Wittlicher Stadtrat diskutiert über neues Bauland

Wittlicher Stadtrat diskutiert über neues Bauland

Wo können künftig noch Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete entstehen? Bevor der Stadtrat sich damit beschäftigt, muss er erst einmal überblicken, was mittlerweile schon bebaut ist, und dann einen neuen Plan erstellen.

Lila leuchteten Wittlich und seine Stadtteile, an den Rändern liegen teils graublaue auch weiße Flächen, und drumherum ist alles in besonders viel Hellgelb und Grün gebettet. So sieht ein Flächennutzungsplan aus (siehe Info). Doch warum sind darauf noch sieben große Fragezeichen verteilt? Das deutet die Überschrift über diesem Umriss des Wittlicher Gebiets an. "Untersuchung Entwicklungspotenziale Gewerbe und Wohnbauflächen" steht darüber und ganz oben "Ausblick".

Denn wo die Entwicklung der Stadt in Zukunft an welchen Stellen noch hinführen kann, ist längst nicht entschieden.
Im Stadtrat sollte nun als Basis erst einmal ein Überblick gegeben werden, was überhaupt seit der Erstellung des bislang letzten Flächennutzungsplanes aus dem Jahr 2006 an Änderungen passiert ist. "Es soll ein Denkanstoß für die Politik sein", sagt Hans Hansen, Leiter der Bauabteilung bei der Stadtverwaltung: " Wir geben heute ein update, was seither passiert ist,damit Sie sehen: Was ist umgesetzt und wo sind noch Potenziale."

Immerhin war die Entwicklung in den vergangenen gut zehn Jahren rasant. Es gab Änderungen im Bereich Vitelliuspark, genannt werden die Projekte Edeka, Aldi, ProMarkt/Expert, Roller, im Bereich Hof Breit, St. Paul und in Wengerohr-Süd das Benninghoven-Bauvorhaben. Allein dieses Gesamtpaket umfasst 37,8 Hektar, davon 29,5 Hektar im sogenannten Außenbereich. Weiterhin wurden zehn Bebauungspläne, die Innenentwicklung betreffend bearbeitet.
Viele sind längst Stein gewordene Realität vom Projekt Fürstenhof über Wohnen im Kalkturm, dem Globus Baumarkt bis zur Lidl-Erweiterung und dem aktuellen Bauprojekt in der Kurfürstenstraße, in die unter anderem die Agentur für Arbeit einziehen wird (der TV berichtete).

Diese Vorhaben betreffen 14,7 Hektar. Und entwickelt wurden dazu noch acht Flächen vom Mesenberg über den Weissrink bis zur ehemaligen französischen Schule mit insgesamt 24,8 Hektar. Fasst man diese drei Bereiche zusammen, sind von 2006 bis jetzt also 77,3 Hektar überplant worden. "Das zeigt die Dynamik der Entwicklung der Stadt", kommentiert Bürgermeister Joachim Rodenkirch die Zahlen.

Und wie geht's weiter? Darüber wird im nächsten Jahr diskutiert und entschieden. Einen ersten Hinweis, nämlich die eingangs genannten sieben Fragezeichen, gibt es - rein theoretisch. Demnach wäre noch ein Potenzial von 50,8 Hektar für Wohnflächen und 21,3 für Gewerbe, also insgesamt 72,1 Hektar vorhanden.
Doch das ist tatsächlich reine Theorie. Bürgermeister Joachim Rodenkirch machte deutlich, wie die Stadt auch in Zukunft vorgehen wird: "Wir werden die Linie beibehalten: Wo wir nicht Eigentümer sind, lassen wir das halt liegen. Wir werden das nicht durchsetzen für Land, das wir nicht erwerben können. Und generell gilt: Dass Grund und Boden endlich sind, ist auch klar."

Der gezeigte Ausblick "Untersuchung Entwicklungspotenziale Gewerbe und Wohnbauflächen", solle auf www.wittlich.de öffentlich zur Verfügung gestellt werden.Extra: Die Zahlen des Flächennutzungsplans

Ein Flächennutzungsplan (FNP) legt grob gesagt für ein Gebiet fest, wie es sich städtebaulich entwickeln kann. Die Festlegung ist nicht zwingend, sondern dokumentiert, was für die Zukunft prinzipiell möglich und beabsichtigt ist, etwa wo noch Neubaugebiete ausgewiesen werden könnten. Zur Stadt Wittlich gehört ein Areal von 49,64 Quadratkilometern (km{+2}). Als Vergleichsgrößen nannte Bürgermeister Joachim Rodenkirch: Bitburg 47 km{+2}, Mayen 58 km{+2} und die Stadt Luxemburg 51 km{+2} - bei allerdings hoher Besiedlungsdichte.

In Wittlich sind laut dem noch aktuellen FNP aus dem Jahr 2006 vom Gesamtareal 21,1 km{+2} Landwirtschaftsfläche. Das sind 2110 Hektar und etwa 42 Prozent. Davon gehören der Stadt 281 Hektar mit 139 Hektar Acker und 142 Hektar Grünland. Weiterhin sind 15,58 Quadratkilometer Wald (rund 31 Prozent), 0,40 km{+2} Wasser und 12,31 Quadratkilometer Siedlungs- und Verkehrsflächen, was in etwa 25 Prozent entspricht.

Mehr von Volksfreund