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Rein ins Kostüm, raus bei Kaiserwetter: Wittlich Kreiau!

Rein ins Kostüm, raus bei Kaiserwetter: Wittlich Kreiau!

Die Langhaarigen sind wieder da , und Herr Plan-Kosten von Rathaus ruhe in Frieden: Tausende sehen in Wittlich einen bunten, witzigen, fetzigen Umzug. Für Stimmung sorgen Wittlicher, Bombogener und Lüxemer Musiker. Eine gelungene Premiere für Zugführer Thomas Rauen.

Wittlich. Ein Mann mit Hut singt. Er steht auf der menschenleeren Bühne. California Dreams steht auf dem Schild vor ihm. Weiter vor ihm stehen zwei Dutzend Männer und Frauen. Dazwischen: meterweit leeres Marktplatzpflaster. Ein Straßenzug weiter knubbeln sich "millijuhnen Laidt obp da Gaaß", wie die Wittlicher sagen. Der Zug kommt, und schlagartig ist alles anders. "Happy" knallt es aus den Boxen des Männerballetts. Marienkäfer, Clowns und Engelchen wippen dazu im Takt. "Hippies" gibt es ein paar Meter weiter. Weil Wittlichs Frisör Peter Krebs seinen Salon aufgegeben hat, ist "Kä Fasson" mehr auf manchem Kopf zu finden: "Sait dä Pitter die Hoar nimmie schnaid, äs bei oos noomol Hippie Zaid". Moselochsen staunen

Überhaupt ist Retro-Trend in Wittlich: Die Urwittlicher nebst Urschweinchen aus der Lieser sind wieder auferstanden, und eine große Geisterschar ist aus dem, neulich gefundenen, Stadtbrunnen aus der "Unnawelt" zum Zug gekommen. Sie erinnert in stillem Gedenken: Kino Kintim, Kai Enburg, der Innenstadt und Herrn Plan-Kosten von Rathaus, erst 2013 gestorben. Thomas Rauen, der als Zugleiter-Nachfolger von Stibby Stirn ist, gruselt das nicht. Im Gegenteil: "Ich war ein bissie nervös. Aber das Wetter ist ideal, ganz, ganz toll, und der Zug rollt." Er rollt vorbei an "Eller Jakob". Der 80-Jährige muss zwar im Rollstuhl zuschauen, aber Dabeisein ist für ein Wittlicher Karnevalsurgestein Ehrensache. Das gilt auch für Spitzfindigkeiten gen Mosel. "50 000 Läderbouxen: Da staunen sogoar de Mouselouchsen" lästern die Feierwütigen der Oktoberfest-Gruppe. Dem steht das "erschtde Weddlia Dreigestirn" in nichts nach. Bauer Wolle von der Knolle hat vor dem Zug zwei Wittlicher belauscht: "Einer war ganz schlecht drauf. Bei ihm wurde Bernkasteler Blut festgestellt. Vom Vater? Vom Urgroßvater? Nein, Gottseidank an der Stoßstang\'." Ob das auch der Geheimdienst belauscht hat und ratlos ist? Immerhin ist das Motto: "Verdutzt de NSA soull sain, se häaren nua Kreiau oos schrai\'n!" Und all das auf Platt oder gar Suaheli! Denn die Möhnen haben sich als Afrikanerinnen verkleidet, des Wetters auf dem anderen Kontinent wegen: "Da is ett wärmer". Und Rita Neukirch kann sogar afrikanisch: "Jambo Boana". Soll so viel heißen wie "Jawohl, Herr." Wer in Wittlich auch immer Herr über das Wetter ist: Er belohnt diese Unterwürfigkeit ausgerechnet von den Möhnen mit Kaiserwetter. Fast wie in Kalifornien. Zumal die Wittlicher der Meinung sind: "Flower Power am Lieserstrand, da braucht ihr kein Urlaub im fremden Land." Kreiau. Das rufen später auch "millijuhnen Laidt" auf dem Marktplatz: Der Mann mit Hut ist nicht mehr allein.Die Zugteilnehmer: Jugendfeuerwehr der Stadt Wittlich, Zugleitung, Wittlicher Blasorchester, Elferratswagen Narrenzunft, Moritatensänger (Hobelbank) , Männerballett der Narrenzunft, Daadt Erschde Weddlia Dreigestirn, Musikverein Bombogen, Die Horrorklinik, Auferstanden: Der Ur-Wittlicher, Knaststadt Wittlich on Tour, Irland, Irischer Elbenclan, Möhnen, Wittlicher Oktoberfest, Dschungel-Camp, Wir die weißen Engel von St. Paul, Minions - Klein aber oho, Musikverein Lüxem 1956, Vorsicht Baustelle / Bauarbeiter, Flower Power, Prinzen Garde KG. Wengerohr , Hippie, Thriller, Meeresrausch, Zirkus Belindia volksfreund.de/fastnacht