Als die Küche noch dampfte

Neulich bin ich durch die Hosenstraße spaziert. Und ich glaub', ich seh' nicht richtig - das Haus von Mutti Krause wird abgerissen. Fast hatte ich die Zeiten schon vergessen, als wir in dieser urigen Trierer Kneipe verkehrten.

Der Laden ist schon seit Jahren geschlossen, auch wenn die Original-Mutti-Krause-Gardinen noch lange an den Fenstern hingen und an vergangene Zeiten erinnerten. Irgendwann macht jeder Wirt eben Schluss. Damals - das war in den 80er und 90er Jahren - da dampfte die Küche bei Mutti Krause, und die Bude war jeden Abend voll. Vom Zahnarzt über den Fliesenleger bis zum Studenten trafen sich dort die Leute. Besonders die Krumpernschniedscher - immer dienstags frisch aus der Küche - waren Weltklasse. Dazu ein kühles Bier oder - noch besser - einen ordentlichen, gammeren Viez aus der Porz, und die Welt war in Ordnung. Die Einrichtung war schlicht und rustikal, die Preise mehr als günstig und die Bedienung meistens herzlich, aber immer ehrlich. Hier war jeder willkommen, egal, wie er aussah. Manchmal saßen auch drei ältere Herren bei Mutti Krause und musizierten auf Akkordeon, Gitarre und Bass. Das waren die Jungs vom "Astoria Trio". Mutti Krause war eine Institution, eine echte Trierer Viertelskneipe. Um so eine Kneipe zu führen, braucht es halt einen speziellen Menschenschlag. Da sind bodenständige Leute mit Herz und Humor gefragt. Ist halt irgendwie gemütlicher in so einer Viertelskneipe. Aber diese Kneipen sterben leider aus. Wer hat heute noch die Ausdauer und die Nerven einer Mutti Krause, jeden Abend hinterm Tresen zu stehen? Ich glaub', ich fahr mit meiner Bärbel am Wochenende mal raus aufs Saarburger Land. Da finden wir bestimmt noch ein uriges Kneipchen, nicht unbedingt mit Krumpernschniedschern, aber mit einem Wirt mit Herz...

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