Kriegsende in Winterspelt

Peter Ehleringer aus Seiwerath hat seine Erinnerungen an die Jahre 1939 bis 1945 in einem Buch festgehalten, dass im Familien- und Bekanntenkreis veröffentlicht wurde. Dem TV liegt eine Zusammenfassung des Buches vor.


Das Kriegsende erlebte ich als Jugendlicher in meinem Heimatort Winterspelt. Aufgrund der Nähe zu Belgien war Winterspelt besonders von Kämpfen heimgesucht worden. Meine Familie war erst nach Dausfeld und später nach Scheuern geflüchtet. Hab und Gut und die Tiere ließen wir zurück und mussten sogar die Türen auf der Flucht offen lassen. Mein Vater hatte keine Ruhe alles zurückgelassen zu haben und so gingen er und ich später wieder zurück nach Winterspelt. Dabei mussten wir die Front durchqueren. Im Nachhinein betrachtet ein sehr gefährliches und leichtsinniges Unterfangen.

Wir schlichen uns heimlich unter gefährlichen Verhältnissen durch die Front nach Hause und blieben dort. Dann kam Mitte Dezember 1944 die Ardennenoffensive und wir blieben bis zum Kriegsende von unserer Familie getrennt. In dieser Zeit wechselte die Front mehrmals in unserm Dorf, wir litten täglich unter Fliegerbeschuss oder Bombardierungen. Ich kann nicht vergessen wie oft wir erlebt haben, dass ganz in der Nähe viele Soldaten ihr Leben lassen mussten und wir verpflichtet wurden die Toten in ein Massengrab zu beerdigen.

Mittlerweile gingen unsere Vorräte zu Ende und es herrschte Hungersnot. Wir haben etwa 5 Wochen nicht satt zu essen bekommen und haben in den leeren Stellungen nach Schimmelbrot und Dosenresten gesucht. Ich erinnere mich, dass wir sogar bis Heckhalenfeld und Heckhuscheid im Wald nach Essensresten gesucht haben und auf dem Heimweg am Dorfeingang von Winterspelt noch von Fliegern beschossen wurden. Zum Glück hatten wir uns unterhalb einer mit Hecken bewachsenen Böschung geduckt. Im gleichen Moment explodierte eine Bombe und wir waren völlig mit Dreck überschüttet worden. Glücklicherweise war niemand verletzt worden.

An der Front nahm der Krieg seinen Lauf. Die Amerikaner konnten die deutsche Wehrmacht zurückdrängen. Der Krieg kam zu uns zurück. Ende Januar wurden wir dann wieder von der Front überrollt. Die Amerikaner vertrieben die deutschen Soldaten, nahmen die Soldaten, die sich teils verborgen hielten, in Gefangenschaft und sperrten die Zivilisten in zwei Häuser im Dorf ein.

Zivilisten, die sich im Geringsten zur Wehr setzten, wurden mit Schlägen oder Fußtritten zurechtgewiesen. Ich selbst bin aus Angst unter eine Bank gekrochen. Sobald ich mich blicken ließ, bekam ich den Gewehrkolben über, oder einen Fußtritt. Ich konnte das nicht verstehen.

Es war wohl Rache den Deutschen gegenüber, weil der erste Versuch der Amerikaner, über die Grenze und den Westwall die Deutschen zurückzuschlagen, misslungen war.

Danach legten die amerikanischen Soldaten zum eigenen Schutz verdrahtete Minenfelder an. Eines Tages wollte ich einen freilaufenden Ochsen einfangen. Das Tier konnte ich fangen. Als ich es aber nicht mehr halten konnte, löste der Ochse mehrere Minen aus. Der Ochse war sofort tot. Ich blieb durch Zufall so gut wie unverletzt.

Der Krieg, die Hungersnot und die Angst gingen weiter, bis am 8.Mai 1945 die Nachricht durchdrang, dass endlich
Waffenstillstand herrsche. Das Deutsche Reich hatte bedingungslos kapituliert.

Allmählich kamen die anderen Dorfbewohner mit dem wenigen Hab und Gut, was Ihnen noch geblieben war nach Hause. So auch meine Familie mit nur noch einem Pferd und einem Ochsen vor den fast leeren Wagen gespannt, jedoch froh, dass wieder alle gesund zu Hause waren. Peter Ehleringer