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„Jüdische Friedhöfe im Kreis“, heute die Ruhestätte in Kröv

TV-Serie : Im Kirchlay die letzte Ruhe gefunden

In der TV- Serie „Jüdische Friedhöfe im Kreis“ wird heute die Ruhestätte in Kröv vorgestellt. Sie ist 250 Quadratmeter groß, 15 Grabsteine stehen noch.

Der erste Jude, der sich in Kröv niedergelassen hat, stammte aus Lösnich und hieß Emanuel Schömann. In der Folgezeit hatten die Juden aus Kröv eine enge Beziehung zu ihren Glaubensbrüdern in Lösnich.

Schömanns Grab ist das älteste auf dem Friedhof. Er ist 1830 geboren und 1896 verstorben. Der jüngste Grabstein ist von 1935. Zwei Familiennamen beherrschen die meist schlichten Grabsteine: Schömann und Seiferheld. Monumente, größere Verzierungen oder längere Texte gibt es hier nicht. Auffällig sind Kannen, die auf zwei Grabsteinen zu sehen sind. Sie sind ein Zeichen dafür, dass die Person, die hier begraben ist, eine levitische Abstammung hat. Dieser Stamm war im Tempel für die kultische Reinigung zuständig. Sie wuschen den Priestern vor dem Opfern die Hände. Links und rechts vom Eingangstor stehen mächtige Wacholderbäume.

1938 wurde der Friedhof geschändet, an einigen Grabsteinen sind noch Schäden zu erkennen, Namensplatten wurden herausgerissen und es fehlen auch Mittelteile oder ganze Grabsteine, von denen nur noch der Sockel da ist. Die Flur, auf der der Friedhof liegt, heißt „Auf Kampel“, die Weinbergslage „Kirchlay“.

Eine jüdische Mitbürgerin, Hedwig Wendel ist 1935 von Kröv nach Paraguay ausgewandert und kam nach dem Krieg wieder zurück. Sie lebte dann in Trier hatte aber viele Kontakte nach Kröv und sagte: „Ich bin wegen Kröv zurückgekommen.“ Sie hat auf dem jüdischen Friedhof, für einige Gräber einfache Namensschilder anfertigen lassen, wo sie gefehlt haben.

Das Zusammenleben von Christen und Juden war gut. Die jüdischen Kinder gingen in die christliche Schule und hatten sogar gemeinsam beim katholischen Pfarrer Religionsunterricht. Man ging auch gemeinsam zu Tanzfesten, einzig geheiratet wurde ausschließlich innerhalb des eigenen Glaubens. Viele Juden aus Kröv hatten Geschäfte in Traben-Trarbach.

Die Beziehung zwischen Juden und Christen belegt auch eine andere Begebenheit. Ein hochrangiges Mitglied der Nationalsozialistischen Partei, Reichsleiter Norbert Ley, war Anfang der 1930er Jahre zu einer Veranstaltung nach Kröv gekommen. Dabei kam es zu einer Schlägerei, bei der er sich die Nase brach. Mit in diese Veranstaltung hatten die Kröver auch Karl Wendel, den Mann von Hedwig Wendel eingeschleust. Ihm wollten die Nationalsozialisten dann die Körperverletzung anhängen, aber die Kröver haben so ausgesagt, dass man ihm nichts anhaben konnte. Dennoch stand er ab diesem Tag im Fokus und verließ das Dorf über Luxemburg nach Paraguay, wohin ihm seine Frau einige Wochen später folgte. Sie erledigte noch einige Dinge, unter anderem brachte sie ihren Vater zu Verwandten nach Köln und die Thora-Rolle nach Bausendorf in Sicherheit.

Ab 1938 lebten keine Menschen jüdischen Glaubens mehr in Kröv. Sie sind entweder nach Luxemburg geflohen und von dort aus weitergereist, etwa nach Südamerika, oder sie zogen in größere Städte, um dort der Verfolgung zu entgehen. Von dort wurden die meisten deportiert.

Kontakte gibt es heute noch zu Nachfahren der Familien. Sarah Schömann beispielsweise besuchte 2019 Kröv. Der Urgroßvater ihres Mannes, David Schömann, ist auf dem Friedhof beerdigt. Sie konnte auch das Haus der Vorfahren ihres Mannes besuchen. Dort kann man sogar in einem Holzbalken über dem Scheunentor noch den Namen Schömann lesen. Lange Zeit war dieser unter dem Putz verborgen. Das es wieder zu sehen ist, ist einem Zufall zu verdanken: Das Hagelunwetter im Jahr 2011 ließ den Putz abspringen und den Schriftzug zum Vorschein kommen.