Auf Wanderschaft

Wechsel-Spiele kommen in den nächsten Wochen nicht nur auf einige Minister und Abgeordnete zu. Sie müssen nach dem überraschenden Ausgang der Landtagswahl freiwillig oder unfreiwillig einen Rollentausch etwa an der Spitze der bislang FDP-geführten Ressorts Justiz und Wirtschaft vollziehen.

Auf ein Standortwechsel-Spiel dürfen sich im Herbst sogar ganze Ministerien einlassen. S Auf Wanderschaft gehen dann etwa Innenminister Karl-Peter Bruch und 270 seiner Mitarbeiter, weil ihr barocker Dienstsitz Bassenheimer Hof für 18 Millionen Euro saniert wird. Hinter der schmucken Frontfassade reiht sich ein Sammelsurium an Gebäudeteilen unterschiedlichen Alters, verwinkelt und mit labyrinthhaften Gängen, wie es der Chef des Landesbaubetriebs, Hubert Heimann, umschreibt. Alles einschließlich der Büros dringend sanierungsbedürftig, um den Adelshof, der zu Beginn der 50er-Jahre zeitweise Sitz des Ministerpräsidenten war, auf einen "würdigen Standard" zu bringen. S Barrierefreie Zugänge, neue Technik und Funktionsräume, bessere Belüftung und Wärmedämmung sind angesagt. Vermutlich nur der Verfassungsschutz wird das heftige Werkeln in dem weit verzweigten Gebäudekomplex vor Ort - vermutlich in geübter Deckung - miterleben. Ansonsten heißt es Kisten packen und für gut ein Jahr einen knappen Kilometer weit wegziehen vom schönen Schillerplatz. S Nur gut, dass in dem durchaus ansehnlichen und relativ neuen Ausweichquartier bislang mit Bildungsministerin Doris Ahnen und Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner zwei Kollegen von Bruch auch nur vorübergehend residieren und im Wartestand sind. Seit mehr als zwei Jahren sind diese beiden Ressorts aus ihrem angestammten Haus im Regierungsviertel ausquartiert, weil der Funktionalbau der 1970er-Jahre für 24 Millionen Euro generalsaniert und von Schadstoffen befreit werden muss. Dem Möbelrücken sieht man in allen drei Ministerien mit geteilter Vorfreude entgegen. Doch Bildung und Wissenschaft sind ja bereits erprobt, auf Wanderschaft zu gehen.

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