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Corona: So läuft der Betrieb im Schnelltestzentrum in Trier

Gesundheit : Immer schön negativ bleiben - So geht es bei den Corona-Schnelltestzentren in Trier zu

Wir haben uns zwei Corona-Teststationen in Trier angesehen, und gefragt, wie es dort so läuft. Dabei ist Spannendes zu erfahren.

Seit Beginn der Corona-Pandemie vor zwei Jahren ist Negativ das neue Positiv. Um herauszufinden, zu welcher Gruppe man gehört, sind Tests erforderlich. Die Johanniter in Trier bieten in der Dasbachstraße (vorher in der Loebstraße) einen Drive-In an, bei dem die Testpersonen nicht aus dem Auto aussteigen müssen. Das Teststäbchen wird ihnen noch am Steuer ihres Wagens in die Nase geschoben. An diesem Freitagmorgen ist die Nachfrage groß, aber nicht so, dass es zu Autoschlangen kommt.

„Die Zeiten der großen Staus sind wohl vorbei“, sagt Wolfgang Otten, der regelmäßig herkommt, weil er das negative Testergebnis für den Besuch im Seniorenheim vorzeigen muss und seine Angehörigen schützen möchte. „Das hier ist für mich komfortabler, eine feine Einrichtung“, erklärt der 67-Jährige aus Kenn.

Das Testergebnis kommt per E-Mail - Keine Staus am Testzentrum

Das Prozedere an den Autos ist routiniert. Als Erstes werden von einem Mitarbeiter der Johanniter die Personalien der Testwilligen aufgenommen, als Nächstes entnimmt ein anderer Mitarbeiter in Schutzkleidung die Probe per Nasenabstrich. Aussteigen wäre sowieso nicht so günstig: Der Boden ist matschig und es haben sich trotz Zeltdach Pfützen gebildet. Doch dem Testteam macht das nichts aus. Männer und Frauen gehen zu den Wagen, nehmen erst die Personalien auf und testen anschließend.

„Freundlich, zügig und unproblematisch“, bringt Werner Schulz aus Konz es auf den Punkt. Er macht den Test vor dem Besuch seiner Mutter im Seniorenheim. „Dass ich das Ergebnis als E-Mail bekomme und nicht hier warten muss, ist super“, ergänzt der 65-Jährige. „Die Leute sind sehr dankbar und wir bekommen viel Lob, besonders in letzter Zeit“, sagt eine Mitarbeiterin der Johanniter, die gerade auf dem Weg zu einem der Fahrzeuge ist.

Es ist ein Kommen und Gehen – zwei bis vier Autos stehen ständig im Drive-In. Gleich nach dem Nasenabstrich kann man weiterfahren – das Ergebnis kommt 15 Minuten später per E-Mail. Lange Wartezeiten gibt es in der Regel nicht mehr, nur an den Wochenenden sei mehr los, sagt Stefanie Skroka, die gerade die Personalien des nächsten Kunden in den kleinen Container bringt, in dem sämtliche Testutensilien bereitstehen. Dort hängen Kurzzeitwecker an der magnetischen Innenwand, die gefühlt im Minutentakt piepen und das Ende der 15 Minuten Wartezeit signalisieren. Vor allem, seit 3G am Arbeitsplatz gilt – nur noch geimpfte, genesene oder getestete Menschen haben Zutritt zu ihrem Arbeitsplatz –, ist die Nachfrage nach offiziellen Teststationen gestiegen.

Richtige Anwendung und Lagerung der Coronatests sind wichtig

Lange Schlangen bildeten sich zeitweise vor den wenigen Einrichtungen, Schnelltests für den Hausgebrauch waren ausverkauft. Doch seit einigen Wochen schießen private Teststationen wie Pilze aus dem Boden und die Lage entspannt sich. Daniel Bialas, Vorstand der Johanniter des Regionalverbandes Trier-Mosel, gibt an, dass derzeit etwa 150 bis 200 Personen täglich die Station aufsuchen. Zu Spitzenzeiten seien es 500 gewesen, doch seit „an jeder Ecke ein Testzentrum steht“, habe sich die Lage entspannt.

Er sieht das nicht unkritisch und betont die Wichtigkeit der Schulung. Fachkenntnis über Lager- und Verarbeitungstemperatur der Testflüssigkeit, Fingerspitzengefühl bei der Durchführung des Abstrichs und die Hygienemaßnahmen seien bei den professionellen Einrichtungen gegeben, sagt er. „Wir lassen uns Zeit und machen das sehr gewissenhaft. Ein bisschen im Nasenvorhof herumfummeln ist nicht zielführend. Außerdem reagieren die Tests empfindlich auf Temperaturen.“ Testzentren in Gartenlauben oder Pavillons sieht er deshalb kritisch. Er findet es bedenklich, wenn es manchen Menschen egal ist, ob der Test richtig durchgeführt wurde, weil es ihnen nur um das Zertifikat geht.

Eigenverantwortung wird aber bei der 33-jährigen Sarah aus Trier großgeschrieben. Sie ist diese Woche schon zum zweiten Mal hier. Obwohl die Büroangestellte von ihrem Arbeitgeber die vorgeschriebenen zwei Tests pro Woche wahrnimmt, lässt sie sich an den anderen Tagen bei den Johannitern testen. „Ich bin geimpft, mein Boostertermin steht noch aus. Aber ich teste mich täglich und ich bin überzeugt davon, dass man das machen sollte“, erzählt sie, während sie kurz wartet, bevor sie an der Reihe ist.

Für Kinder gibt‘s erst den Lolli-Test und dann den richtigen Lolli

Simon Becker holt jemanden aus dem Krankenhaus ab und braucht dafür ein negatives Testergebnis. „Es kommt mir hier professioneller vor als bei anderen, die einem nur ein bisschen in der Nase herumkriebeln“, fasst der 24-jährige Trierer seine Bedenken zusammen. Ebenfalls wegen eines Krankenhausbesuchs ist Maike Körperich aus Riol da. Die 24-Jährige hat ihr elf Monate altes Töchterchen im Auto, die zu einer Untersuchung muss. Sie selbst ist geboostert.

Auch Julian Langer, der 35-jährige Inhaber eines Medienstudios in Trier, hat die Auffrischungsimpfung bereits erhalten. Er duldet bei seinen Mitarbeitern nicht, dass sie ungetestet die Firma betreten. Dass alle geimpft sind, ist für ihn selbstverständlich. „Wir haben eine Verantwortung unseren Kunden gegenüber und sind uns im Team alle einig. Außerdem habe ich einen guten Freund, der schwer an Corona erkrankt war und fast gestorben wäre. Das war ein Wake-up-Call für mich“, erzählt er.

Daniel Bialas trägt zwei Beutel Lollis in den Container. Die sind für die Kinder, die zum Testen herkommen, sagt er. Denn neben den Nasenabstrichen hat die Station auch kindgerechte Lollitests im Sortiment – anschließend gibt es den Lolli aus Zucker zum Mitnehmen. Ab 1. Februar erweitert die Teststation der Johanniter ihre Öffnungszeiten. Dann wird von Montag bis Sonntag von 8 bis 18 Uhr durchgehend getestet.

Corona-Teststelle neben dem Pizza-Lieferdienst

Auch ein auf den ersten Blick untypisches Testzentrum, weil es nicht von einer öffentlichen Einrichtung wie DRK oder Johanniter betrieben wird, haben wir besucht. Der Inhaber des Pizza-Lieferdiensts „KingZPizza“, Husein Abu-Lubdeh, bietet in der Aachener Straße direkt am neuen Kreisel in Trier-West von Montag bis Samstag von 8 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 20 Uhr die Möglichkeit an, sich testen zu lassen. Auch am Hauptbahnhof und in Trier-Ehrang betreibt er weitere Testzentren.

Auf den ersten Blick erscheint ein Test-Pavillon neben einem Pizza-Lieferdienst kurios. Doch Husein Abu-Lubdeh sagt, dass sein Vater ihn auf die Idee gebracht habe. Der ist Arzt und hat eine HNO-Praxis in Berlin-Neukölln. Als die Gastronomiebranche erhebliche Einbrüche durch Corona erlitt, gab er seinem Sohn den Rat, sich auf den erhöhten Testbedarf einzustellen und selbst Stationen zu betreiben. Dann mache er was Gutes und überbrücke die Zeit als Gastronom besser, habe er gesagt. „Ich komme aus einer Arztfamilie, ich bin der einzige Gastronom“, erzählt er lachend.

Nicht durch ein dubioses Online-Seminar haben er und sein Team sich das Wissen und die Genehmigung erlangt, sondern durch die professionelle ärztliche Schulung durch seinen Vater. Im Pavillon, der direkt an KingZPizza angrenzt, herrschen wegen der Empfindlichkeit der Testflüssigkeit durchgehend 15°C, erklärt der 28-Jährige. In seinem siebenköpfigen Team sind auch ein ehemaliger Medizinstudent und ein Arzt für die Tests zuständig. Täglich 150 bis 250 Personen suchten die Station in der Aachener Straße auf, und er bekomme viel positives Feedback von den Kunden – und das trotz immer mehr positiver Testergebnisse. Vor allen in den letzten zwei Wochen seien immer mehr Fälle aufgetaucht, sagt er und bestätigt damit die steigenden Infektionszahlen.

Nicht über ungeimpfte Kunden urteilen

Dass er und sein Team geimpft sind, hängt er nicht an die große Glocke. „Viele Menschen, die zu uns kommen, schämen sich dafür, dass sie nicht geimpft sind. Aber sie haben einfach Angst davor.“ Er wolle nicht über seine ungeimpften Kunden urteilen, zu denen auch vielen zählen, die nur einen Nachweis für die Arbeit brauchen. „Wir wollen neutral bleiben, das ist die persönliche Sache von jedem Einzelnen“, sagt er. Zu seinen Stammkunden gehören auch Angehörige von Menschen, die in Pflegeheimen wohnen.

Zweimal pro Woche besucht das Team seiner Teststation die Kitas auf dem Trimmelter Hof und in Tarforst, um dort die Kinder zu testen. Hier in der Aachener Straße wird der Pavillon zu Fuß betreten. Ein- und Ausgang liegen getrennt voneinander und die Tests erfolgen schnell und routiniert. Bei unserem Besuch gibt es keine Schlangen, und der Testwillige, der seinen Nachweis für den anderen Tag auf der Arbeit braucht, ist gleich nach seinem Test und unserem Foto wieder verschwunden. Das Ergebnis erhält er per E-Mail auf sein Handy.

Einen Termin braucht hier niemand, aber auch das ist per Imnu-Code möglich. Insgesamt scheinen viele vernünftige Menschen die Teststationen zu besuchen – aus Vernunft und Verantwortungsgefühl. Diesen Eindruck konnten wir zumindest bei unseren Besuchen gewinnen. Dass es sowohl unter den Testern als auch unter den Testpersonen schwarze Schafe gibt, ist dabei nicht ausgeschlossen. Doch auch hier ist die Eigenverantwortung gefragt. In diesem Sinne: „Bleiben Sie negativ!“