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Der Hauptmarkt als Reich der Mitte

Der Hauptmarkt als Reich der Mitte

Mit der fünften Auflage der Reihe "Konstantin lädt ein" hat die City-Initiative Trier die seit 2010 bestehende Städtepartnerschaft mit Xiamen in China gefeiert. Am Freitag wandelte sich das Kurfürstliche Palais zur chinesischen Lichter- und Musikwelt. Am Samstag stand der Hauptmarkt im Zeichen der Völkerverständigung.

Trier. Es gibt ein Land, da sind die Bräuche wunderlich und die Sprache schwer zu erlernen. Richtig: das Saarland. Ruzhi Liu ist trotzdem in Neunkirchen heimisch geworden und arbeitet dort als Heilpraktiker. Beim Trierer Partnerstädtefestival "Konstantin lädt ein", veranstaltet von der City-Initiative Trier, vertritt er allerdings die Kultur seiner alten Heimat China. Am Wochenende wurde die seit 2010 bestehende Freundschaft zwischen der Moselstadt und Xiamen gefeiert. Am Freitag im Rahmen der Illuminale und am Samstag auf dem Hauptmarkt mit allerlei Infoständen und Musik und Tanz, deftigem Essen und feinen Tees.Nachdem Liu im Kasino am Kornmarkt einen Vortrag zur traditionellen chinesischen Medizin gehalten hat, üben sich seine Töchter am Stand des Konfuzius-Instituts der Universität Trier in der Kunst der Kalligraphie. Da sie schon etwas Erfahrung haben, bringen die beiden Mädchen die komplexen Zeichen recht souverän aufs Papier.Nebendran führen aber auch Neulinge wie die Kinder Jonathan und Anastasia den Schreibpinsel schon ganz flüssig. Sollte die chinesische Kultur doch zugänglicher sein, als sie von Europa aus manchmal erscheint?Der Ex-Baudezernent und Stadtplaner Peter Dietze war sofort begeistert, als er 2006 mit einer ersten Delegation die 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt Xiamen bereiste: Da gibt es das grundsätzliche Verständnis, dass der öffentliche Raum gestaltet werden muss sagt Dietze.Als eine Sonderwirtschaftszone verfüge Xiamen über eine moderne Verwaltung, die offen und nach außen orientiert" sei. Vorhaben würden öffentlich intensiv diskutiert und Beschlossenes dann zügig umgesetzt: In Sachen Stadtentwicklung brauchen wir da jedenfalls keine Ratschläge erteilen", folgert Dietze, der aber auch von der "herzlichen Offenheit" der Menschen angetan war.Als Mitbegründer und Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft setzt er sich bis heute für Austausch und Verständigung ein - und freut sich darum über das gelungene Fest mit vielen Gästen aus Xiamen und Deutschen, die sich für China begeistern. Es gibt Kung-Fu-Vorführungen, Musik auf Pipa (chinesische Laute) und Erhu (chinesisches Streichinstrument), Glasnudeln und Fischbällchen.Die Uni informiert zum Studium der Sinologie, ein Anbieter zur Bewegungsmeditation Qigong. Edle Tees können schließlich bei einer stilvollen Zeremonie probiert werden. Gerhard Thamm hat seine Begeisterung dafür zum Beruf gemacht. Seine Importe sind zwar etwas teurer, können aber oft ein Dutzend mal aufgegossen werden. Für die Massenware im Beutel hat er wenig übrig: "Das ist meist nur Abfall aus der eigentlichen Ernte!