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Gericht schickt Pädophilen in geschlossene Psychiatrie

Gericht schickt Pädophilen in geschlossene Psychiatrie

Weil ein 50-jähriger Vater aus Trier-Saarburg die beiden Enkelkinder seiner Ex-Freundin missbraucht hat und krankhaft pädophil ist, muss er für in die geschlossene Psychiatrie. Anschließend muss er eine siebeneinhalbjährige Haftstrafe absitzen.

Fassungslos schüttelt die Schöffin immer wieder den Kopf. Angewidert schaut sie sich zusammen mit den beiden Berufsrichtern und dem zweiten Schöffen Fotos an. Was sie darauf sehen, dürfte schwer verdaulich sein. Sie zeigen zwei Mädchen, zwei und vier Jahre alt, die von einem Mann, den sie Opa genannt haben, missbraucht werden. Über 40 Mal in zwei Jahren.

Der 50-Jährige, der deswegen auf der Anklagebank im Trierer Landgericht sitzt, hat die „Abscheulichkeiten“ – wie Staatsanwalt Stephane Parent die Taten nennt – mit der Digitalkamera fotografiert und die Fotos gespeichert. So hat die Staatsanwaltschaft dem gelernten Maurer aus dem Kreis Trier-Saarburg detailliert nachweisen können, wann er sich an welchem Kind vergangenen hat. Es sind die Enkelkinder seiner gleichaltrigen Ex-Freundin, die der 50-Jährige derart übel missbraucht hat.

Vor drei Jahren hatte er die Frau aus Nordrhein-Westfalen übers Internet kennengelernt. Kurz darauf zogen beide in eine gemeinsame Wohnung in Gerolstein. Was die Frau zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Der Mann ist krankhaft pädophil. Wie er selbst sagt, ist das auch der Grund, warum nach 19 Jahren seine erste Ehe in die Brüche gegangen ist. Er hatte sich mehrmals Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen, die seine damalige Frau entdeckte.

Auch hat er, wie er sagt, vor 30 Jahren die damals elfjährige Schwester seiner späteren Frau missbraucht, indem er sie mehrmals unsittlich berührte. Ihm sei damals, als 20-Jährigem, schon bewusst gewesen, dass er pädophil sei, und er habe versucht, den krankhaften Trieb zu unterdrücken. Als Trainer und Betreuer von Kindermannschaften eines Fußballvereins habe er sich im Griff gehabt, beteuert der Mann vor Gericht.

Als das Jugendamt der Tochter seiner damaligen Freundin die Kinder wegen Überforderung wegnahm, habe er seine Freundin überredet, die beiden Mädchen zu ihnen nach Gerolstein zu nehmen – vielleicht mit dem Hintergedanken, seine abartigen Neigungen mit ihnen ausleben zu können. Irgendwann muss der Vater von zwei Söhnen völlig die Kontrolle über sich verloren haben. Nacht für Nacht stand er am Kinderbett und verging sich an einem der Mädchen. „Wenn sich die Gelegenheit ergeben hat, habe ich sie ausgenutzt“, sagt er bei seinem Geständnis.

Er habe sich nicht mehr im Griff gehabt, sagt er. Immer brutaler missbrauchte er die Kinder, oft sogar, während sie schliefen.
Seine Freundin hat davon, wie sie sagt, nichts mitbekommen. Auch den Mädchen habe man nicht angemerkt, was der „Opa“ ihnen angetan habe. Doch noch heute leiden die Kinder. Sie seien seit einem halben Jahr in Therapie, berichtet die Frau.
Ihr Martyrium wurde beendet, als die Frau auf dem Computer des Mannes Fotos von missbrauchten Kindern entdeckte, die nicht ihre Enkelkinder waren. Sie informierte die Polizei. Als die Ermittler bei der Durchsuchung der Wohnung die CD und die Festplatte mit den Fotos entdeckten, habe sie von dem Missbrauch erfahren.

Der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg lobt die ungewöhnliche Offenheit, mit der der Mann seine Taten eingesteht. Angesicht der erdrückenden Beweise durch die Fotos hätte es aber vermutlich des Geständnisses gar nicht bedurft, um den 50-Jährigen, dem im psychiatrischen Gutachten eine sexuelle Störung und krankhafte Pädophilie bescheinigt werden, zweifelsfrei zu überführen. So erspart er aber den Mädchen den möglichen Gang vor Gericht.

Und sich selbst eine mögliche drei, vier Jahre längere Haft. Denn es seien, so der Staatsanwalt, angesichts der Vielzahl der Taten durchaus zehn oder elf Jahre Haft möglich gewesen. Weil er „hochgradig erkrankt“ ist, muss der Mann zunächst nicht ins Gefängnis. Das Gericht verurteilt ihn, wie vom Staatsanwalt beantragt, zu einer Therapie in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik und anschließend siebeneinhalb Jahren Haft. Noch im Gerichtssaal nimmt der Mann das Urteil an: „Ich möchte geheilt werden.“