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Manderscheider Tourismusbranche droht weiteres Ungemach

Infrastruktur : Streit um Radwegebau: LBM lenkt ein

Eine statt drei Vollsperrungen: Der Manderscheider Tourismusbranche drohen mit den Bauarbeiten an der L 16 dennoch herbe Einschnitte.

Sie ist die Lebensader der Burgenstadt: Die Landesstraße 16, die von der Autobahn A1 vorbei an Pantenburg nach Manderscheid führt, ist für die Einwohner, Gastronomen und anderen Gewerbetreibenden in Manderscheid von elementarer Bedeutung. Für Einwohner, die pendeln, führt über die L 16 der kürzeste Weg zur Autobahn und Arbeitsstelle. Auch die ansässigen Betriebe sind tagtäglich auf die schnelle Anbindung zur Autobahn angewiesen. Auf dem anderen Weg führt die L 16 all diejenigen nach Manderscheid, die dort gerne etwas Geld lassen möchten: die Touristen.

Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass jede Sperrung der Landesstraße für viele Bürger und Gewerbetreibenden wie die Gastronomen und Hotelliers der Eifelstadt einer Vollkatastrophe gleichkommt. Natürlich führen noch andere Straßen nach Manderscheid.

Doch die Verbindungen nach Bleckhausen, Meerfeld, Bettenfeld, Großlittgen und Eisenschmitt haben für die Wirtschaft der Burgenstadt bei Weitem nicht die Bedeutung einer L16. Das wurde deutlich, als die Manderscheider Gastronomen vergangenen Monat auf die Barrikaden gingen, als der Landesbetrieb Mobilität (LBM) seine Pläne für den Bau eines Radweges entlang der L16 vorstellte (der TV berichtete). Denn für die Umsetzung des Projekts hielt die Behörde zunächst drei aufeinanderfolgende Vollsperrungen der Landesstraße für notwendig. Die Planung beinhaltet den Ausbau der Ortsdurchfahrt Niedermanderscheid und einen durchgängigen Radweg von der Lieserbrücke an der Burg bis hoch zur K19 sowie auch einen Lückenschluss zum Mosel-Maare-Radweg östlich von Pantenburg. Mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt, einschließlich der Verlegung einzelner Versorgungsleitungen, gehen zwingend monatelange Phasen der Vollsperrung einher. Und anschließend wollte der LBM die L16 nochmal vollsperren und die Lieserbrücke  im Talkessel am Fuß der Niederburg neu bauen.

Etwas viel Vollsperrung, so könnte man meinen. Genau so kam das dann auch in Manderscheid an:

Kurz nachdem der LBM seine Pläne offengelegt hatte und mit den Bauarbeiten zum Radweg beginnen wollte, lud Stadtbürgermeister Günter Krämer zu einer Bürgerversammlung ein, wo sich viele Gastronomen und Hotelliers Luft verschafften und ihren Ärger über die Pläne des LBM zum Ausdruck brachten. Obwohl der geplante Bau des Radweges ja eigentlich eine gute Sache ist, weckte er böse Erinnerungen: Manderscheid ließe sich dann aus Richtung der Autobahn nur über erhebliche Umwege erreichen – wie zuletzt während der Brückenbauarbeiten an der Autobahnabfahrt.

Gastronomen fürchten massive Umsatzeinbußen und deshalb lehnen sie eine Planung mit drei Vollsperrungen ab. Nicht zuletzt, weil die Straße bereits in 2018 und 2019 wegen Bauarbeiten der sie querenden Autobahnbrücke sowie Reparaturmaßnahmen über längere Zeiträume gesperrt war.

Aber auch die Corona-Pandemie, die der Tourismusbranche in Manderscheid zugesetzt hat, spielt da mit rein.  Denn zum jetzigen Zeitpunkt, da die Gäste wieder kommen und es „gut läuft“, wie Gastronom Tobias Stadtfeld vom Hotel-Café-Restaurant Heidsmühle sagt, wieder die L16 zu sperren, wäre für die Gastronomen eine Katastrophe. Deshalb gibt es dort einen Widerstand gegen die Art und Weise, wie der LBM dort plant, bauen und sperren will.

Krisensitzungen folgten: Dabei diskutierte VG-Bürgermeister Dennis Junk mit dem LBM Trier über Lösungsmöglichkeiten. „Aus unserer Sicht ist – wie von uns gewünscht wurde – ein Kompromiss erarbeitet worden“, sagt Junk. Die Vollsperrung bleibe auf ein Minimum beschränkt. Zunächst  werde ein mehr als 500 Meter langes und unkritisches Stück des Radweges abseits der Straße gebaut, sagt Junk, und dazu ein rund 100 Meter langer Abschnitt zur Verbindung von Pantenburg mit dem Maare-Mosel-Radweg. Dafür seien keine Sperrungen notwendig. Die Anlegung des Radweges auf der L16 sowie die Brückensanierung, die nun in einem Aufwasch bei nur einer Vollsperrung durchgeführt werden, sollen erst 2023 oder 2024 starten, sagt Junk. „Das ist realistisch.“ Nichtsdestotrotz müsse die L16 dafür ein Dreivierteljahr gesperrt werden.