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Ohne einen "Kümmerer" tut sich nichts

Ohne einen "Kümmerer" tut sich nichts

Ein Anfang ist gemacht: Etwa 50 Interessenten kamen zur Veranstaltung "Den alten Menschen zuhause eine Zukunft geben". Ob sich daraus Initiativen ergeben, ist zu wünschen, bleibt aber offen.

Bernkastel-Kues. "Wer mit wachen Augen durch die Gegend geht, muss die Probleme erkennen", sagt Maren Pflaumbaum. Und weil die pensionierte Lehrerin dies tut, hat sie bemerkt, dass in ihrer Nachbarschaft zwei alte Menschen leben, die über Zuspruch froh sind. "Ich rufe sie jeden Tag an und gehe drei Mal in der Woche hin", erzählt sie. Diese und andere Erfahrungen sind ein Grund, warum Pflaumbaum die Veranstaltung "Den alten Menschen zuhause eine Zukunft geben" initiierte. Dabei ging es unter anderem um alternative Wohnformen und organisierte Hilfe für Senioren (TV vom 13. März).

"Es war eine gute Veranstaltung", sagt sie am Tag danach. Allerdings räumt sie ein, dass die Vorträge zu lange dauerten (fast zweidreiviertel Stunden). Zu einer Diskussion hatte dann niemand mehr Lust. Sie wäre aber sinnvoll gewesen, um beispielsweise zu erfahren, ob die Thematik bei den anwesenden Ortsbürgermeistern angekommen ist. Die Orts-Chefs aus der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues waren die Hauptadressaten. Viele hatten auch zugesagt, noch nicht einmal die Hälfte erschien aber in der Akademie Kues. Die Fraktionen im Verbandsgemeinderat waren ebenfalls nur spärlich vertreten.

Zu den Anwesenden gehörten die Ortsbürgermeister Norbert Franz (Lösnich), Herbert Weber (Erden) und Klaus Denzer (Brauneberg). In Lösnich beschränke sich die Hilfestellung für alte Menschen darauf, sie mit in die Kirche zu nehmen, sagte Franz. Es sei aber auch schwer, ehrenamtlich tätige Leute zu finden. Herbert Weber berichtete von Aktivitäten auf dem Bouleplatz. Die seien aber wieder eingeschlafen, weil die alten Menschen nicht mehr so mobil seien.

Wo sich etwas rührt, sind aber auch Erfolge zu verzeichnen. Der Auftritt von Burkhardt Kullik (Wintricher Netz) im Brauneberger Gemeinderat habe schon zu einer Reaktion geführt. "Eine Frau hat mich angerufen. Sie sucht jemanden, der ab und an auf ihr Kind aufpasst, und bietet im Gegenzug Fahrten zu Behörden und zum Arzt an", berichtet Klaus Denzer. Kullik und andere Mitstreiter helfen Wintricher Bürgern bei der Bewältigung des Alltags (der TV berichtete).

Wie in den Orten ein Anfang gemacht werden kann, zeigte bei der Veranstaltung in der Akademie Kues der Diplom-Theologe und Pädagoge Peter Kappenstein auf. "Man braucht einen Kümmerer", sagte er, also jemanden, der aktiv wird und die Sache in die Hand nimmt. Und das sind für Maren Pflaumbaum vorrangig die Ortsbürgermeister. Ihr Wunsch: "Sie sollten fragen, wer zur Mitarbeit bereit ist."