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Norbert Scheuer stellt in Wittlich sein neues Buch "Mutabor" vor

Lesung : Sprache, mit der man sich verwandeln kann

Norbert Scheuer hat im Juli dieses Jahres sein neues Buch „Mutabor“ herausgebracht. In einer Lesung in der Synagoge in Wittlich hat er es vor 80 Besuchern vorgestellt.

(chb) „Muss man um die halbe Welt fahren, um zu sehen, dass dort der Himmel auch blau ist?“, das fragt die Romanfigur Evros im neuen Buch von Norbert Scheuer. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum seine Romane immer einen Bezug zum Eifeldorf Kall haben. So ist es auch in seinem neuesten „Mutabor“. Darin geht es um Nina Plisson, die nicht weiß, was aus ihrer Mutter geworden ist und wer ihr Vater war. In ihrem Heimatort Kall kommt sie dem Geheimnis näher und lernt dabei einiges über Zugehörigkeit und Glück.

In der Synagoge in Wittlich las der Autor, der vom Kulturamt eingeladen worden war, aus seinem neuesten Werk. Mit dabei hatte er Rainer Berger, der den Abend musikalisch umrahmte.

Gut gelaunt, entspannt und konzentriert stieg Norbert Scheuer in seine Lesung ein. Die erste Szene spielt in der Gaststätte des Eifelorts, die von einem Griechen übernommen wurde. An der Wand hängt eine Polaroid-Aufnahme, auf der ein Mann auf einem Pferd zu sehen ist, von dem aber niemand weiß, wer er war.

Während der einzelnen Absätze, die er den Besuchern vorlas, spielte Rainer Berger auf einer seiner drei Flöten, darunter eine Bass-Querflöte und eine Holzquerflöte. Die Klangräume, die er mit verschiedenen Techniken schuf, passten sehr gut zur Stimmung der einzelnen Stellen im Buch, die er auch extra dafür komponiert hatte. Rhythmen antiker Gedichte hat er als Grundlage genommen und seine Musik technisch, unter anderem mit Beat Box, umgesetzt.

Norbert Scheuer hat bei der Lesung genau das gemacht, wofür eine Lesung steht: gelesen. Ohne Schnörkel, ohne lange Einführungen oder Erklärungen, dafür mit einer leisen, einfühlsamen Sprache, die sehr genau beschreibt, so dass man sich nicht nur vorstellen kann, wie die Situation sein könnte, sondern man ist dabei.

Man sitzt mit „Kaspary“ und „Vincentini“ an der Theke, weiß, wie sich der Stoff ihrer karierten Hemden anfühlt, wie sich der Zug an der Zigarre anhört, und hat in der Nase, wie es dort riecht. Mit viel Geduld und Details baut er diese Welt auf.

Die Handlung erschließt sich den Besuchern nur bruchstückhaft, denn es gibt nur Häppchen verschiedener Szenen, die Schmerz, Hoffnung, Verliebtheit, Gewalt und Wahn beinhalten. Er endet mit dem Satz der Hauptfigur: „Worte sind der einzige Zauber, mit dem ich mich verwandeln kann.“

Anschließend werden Bücher, die mit Zeichnungen seines Sohnes Erasmus, auch auf dem Umschlag, illustriert sind, signiert. Und der Autor nimmt sich viel Zeit für Gespräche mit seinen Lesern.

Weitere Fotos zur Veranstaltung finden Sie unter www.volksfreund.de/fotos