Alle Daten auf einem Chip

TRIER/LUXEMBURG. Deutschland war Vorreiter, jetzt folgt Luxemburg: Das Großherzogtum ist das zweite Land in Europa, das einen biometrischen, elektronisch lesbaren Pass einführt, auf dem auf einer Chipkarte persönliche Daten abgespeichert sind. Wegen zunehmender Terrorangst wird das Thema Datenspeicherung immer heftiger diskutiert.

Seit vergangenem November gibt es ihn in Deutschland, doch kaum einer kennt ihn oder hat ihn: den biometrischen Pass. Auf einer integrierten Chip-Karte sind die wichtigsten Daten abgespeichert. Nur wer in die USA fliegt, benötigt derzeit das 59 Euro teuere Dokument wirklich. Wer allerdings einen neuen Pass beantragt, erhält automatisch die moderne, angeblich fälschungssichere und Daten geschützte Version. Ab 2009 sollen zusätzlich zu den Daten auch die Fingerabdrücke auf dem Chip gespeichert werden. Bei Kontrollen werden die Daten elektronisch eingelesen und in Sekundenschnelle mit eingespeicherten Informationen verglichen. Besonders ärgerlich für Eltern: Seit November vorigen Jahres gibt es auch keine Kinderausweise mehr. Wer für seinen Nachwuchs ein Ausweisdokument beantragt, bekommt den neuen biometrischen Pass und braucht dafür ein Foto, das genau den Vorschriften ("Die Person muss mit neutralem Gesichtsausdruck und geschlossenem Mund gerade in die Kamera blicken.") entsprechen muss. Selbst für Kleinkinder gilt: lachen verboten auf dem Passfoto. Immer wieder gibt es wegen der rigiden Vorschriften Ärger in Passbehörden. Das steht nun auch den Luxemburgern bevor. Ab sofort wird der neue biometrische Pass, der ebenfalls von der Bundesdruckerei in Berlin entwickelt wurde und hergestellt wird, ausgegeben. Luxemburg ist damit das zweite Land in der EU, das einen elektronisch lesbaren Ausweis einführt. In ein paar Tagen wird auch die Schweiz diesem Beispiel folgen. Im Gegensatz zu Deutschland ist der neue Pass in Luxemburg aber geradezu günstig. 30 Euro kostet er, die alten Pässe kosteten nur vier Euro. Die reinen Herstellungskosten übrigens belaufen sich auf 36 Euro. Die neue Generation von Pässen sei, wenn überhaupt, nur mit einem erheblichen technischen Aufwand zu fälschen, sagte der Staatssekretär im luxemburgischen Auslandsministerium, Nicolas Schmit, bei der Präsentation der neuen Dokumente.Neues Dokument wirklich sicher?

Doch Sicherheitsexperten zweifeln an der Fälschungssicherheit der biometrischen Pässe. Bei einer Konferenz von Hackern, deren Herausforderung es ist, Computerdaten zu knacken, zeigte ein deutscher Experte, wie einfach es ist, an die auf dem Pass-Chip abgespeicherten Daten zu gelangen. Trotzdem wird vor dem Hintergrund der aktuellen Terror-Debatte über eine Ausweitung der biometrischen Datenspeicherung nachgedacht. Zum Beispiel bei der derzeit wieder diskutierten Videoüberwachung öffentlicher Plätze. Auf dem Mainzer Hauptbahnhof sollen demnächst erste Tests beginnen. Im Auftrag des Bundesinnenministeriums werden ab Oktober sechs Kameras vier Monate lang Menschen auf einer Roll- und einer Steintreppe - die überwachten Bereiche sollen durch Schilder besonders gekennzeichnet werden - gefilmt. Die speziellen Gesichtserkennungsprogramme erfassen bestimmte Merkmale, die dann mit abgespeicherten Daten verglichen werden. Sicherheitsexperten erhoffen sich durch den biometrischen Pass mehr Sicherheit. Doch der Nutzen der neuen Technik ist bislang nicht erwiesen, wie auch die Fahndung nach den Kofferbombern von Koblenz und Dortmund zeigte. Die Daten der beiden tatverdächtigen Libanesen waren bislang in keiner Datei gespeichert und hätten damit auch nicht durch modernste Videoüberwachung oder biometrische Pässe rechtzeitig ausfindig gemacht werden können.

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