Im Blindflug in den neuen Kreisel

Acht Unfälle in rund zwei Monaten hat die Polizei am neuen Kreisverkehr beim Archäologiepark Belginum registriert. Vor allem ortsfremde Autofahrer, die aus Richtung Hahn kommen, registrieren die geänderte Verkehrsführung offenbar zu spät.

Hinzerath. Ein Foto im sozialen Netzwerk Facebook hat am Wochenende für Aufsehen gesorgt: Ein Kleinlastwagen steht auf dem Grashügel inmitten des Kreisverkehrs beim Archäologiepark Belginum. Offenbar hat der Fahrer den Kreisverkehr falsch eingeschätzt und ist, anstatt sich in den Verkehrsfluss einzuordnen, über die Fahrbahn hinweggebraust, bevor er zum Halten gekommen ist. Tatsächlich hat sich der neue Kreisverkehr, der erst im Spätsommer freigegeben wurde, zum Unfallschwerpunkt entwickelt, sagt Hermann-Josef Decker, Chef der Polizeiinspektion Morbach. Acht Unfälle habe die Polizei bis zum 2. November aufgenommen. Das Bild auf Facebook zeige nicht den einzigen Unfall am vergangenen Freitag. Zu einer späteren Uhrzeit sei ein weiterer Lastwagen auf den Hügel gefahren.
Das Unfallschema sei stets das gleiche, sagt Decker. Ortsfremde Fahrer, zumeist von Klein-Lastern, die aus Richtung Hahn zum Kreisverkehr kommen, nähmen diesen nicht wahr. Besonders gelte dies bei Dunkelheit, Regen oder Nieselregen, also Bedingungen, die zusätzlich die Sicht beeinträchtigten. "Dabei ist der Kreisverkehr eigentlich gut mit Schildern gekennzeichnet", sagt Decker. Die Beschilderung fordere in einem sogenannten Geschwindigkeitstrichter die Autofahrer erst zu Tempo 70, dann zu Tempo 50 auf. Es könne nur damit zu tun haben, dass die Fahrer den Kreisverkehr nicht visualisierten, vermutet Decker. Zudem sei die Verkehrsführung in den Navigationsgeräten noch nicht drin. "Dann sagt das Gerät fahre geradeaus, und so fahren die dann auch", vermutet Decker.
Doch möglicherweise ist die Anzahl der Unfälle höher, denn nicht jeder werde der Polizei gemeldet, sagt der Serviceleiter eines Morbacher Autohauses. Am ersten Novemberwochenende habe man drei Fahrzeuge innerhalb von 48 Stunden von dort abschleppen müssen.
Doch will der Landesbetrieb Mobilität nachrüsten, erwidert Gabi Jentes von der Dienststellenleitung des LBM. Bei einigen Unfällen seien Verkehrsteilnehmer auch auf den rückstauenden Verkehr aufgefahren, erläutert sie. Der LBM habe den Geschwindigkeitstrichter bereits ausgedehnt, damit die Fahrzeuge frühzeitig vor dem Kreisverkehrsplatz die Geschwindigkeit vermindern und Fahrzeuge, die sich zurückstauen, im reduzierten Bereich zum Stehen kommen. Darüber hinaus habe man vorgeschlagen, zusätzliche Hinweise mit "geänderter Verkehrsführung" aufzustellen und diese mit Blinkleuchten optisch hervorzuheben. Jentes: "Wir gehen davon aus, dass wir damit die Erkennbarkeit des Kreisverkehrsplatzes noch einmal deutlich verbessern können."
Kritik am zu geringen Durchmesser des Kreisels weist Jentes zurück. Dieser sei nach Auffassung des LBM groß genug und könnte auch von großen Brummis problemlos befahren werden. Dennoch sei es unerlässlich, den Kreisel mit angepasster Geschwindigkeit zu passieren. Dadurch würden die vorher an dieser Stelle gehäuft aufgetretenen Kreuzungsunfälle mit schweren Personenschäden vermieden. Der LBM will den Verkehrsfluss gemeinsam mit der Polizei und der Straßenverkehrsbehörde noch einmal intensiv beobachten.
Extra

Der Hinzerather Kreisel wurde im September fertiggestellt. Er sollte die gefährliche Mehrfachkreuzung entschärfen. Denn in diesem Bereich treffen die viel befahrenen Bundesstraßen B 50, B 327, die L 159 und die K 106 aufeinander. Seit 2012 wurden 20 Unfälle mit 35 Verletzten und fünf Toten verzeichnet. Der Umbau in einen Kreisel hat 1,5 Millionen Euro gekostet. hplExtra

Hermann-Josef Decker, neuer Leiter der Polizeiinspektion Morbach, sagt, dass in den nächsten Wochen eine weitere neue Gefahrenstelle an der Auffahrt der K 99 von Hunolstein auf die B 327, dem ehemaligen Oderter Haus, beseitigt werden soll. Die neu montierte Leitplanke versperre den Autofahrern die Sicht nach rechts in Richtung Schalesbach. Die Leitplanke soll deshalb versetzt werden. cst