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Zerstörungswut in Trittenheimer Weinbergen

Kaputte Reben, durchtrennter Draht: Seit einigen Jahren erlebt der Trittenheimer Winzer Dietmar Nilles das regelmäßig. Wer dahintersteckt, weiß er nicht. Spuren zu finden ist fast unmöglich. Ein Einzelfall ist Nilles nicht. Von unserem Redakteur Clemens Beckmann

Trittenheim. Winzermeister Dietmar Nilles ist sauer. Zum wiederholten Mal haben Unbekannte in einem seiner Weinberge Reben abgeschnitten. In diesem Jahr waren 60 Weinstöcke betroffen: im oberen und unteren Teil des Wingerts. In einer anderen Parzelle ist der Draht durchtrennt, an dem Reben befestigt werden.

"In den vergangenen sechs bis sieben Jahren ist das schon mehrfach geschehen", berichtet der Trittenheimer. 2010 blieb er verschont. "Ich dachte schon, der Täter sei tot", sagt Nilles. An Zufälle glaubt der 66-Jährige nicht. "Das geschieht gezielt", sagt er. Wer dahinterstecken könnte, weiß er nicht. "Das kann sogar ein guter Freund sein. Es gibt Leute, die müssen einfach was kaputtmachen."

Schaden kostet Arbeitszeit



Der Schaden sei nicht immens hoch. Der aktuelle Ernteausfall halte sich im Rahmen. Nilles beziffert den Verlust auf 150 Euro. "Aber ich musste beispielsweise 100 Euro für neuen Draht ausgeben", sagt er. Viel schlimmer seien der Ärger und die Arbeit.

"Wenn jemand etwas gegen mich hat, soll er es mir sagen und nicht die Stöcke abschneiden. Die können doch nichts dafür", sagt der Winzer. 1000 Euro Belohnung hat er für den entscheidenden Hinweis ausgesetzt,

Nilles scheint nicht der einzige Trittenheimer zu sein, dem übel mitgespielt wird. Dem TV ist noch ein Winzer bekannt, dem bereits mehrfach Draht durchgeschnitten wurde. Der Mann will seinen Namen nicht nennen, weil er Angst vor weiteren Beschädigungen hat. Anzeige hat er nicht erstattet.

Dietmar Nilles hat dies getan. Ulrich Schneider, der für die Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron zuständige Polizeibeamte, ist ab und zu mit solchen Fällen konfrontiert. Vor einigen Jahren seien in Neumagen-Dhron mehrfach wahllos Stöcke abgeschnitten worden. "Keiner der Winzer hat aber was über mögliche Täter gesagt", berichtet er.

Nach seiner Meinung steckt oft eine "Beziehungskiste" dahinter. Betroffene sollten deshalb darüber nachdenken, wer ihnen Schaden zufügen könnte und dies der Polizei mitteilen. Beamte könnten dann das Gespräch suchen. Schneider: "Wenn Ermittlungen der Polizei bekannt sind, erfolgt beim Täter vielleicht eine Blockade." Mit Spuren im Weinberg sei nicht zu rechnen.

In Trittenheim werde über das Thema geredet, berichtet Ortsbürgermeister Franz-Josef Bollig. "Solche Taten zeugen von Boshaftigkeit. Wie kann man sich nur an der wehrlosen Natur vergreifen", sagt er.

Vor einigen Wochen sorgte der Fall des Winzers Johannes Steinmetz aus Ockfen (Saar) für Aufsehen. Dort war der Schaden im Laufe der Jahre allerdings wesentlich größer als bei Dietmar Nilles. Steinmetz hat sogar eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt (der TV berichtete). Bisher, so die Polizei in Saarburg auf TV-Anfrage, ist aber kein einziger Hinweis eingegangen.

Wer in Trittenheim etwas beobachtet hat, kann sich bei der Polizei in Bernkastel-Kues unter der Telefonnummer 06531/95270 melden.