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Plan des Bildungsministeriums: Geistig Behinderte künftig an Gymnasien

Plan des Bildungsministeriums: Geistig Behinderte künftig an Gymnasien

Sollen Gymnasien künftig geistig behinderte Schüler aufnehmen? An diesem Vorhaben des Bildungsministeriums scheiden sich die Geister. 16 Rheinland-Pfälzische Gymnasien werden in einem Modellprojekt ausprobieren, ob und wie die Einbindung funktioniert. Praktiker aus der Region haben massive Zweifel.

(DiL) Ausgangspunkt ist eine UN-Konvention, die Deutschland unterzeichnet hat und die das Recht behinderter Menschen betont, an allen Einrichtungen der Gesellschaft uneingeschränkt teilzuhaben. Das gilt, zumindest theoretisch, auch für höhere Schulen. „Wenn Eltern das wollen, können sie darauf bestehen, dass ein geistig behindertes Kind einen Platz am Gymnasium bekommt“, sagt Direktor Raimund Mirz vom Stefan-Andres-Gymnasium in Schweich, das zu den 16 Pilotprojekten in Rheinland-Pfalz gehört.
Unter den vom TV befragten Schulleitern und Elternvertretern in der Region findet sich allerdings kaum jemand, der das Angebot für übermäßig sinnvoll hält oder von einer breiten Nutzung ausgeht.

Deutliche Kritik kommt vom Rheinland-Pfälzischen Philologenverband. In ihm sind auch viele Gymnasiallehrer aus der Region organisiert. Die Gymnasien seien „für diesen Schritt überhaupt nicht gerüstet“, sagt Ralf Hoffmann, Vorsitzender der Jungen Philologen. Die Klassen seien zu groß, und es gebe zu wenig Förderlehrer. Dagegen plädiert die Lehrergewerkschaft GEW grundsätzlich für das gemeinsame Lernen behinderter und nicht-behinderter Kinder, fordert aber vom Land im Gegenzug eine erheblich bessere Ausstattung und Vorbereitung der Gymnasien.

Die Schüler „mit sonderpädagogischem Förderbedarf“, wie die politisch korrekte Bezeichnung lautet, sollen auf dem Gymnasium in der Regel nicht mit dem Ziel eines Abschlusses unterrichtet werden. Nach TV-Informationen beginnt der „Feldversuch“ im kommenden Schuljahr in den Gymnasien Herxheim und Meisenheim.