Wahlen: Beinahe-Kandidat Günther Schartz bleibt nun doch lieber Landrat

Wahlen : Beinahe-Kandidat Günther Schartz bleibt nun doch lieber Landrat

Die regionale CDU zieht erneut mit der Saarburgerin Simone Thiel in den Europawahlkampf.

Aller guten Dinge sind zwei: Die regionalen Christdemokraten werden bei der Europawahl im nächsten Jahr voraussichtlich mit derselben Spitzenkandidatin wie 2014 ins Rennen gehen. Der Vorstand der Trier-Saarburger CDU nominierte am Montagabend einstimmig die Saarburgerin Simone Thiel als Kandidatin für das Europaparlament. Das wurde unserer Zeitung aus Parteikreisen bestätigt. Derzeit sieht es nicht so aus, als hätte die 39-jährige Abteilungsleiterin beim Bistum Trier CDU-intern mit weiteren Bewerbern zu rechnen. Die übrigen regionalen Parteigliederungen wollen angeblich keine eigenen Kandidaten ins Rennen schicken.

Dafür hätte Thiel um ein Haar Konkurrenz aus dem eigenen Kreisverband bekommen. Denn auch der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz soll ernsthaft mit einer Kandidatur als CDU-Europaabgeordneter geliebäugelt haben. Das bestätigte der 55-Jährige indirekt auf Anfrage unserer Zeitung. Demnach habe er „in einer internen CDU-Sitzung (...) Überlegungen hinsichtlich einer Wahl geäußert“, da er hierzu durch Dritte aufgefordert worden sei. Nach einer Bedenkzeit habe er sich dann aber dazu entschlossen, sich weiter seiner Arbeit als Landrat und Vorsitzender des Landkreistags zu widmen.

Dass Günter Schartz tatsächlich mit einem Wechsel nach Brüssel und Straßburg kokettiert hat, dürfte zumindest in CDU-Kreisen für mehr Aufmerksamkeit sorgen als die neuerliche Kandidatur von Simone Thiel. Denn sogleich taucht die Frage auf, ob es tatsächlich nur die von Schartz selbst angeführten Aufforderungen Dritter gewesen sind, die den seit über zwölf Jahren amtierenden Trier-Saarburger Landrat veranlasst haben, über einen möglichen Jobwechsel nachzudenken.

Jurist Schartz gilt als ehrgeizig. Er ist Vorsitzender des Landkreistags und stellvertretender CDU-Landesvorsitzender. Vor der zurückliegenden Landtagswahl wurde er bereits als designierter Innen- oder Finanzminister in einem Kabinett Klöckner gehandelt. Doch die Herausforderin von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zog erneut den Kürzeren. Damit wurde es auch für Günther Schartz nichts mit dem Wechsel nach Mainz. Noch nicht. Der CDU-Landesvize dürfte insgeheim darauf hoffen, dass der Regierungswechsel in Rheinland-Pfalz 2021 doch noch gelingen möge. Das Datum käme für Günther Schartz passend, denn Anfang 2022 endet auch seine zweite Amtszeit als Trier-Saarburger Landrat.

Die Saarburgerin Simone Thiel will für die regionale CDU ins Europaparlament einziehen. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/Roland Morgen

Dass er nun doch nicht als Kandidat bei der Europawahl im nächsten Jahr antritt, führen einige in der CDU auch auf den unsicheren Listenplatz zurück, der dem regionalen Kandidaten sicher ist. Platz drei der CDU-Landesliste ist seit einem Vierteljahrhundert Stammplatz der regionalen CDU. „Das war schon immer ein Wackelplatz“, sagt CDU-Bezirkschef Bernhard Henter. Trotzdem gelang der zwischen 1994 und 2014 amtierenden Abgeordneten Christa Klaß (Osann-Monzel) mehrfach der Sprung ins Europaparlament. Ihre Nachfolgerin Simone Thiel scheiterte vor vier Jahren allerdings im ersten Anlauf.

Das machte allerdings niemand in der CDU Thiel zum Vorwurf, sondern der gekippten Drei-Prozent-Sperrklausel. Dadurch errangen plötzlich auch kleinere Parteien und Gruppierungen Mandate fürs Parlament, die den Etablierten fehlten. Simone Thiel hatte das Nachsehen, kündigte aber schon am Tag nach der Niederlage an, es bei der nächsten Wahl noch einmal zu versuchen. Die Trier-Saarburger CDU-Vize hielt Wort, wie mittlerweile feststeht. „Unsere Grenzregion braucht eine Europastimme. Dafür trete ich gerne an, denn Themen gibt es in unserem Alltag genug“, meinte die 39-Jährige am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung.

Landrat Günther Schartz. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/Friedemann Vetter

Dass es erneut Landeslistenplatz drei und damit wieder eine Wackelpartie werden wird, weiß  Simone Thiel natürlich. Sollte es bei der Wahl erneut nicht für den Sprung ins Europaparlament reichen, dürfte mit ihr bei der nächsten Landtagswahl zu rechnen sein.

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