1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Mitarbeiter des Flughafens Hahn atmen auf

Mitarbeiter des Flughafens Hahn atmen auf

Das umstrittene Sanierungskonzept von Geschäftsführer Heinz Rethage für den Flughafen Hahn, das bei der Belegschaft tiefe Verunsicherung ausgelöst hatte, wird nur zu 60 Prozent umgesetzt. Der Betriebsrat zeigt sich erleichtert.

Lautzenhausen. Mittagszeit am Flughafen Hahn: Die Belegschaft lässt die Pause sausen und marschiert zum Gebäude 890. Dort hat drei Stunden lang der Aufsichtsrat getagt und sich den Kopf über den angestrebten Sanierungskurs zermartert. Einer der 370 Mitarbeiter ist eigens aus dem Urlaub zurückgekehrt. Ihn plagt wie viele andere die Angst um seinen Arbeitsplatz.
Kurze Zeit später macht sich Erleichterung breit. Anscheinend ist vorerst kein Job in Gefahr. Das lässt jedenfalls Landtagspräsident Joachim Mertes, stellvertretender Aufsichtsratschef, deutlich durchblicken. An den Geldbeutel geht es den Mitarbeitern ebenfalls nicht. Ein vom Geschäftsführer ins Gespräch gebrachter Sanierungstarifvertrag ist vom Tisch. "Ein Vorfeldarbeiter, verheiratet, zwei Kinder, verdient 1438 Euro netto im Monat. Das reicht gerade zum Leben", begründet Mertes. Betriebsratschef Thomas Dillmann hört das gerne. Im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen stehe der Hahn "bei der Verdichtung der Arbeit sehr gut da", sagt er.Bekannte Probleme


Im Hunsrück fertige erheblich weniger Personal Passagiere und Fracht ab als anderswo. "Wir werden jedes Mal gefragt, wie wir das schaffen."
Bis ins Detail hat der Aufsichtsrat das Sanierungskonzept mit 40 Einzelmaßnahmen diskutiert, die Geschäftsführer Rethage mit einer Arbeitsgruppe definiert hatte. Das Problem des Flughafens ist schließlich bekannt. "Wir haben zu viele Kosten im Vergleich zu dem, was wir einnehmen", sagt Joachim Mertes.
Im Endeffekt sollen die Kostensenkungen und Einnahmesteigerungen (Details siehe Extra) das Jahresergebnis um 7,5 Millionen Euro verbessern. Allerdings nicht von heute auf morgen. "Wir werden drei bis fünf Jahre brauchen", kündigt Heinz Rethage - nach der Freistellung seines Kollegen Wolfgang Pollety bis auf weiteres alleiniger Geschäftsführer - an. Beim Personalrat sei "viel Überzeugungsarbeit zu leisten". Man werde ein Kompetenzteam mit den Abteilungsleitern bilden und "nichts gegen die Mitarbeiter machen".
Zwei große Bausteine aus dem Rethage-Konzept, die eine weitere Verbesserung des Jahresergebnisses von 4,5 Millionen Euro bewirken sollen, werden vorerst nicht angepackt. Das LBM-Modell, also der Verkauf von Flächen an den Landesbetrieb Mobilität, behagt der wachsamen EU-Kommission nicht. Auch der Verkauf von Immobilien (Büros, Rückhaltebecken), der mindestens 45 Millionen Euro bringen soll, ist zurückgestellt.
Der Hunsrück-Flughafen wird damit weiterhin rote Zahlen schreiben und den Steuerzahler belasten. Für 2014 sind im Haushalt des Landes 9,5 Millionen Euro vorgesehen. Weitere 47 Millionen Euro hat man als Verpflichtungsermächtigung bis 2017 reserviert. Sie sollen laut Salvatore Barbaro, ab Oktober Vorsitzender des Aufsichtsrates, dazu dienen, Investoren die Übernahme des Betriebs schmackhaft zu machen. Das Geld stünde als Verlustausgleich zur Verfügung.
Die Brüsseler Wettbewerbshüter haben für Regionalflughäfen wie den Hahn eine Frist von zehn Jahren vorgegeben, binnen derer sie sich selbst tragen, also ohne staatliche Subventionen auskommen müssen. Geschäftsführer Rethage hatte zunächst das Jahr 2017 angepeilt, um die schwarze Null zu erreichen. Jetzt spricht auch er von 2023.Meinung

Mutlosigkeit auf der Zielgeraden
Wenn die betriebswirtschaftliche Rechnung nicht stimmt, bemühen Politiker gerne die volkswirtschaftliche Komponente. Genau das machen dieser Tage SPD-Vertreter beim Flughafen Hahn. Sie kaschieren damit ihre eigene Mutlosigkeit, die sie beim angestrebten Sanierungskurs auf der Zielgeraden befallen hat. Von dem, was Geschäftsführer Heinz Rethage geplant hatte, wird nur etwas mehr als die Hälfte umgesetzt. Das Personal, in fast jedem Unternehmen der größte Kostenblock, bleibt weitgehend verschont. Das mag kurzfristig zur Beruhigung der aufgebrachten Mitarbeiter dienen, aber es sichert keinesfalls langfristig ihre Arbeitsplätze und die Zukunft des Flughafens. Der Hahn muss nach EU-Vorgabe spätestens in zehn Jahren wirtschaftlich arbeiten. Um das zu schaffen, muss er noch erheblich stärker von den Kosten runter. Denn die Einnahmen lassen sich aufgrund der schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit sinkenden Passagier- und Frachtzahlen nur bedingt steigern. Die rot-grüne Landesregierung sollte den Hahn-Mitarbeitern diesen reinen Wein einschenken, anstatt sie zu beschwichtigen und sich selbst über die Landtagswahl 2016 retten zu wollen. f.giarra@volksfreund.deExtra

Der Sanierungskurs sieht unter anderem Einsparungen bei den Dienstfahrzeugen (200 000 Euro), beim Einkauf von Fremdleistungen (150 000 Euro), beim Sponsoring (60 000 Euro), bei der Passagier- und Gepäckabfertigung (150 000 Euro), beim Sommer- und Winterdienst (150 000 Euro), bei Beraterverträgen (122 000 Euro) oder bei der Reinigung (50 000 Euro) vor. Mehr Einnahmen sollen etwa durch höhere Parkgebühren (210 000 Euro), zusätzliche Fracht und höhere Entgelte dort (eine Million Euro) oder Erlössteigerungen bei der Passage (500 000 Euro) erzielt werden.fcg