Einbahnstraßen als Mittel gegen den Verkehrsinfarkt

Trier · Für künftige Verkehrsströme in Trier-Nord liegen konkrete Optionen auf dem Tisch. Zusätzlich zum Moselbahn-Durchbruch könnten Einbahnstraßen eingerichtet oder sogar Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.

 Bisher liegt das ehemalige Moselbahn-Gelände weitgehend brach. Eine neue Trasse soll Kürenzer Straße und Schönbornstraße mit Wasserweg (hier aus Richtung Kürenzer Straße gesehen) und Metternichstraße verbinden. TV-Foto: Friedemann Vetter

Bisher liegt das ehemalige Moselbahn-Gelände weitgehend brach. Eine neue Trasse soll Kürenzer Straße und Schönbornstraße mit Wasserweg (hier aus Richtung Kürenzer Straße gesehen) und Metternichstraße verbinden. TV-Foto: Friedemann Vetter

Das Mobilitätskonzept 2025 der Stadt Trier sieht für Trier-Nord unter anderem den Neubau einer Entlastungsstraße vor. Dieser sogenannte Moselbahn-Durchbruch stellt parallel zur Eisenbahntrasse eine Verbindung zwischen Schönbornstraße und Wasserweg her (der TV berichtete, siehe Grafik). Dann könnte der Verkehr von der Metternichstraße und aus dem Avelertal über die Kürenzer Straße in Richtung Hauptbahnhof und umgekehrt fließen. Gewollter Effekt: Schöndorfer Straße, Reichsabtei, Franz-Georg-Straße und etliche Wohnstraßen würden entlastet.
Langfristig sollen ein neuer Autobahnanschluss Nord/Ruwer und die Verlängerung des Wasserwegs zum Moselufer weitere Entlastungen bringen.
Im Dezernatsausschuss IV stellte Wilko Kannenberg vom Stadtplanungsamt den aktuellen, noch sehr frühen Planungsstand mit drei Varianten vor.

Variante A: Der Moselbahn-Durchbruch steht allein für sich als zusätzliche Straße. Die übrigen Straßen vom und zum Hauptbahnhof können wie bisher befahren werden.

Variante B: Die Schöndorfer Straße ab der Einmündung Schönbornstraße stadteinwärts und die Reichsabtei werden für den Durchgangsverkehr gesperrt (Anlieger frei) oder durch Rückbau unattraktiv gemacht. Nachteil: Laut Kannenberg würden Autofahrer vermutlich in die Paulinstraße ausweichen.

Variante C: Es wird ein System mit Einbahnstraßen eingerichtet, damit der Verkehr besser fließt. Schöndorfer Straße und In der Reichsabtei führen nur noch stadteinwärts, die Kürenzer Straße nur stadtauswärts. Alternativ könnte die Kürenzer Straße auch in beide Richtungen befahrbar bleiben. Kannenberg: "Wenn ein Vollausbau der Kürenzer Straße mit separater Busspur gewünscht wird, wäre der Flächenbedarf groß." Im Gegensatz dazu sparen Einbahnstraßen Platz.
Kostenschätzungen gibt es noch nicht. Als nächsten Schritt sieht der Ablaufplan der Verwaltung eine Entscheidung dazu vor, ob das Bahnhofsumfeld mit in das Projekt aufgenommen wird. Im Sommer 2013 will die Stadt die konzeptionelle Vorplanung in Auftrag geben. Im Jahr 2014 könnte der Rat dann beschließen, das Projekt in den Haushalt 2015 aufzunehmen.
Peter Spang (FWG) hält die Idee mit Einbahnstraßen für "überlegenswert". Anja Reinermann-Matatko (Grüne) spricht sich gegen Einbahnstraßen aus, da der Bereich Reichsabtei entlastet werden solle, wenn schon eine neue Straße gebaut werde.
Rainer Lehnart (SPD) mahnt: "In Einbahnstraßen gibt es die Versuchung, schneller zu fahren, weil der Gegenverkehr fehlt. Das muss bei der Planung berücksichtigt werden."
SPD und Grüne setzen sich für eine zügige Information von Bürgern und Ortsbeirat ein. Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) sieht den richtigen Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen: "Wir möchten die Bürger mit Fakten bestücken, die wir erst noch erarbeiten müssen."Meinung

Fernziel Anschluss zur Autobahn
Die Krux beim Moselbahn-Durchbruch ist, dass diese Verbindung erst beim Bau einer zusätzlichen Anschlussstelle der A 602 ihre volle Wirkung erzielen kann. Dann wäre eine echte neue Hauptachse geschaffen, die den Durchgangsverkehr von und zur Autobahn über Straßen mit Gewerbebetrieben statt Wohnhäusern schleust. Bis dahin bleibt jede der aktuell vorgelegten Varianten unvollkommen, mit Vor- und Nachteilen, Gewinnern und Verlierern. Einbahnstraßen etwa würden den Verkehr morgens geballt durch Schöndorfer Straße und Reichsabtei leiten, der doch nach der Grundidee des Moselbahn-Durchbruchs über die Kürenzer Straße fließen soll. Umso wichtiger ist, alle Fakten und Prognosen genau und zuverlässig zu erarbeiten und zu bewerten. Die frühzeitige Information und Reaktion der Öffentlichkeit schaden dabei nicht. m.hormes@volksfreund.de