Alles, nur keine Schattenwirtschaft

Trier · Das Gesundheitswesen mit derzeit 6300 Beschäftigten soll für Trier noch wichtiger werden. Das ist Ziel des Europäischen Forums für Gesundheitswirtschaft, dem neben der Stadt Trier und den Krankenhäusern nun auch die Vereinigten Hospitien und die Bezirksärztekammer angehören.

 Der Patient steht letztlich im Mittelpunkt. Er profitiert davon, wenn die Krankenhäuser in Trier besser zusammenarbeiten. Foto: dpa

Der Patient steht letztlich im Mittelpunkt. Er profitiert davon, wenn die Krankenhäuser in Trier besser zusammenarbeiten. Foto: dpa

Trier. Der Trägerverein Europäisches Forum für Gesundheitswirtschaft (EFG) verfolgt vier große Ziele: Fachkräftesicherung, akademische und nichtakademische Fort- und Weiterbildung, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Marketing. Gelingen soll dies mit der Bündelung der Kompetenzen und einer neuen Internetseite ( www.efgtrier.de ).

Fachkräftesicherung: Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im medizinischen und pflegerischen Sektor geht es darum, für die Attraktivität der Stadt Trier zu werben. Das machten Verantwortliche der Trierer Krankenhäuser, der Vereinigten Hospitien, der Bezirksärztekammer und der Stadtverwaltung am Montag bei einer Pressekonferenz deutlich. "Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitarbeitern", verdeutlichte Michael Metzdorf, stellvertretender Kaufmännischer Direktor des Mutterhauses, einen wichtigen Grund für das Engagement seiner Klinik an der Kooperation mit den anderen Krankenhäusern. EFG-Geschäftsführer Johannes Weinand: "Wir bündeln die Kompetenzen und Standortvorteile der einzelnen Einrichtungen. Das gab es so bislang nicht."

Fort- und Weiterbildung: Verbessert wird mit der trägerübergreifenden Zusammenarbeit aber auch die fachärztliche Fort- und Weiterbildung. In Zusammenarbeit mit der Bezirksärztekammer, die seit Anfang des Jahres ebenso wie die Vereinigten Hospitien Trier neue EFG-Mitglieder sind, wurde zum Beispiel ein Lehrplan (Curriculum) für die Fachweiterbildung von Ärzten an den Trierer Krankenhäusern entwickelt. Kammervorsitzender Günther Matheis: "Die Arbeit des EFG hat erhebliches Potenzial. Das beinhaltet auch eine Öffnung für die gesamte Region." In Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg sei sogar ein Medizinstudium mit klinischer Fakultät in Trier denkbar.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Interesse an einem luxemburgisch-trierischen Medizinstudium bestehe auch im Nachbarland, versicherte Oberbürgermeister und EFG-Vorsitzender Klaus Jensen. "Wir wollen dazu konkrete Gespräche führen." Es wäre die Krönung für den von ihm geäußerten Anspruch, Trier zum Kompetenzzentrum der Gesundheitswirtschaft in der Großregion zu machen.

Marketing: Zunächst aber stehen die konkreten gemeinsamen Projekte im Vordergrund, für die es zu werben gilt. Das machte Markus Leineweber deutlich, Hausoberer des Brüderkrankenhauses und stellvertretender EFG-Vorsitzender: "Wir haben einen gemeinsamen Fort- und Weiterbildungskatalog für alle Häuser entwickelt. Es wäre doch wenig sinnvoll, wenn zum Beispiel jede Klinik einen eigenen Intensivpflegetag anbieten würde." Es gehe darum, voneinander zu lernen und Kräfte zu bündeln.
Letztlich profitieren sollen davon die Patienten, auch wenn sie zunächst von der intensiveren Kooperation der EFG-Mitglieder nur wenig mitbekommen.
efgtrier.deMeinung

Bündelung der Kompetenzen
Die Gesundheitswirtschaft ist für Trier einer der wichtigsten Branchen. 6300 Beschäftigte, davon 4600 in den Krankenhäusern, sind ein Alleinstellungsmerkmal, das über die Region hinaus strahlt. Dem scheidenden Oberbürgermeister Klaus Jensen kann nicht nachgesagt werden, dass er diese Bedeutung nicht erkannt hätte. Europäisches Forum für Gesundheitswirtschaft - dieser etwas sperrige Name für ein Projekt, das die wichtigsten Akteure an einem Tisch versammelt und zur Zusammenarbeit bringt, beinhaltet die Vision, die zunehmend konkret wird: Die Kliniken- und Gesundheitseinrichtungen in Trier bündeln ihre Kompetenz, um die eigenen Fähigkeiten zu stärken und im bundesweiten und europäischen Wettstreit um Ärzte und medizinisches Fachpersonal bessere Karten zu haben. Die Vernetzung in die Region wird folgen. Vielleicht wird sogar ein luxemburgisch-trierisches Medizinstudium einmal zu mehr als Theorie und Wunschdenken. Profitieren werden aber nicht nur die Kliniken und Pflegeheime. Vor allem ist es ganz im Sinne einer guten und besser werdenden Versorgung der Patienten, wenn die Rädchen der Gesundheitswirtschaft besser verzahnt sind. r.neubert@volksfreund.deExtra

Bereits 2007 hat Oberbürgermeister Klaus Jensen den Runden Tisch Gesundheitswirtschaft 2020+ gegründet, aus dem 2010 auch unter Beteiligung des Landes das Europäische Forum für Gesundheitswirtschaft (EFG) entstanden ist. Dazu wurde von der Stadt Trier und den Krankenhäusern der Stadt der gleichnamige Verein gegründet. Das Projekt EFG ist von der Landesregierung bis 2014 als Modellprojekt finanziell gefördert worden. Ziel war es, das Projekt in den Schwerpunktbereichen der akademischen und nichtakademischen Fort- und Weiterbildung, der Fachkräftesicherung, der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und dem Marketing auf- und auszubauen. Seit Januar 2015 gehören auch die Bezirksärztekammer Trier und die Vereinigten Hospitien dem Trägerverein an. Die Schwerpunktthemen in diesem Jahr sind neben einem Modellprojekt zur verbesserten fachärztlichen Weiterbildung in den beteiligten Kliniken unter anderem die Fachtagungen zur Intensivpflege (15. September) und "Gesund bleiben am Arbeitsplatz" (3. November) für interessierte Arbeitgeber und Mitarbeiter. r.n.