Update: Prozess nach Verwüstung von geplantem Asylheim in Landscheid: Jugendliche geständig

Update: Prozess nach Verwüstung von geplantem Asylheim in Landscheid: Jugendliche geständig

Sechs Jugendliche und Heranwachsende müssen sich seit gestern vor Gericht verantworten. Sie sollen ein leer stehendes Hotel in Landscheid verwüstet haben, weil es als mögliche Flüchtlingsunterkunft vorgesehen war. Sie gestanden die Tat, ließen jedoch viele Fragen unbeantwortet.

Das Zuschauer- und Medieninteresse in Saal 1 des Amtsgerichts Wittlich ist gestern hoch gewesen: Vor dem Jugendschöffengericht mussten sich sechs Jugendliche verantworten, denen unter anderem vorgeworfen wird, in ein leer stehendes Hotel, das als Unterkunft für Asylbegehrende vorgesehen war, eingebrochen und es verwüstet zu haben.

Die Anklage: Die Jugendlichen sollen, so die Anklage der Staatsanwaltschaft Trier, im Oktober 2015 mehrfach in das leer stehende Hotel Viktoria in Landscheid-Burg eingedrungen sein, das als Unterkunft für Flüchtlinge im Gespräch war. Ein Teil der Angeklagten soll sich am 18. Oktober vor dem Haus getroffen haben. Durch eine Tür, die sie eingetreten haben, gelangten sie in das Hotel. Dort sollen sie unter anderem den Inhalt eines Feuerlöschers versprüht haben. Am folgenden Tag sollen sie mit weiteren Beschuldigten nach dem Konsum von Kräuterdrogen erneut zu dem Hotel gefahren sein. Dort sollen sie unter anderem Fernseher, Wände und ein Solarium zerstört sowie Leitungen aus der Wand gerissen haben.
Mit diesem Vandalismus hätten die Angeklagten, die zwischen 16 und 18 Jahren alt sind, verhindern wollen, dass Flüchtlinge in das Hotel einziehen, so Staatsanwalt Arnold Schomer. "Sie ließen keines der 50 Zimmer aus." Der Schaden wird auf mindestens 40 000 Euro geschätzt.

Die Aussagen der Angeklagten: Alle Angeklagten räumten die Tat ein, hatten allerdings größtenteils keine Antwort auf die Frage des Vorsitzenden Richters Josef Thul bezüglich ihrer Motivation für die Tat. Ohnehin antworteten sie größtenteils auf die Nachfragen des Richters mit "Keine Ahnung" oder "Ich weiß es nicht".

Die Aussage einer weiteren Beteiligten: Ein Mädchen, das bei der Verwüstung des Hotels dabei war, aber wegen ihres Alters - sie war zum Tatzeitpunkt 13 Jahre alt - nicht mitangeklagt wurde, sagte gestern ebenfalls aus. Auch sie antwortete auf fast alle Nachfragen mit "Keine Ahnung" oder "Weiß nicht". So häufig, dass Staatsanwalt Schomer drohte, die mittlerweile 14-Jährige wegen Falschaussage anzuklagen. Sie widersprach mit ihrer Aussage teilweise der Version, die sie bei der Vernehmung durch die Polizei angab.

Die Aussagen der Polizisten: Einer der Polizeibeamten, die kurz nach der Alarmierung von Feuerwehr und Polizei am Tatort waren, sprach vor Gericht von einer "immensen Sachbeschädigung". Es sei ein "Bild der Verwüstung gewesen", man habe sich "Raum für Raum durchgekämpft und erstmal versucht, das ganze Ausmaß der Katastrophe zu erfassen".
Andere Polizisten gaben an, dass sich einige der Beschuldigten einige Tage später in der Vernehmung kooperativ gezeigt hätten, andere jedoch nicht. Zudem seien drei der Angeklagten bereits häufiger strafrechtlich in Erscheinung getreten.

So geht es weiter: Der zweite und wahrscheinlich letzte Verhandlungstag ist für den kommenden Dienstag, 19. April, angesetzt. Beginn ist um 8.30 Uhr. Nach Zeugenvernehmungen, unter anderem des Hotelbesitzers, sollen sich die Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu ihrem Privatleben äußern. Für den Nachmittag sind Plädoyers und Urteil vorgesehen.

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