aber Sinn. Die junge Frau, die am 8. Juni heiratet, arbeitet beim Weinbauamt in Wittlich. Ihre Freundinnen haben  die richtige Wahl getroffen. „Das ist genau das, was ich mir gewünscht habe“, sagt Simone Weber.

Die 14 jungen Damen des anderen Junggesellinnenabschieds sind aus Trier. Alle tragen eine Krone. Warum? „Weil ich mit Nachnamen Prinz heiße“, sagt die Braut mit Vornamen Anna. Auch sie freut sich über die Auswahl ihrer Freundinnen. „Das ist total schön, eine Superveranstaltung“, sagt sie. Beide Gruppen sind in erster Linie zum Feiern da. Das macht Mythos Mosel auch aus. Es ist zwar eine Weinprobe, doch der Spaßfaktor soll dabei sein. Und die Gruppen, hier die Feierwütigen, dort die Weinexperten, haben beide genug Raum. Die etwa 3500 Besucher verschmelzen aber auch miteinander.

„Es sind unglaublich viele junge Leute unterwegs“, sagt Ute Haag (Weingut Schloss Lieser). Es gibt nicht nur viel Nachwuch auf Seiten der Winzer sondern auch bei den Konsumenten. „Zukunftsweintrinker“ nennt sie ein Besucher.

30 Weingüter zwischen Kesten und Zeltingen-Rachtig haben bei der fünften Auflage von Mythos Mosel geöffnet. Jeder Winzer hat drei Kollegen aus dem Anbaugebiet eingeladen. Die Besucher können also Weine von 120 Erzeugern probieren. Jeder von ihnen hat fünf bis sechs Rebensäfte im Angebot.

In vier Betrieben wird eine Premiere gefeiert. Dort haben jeweils vier Talente ihre Stände. Alle müssen unter 30 Jahre alt sein.  Bei Florian Blesius in Graach ist bereits am Samstag kurz nach der Öffnung der Hof voll. „Viele Besucher sprechen uns darauf an“, sagt der junge Winzer zu diesem Angebot. Christoph Eifel aus Trittenheim bestätigt das.

„Das ist sehr gut“, lobt Theo Nilles aus Trittenheim, Stammgast bei Mythos Mosel. Er war am Freitagabend zusammen mit 600 anderen Leuten auch bei der Eröffnungsveranstaltung  im Schloss Lieser. Dort bekochte unter anderem Harald Wohlfahrt, einer der besten Köche Deutschlands, die Gäste. „Auch das war toll. Das Schloss ist ein Juwel“, sagt Nilles.

Auch Gerhard und Waltraud Conrad aus Brauneberg sind unterwegs. „Toll, dass so viele junge Leute  da  sind“, sagen sie. Und: „Es ist gut, dass sich die Talente präsentieren können.“ Julian Haart hat die 30 Jahre gerade überschritten. Er präsentiert seine Weine im Weingut Schloss Lieser. Es sei eine Ehre, dass ihn Thomas Haag als Gastwinzer eingeladen hat, sagt der Piesporter. Haag gilt als einer der weltbesten Rieslingerzeuger. Er steht in einer Reihe mit Markus Molitor, Oliver Haag, Will Schaefer, Joh. Jos. Prüm, Ziliken, Maximin Grünhaus, Karthäuserhof, van Volxem und anderen. „Das sind die Zugpferde der Veranstaltung“, sagt Haart.

Leute wie Thomas Haag und Katharina Prüm sind das ganze Jahr viel gefragt und haben viele Verpflichtungen. Trotzdem sind auch sie gerne bei Mythos Mosel dabei. „Das ist etwas für die Region“, sagen sie.

Anton Wengler, Klaus Weber, Johannes Rausch und Johann Kranz stechen auch  aus den Besuchern heraus. Sie tragen Poloshirts und Kappen  mit der Aufschrift Dockendorfer Herrenberg. Klingt wie eine Weinlage. Offiziell ist es keine, aber die vier Rentner aus Dockendorf in der Eifel bewirtschaften seit 2011 180 Weinstöcke hinter der Dorfkirche des Ortes. „Das ist unsere Hobby“, sagt Wengler, „und hier holen wird uns Inspiration.“

Der Wein ist auch das Hobby der vier Banker Adam Szigeti, Csaba Sitery, Peter Frank und Peter Pinter. Drei der gebürtigen Ungarn leben in Frankfurt, einer in Zürich. Zweimal im Jahr sind sie in einem Ort an der Mosel und probieren bei verschiedenen Winzern. Bei Mythos Mosel sind sie zum ersten Mal. Es werde in Zukunft zum Programm gehören, sagen sie. Deutschlehrer Olav Henriksen aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ist zum ersten Mal an der Mosel. „Eine sehr schöne Gegend und hervorragende Weine“, sagt er. Sein Freund Jesper Sleth ist Weinkenner, betrieb sogar einen Weinhandel in Kopenhagen. „Nur mit Moselweinen“, erzählt er. Warum das? „Ich liebe diese Weine“, berichtet er.

Matthias Meierer (Kesten), einer der jungen Organisatoren von Mythos Mosel, hat die ganze Zeit einen Knopf im Ohr. Er ist der Ansprechpartner für die Kollegen. Wenn es irgendwo hakt, beispielsweise beim Busshuttle, ist er gefragt. Acht Busse sind im Dauereinsatz. Sehr viele Besucher nutzen dieses im Eintrittspreis inbegriffene Angebot. „Das läuft ganz gut“, sagt er. Aber manchmal gebe es eben Wartezeiten. „Matthias Meierer bekommt 120 Winzer unter einen Hut. Das ist toll“, lobt Julian Haart seinen Kollegen.

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