Erst denken, dann schenken

TRIER. 1200 bis 1500 Tiere werden jedes Jahr im Trierer Tierheim aufgenommen – und meist auch wieder vermittelt. Vielen davon könnte der durchschnittlich 30-tägige Heimaufenthalt erspart werden, wenn sich alle Tierhalter vor der Anschaffung eines Vierbeiners mit den Folgen auseinander gesetzt hätten, sagen Tierschützer.

Eigentlich sollte das, was Tierheim-Leiter Andreas Lindig fordert, eine Selbstverständlichkeit sein: "Die Leute müssen nachdenken, bevor sie ein Tier anschaffen oder verschenken." Dass die Realität anders aussieht, zeigt der Rundgang durch das Tierasyl in Trier-Zewen: 70 Hunde warten dort derzeit auf neue Besitzer, 120 zahme und 50 verwilderte Katzen sowie zahlreiche weitere Kleintiere: vom Kaninchen bis zur Wasserschildkröte. Oft leben sie im Heim, weil Herrchen oder Frauchen krank geworden oder gestorben sind, ins Seniorenheim ziehen mussten oder sich aus einem anderen guten Grund nicht mehr um ihr Tier kümmern konnten. Allzu viele von ihnen sitzen allerdings auch in den Käfigen in Trier-Zewen, weil die Besitzer bei der Anschaffung absehbare Probleme ignoriert haben. "Jeder muss überlegen, ob er sich ein Tier zeitlich und finanziell leisten kann", fordert Lindig. Nicht bloß Anschaffungs- und Futterkosten seien zu bedenken, sondern auch Ausgaben für den Arzt, Steuern und Gebühren. "Anstatt sich zu übernehmen, ist man ein größerer Tierfreund, wenn man sagt: Ich liebe Tiere, aber es passt im Moment bei mir nicht." Gerade jetzt zur Ferienzeit machen sich die gedankenlosen Tier-Anschaffungen und -Geschenke bemerkbar: Das Heim ist an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt. Wer sein Tier derzeit dort abgeben möchte, wird vertröstet - es sei denn, es handelt sich um ein streunendes Tier, das aufgegriffen wurde. Dass Tiere ausgesetzt würden, sei zum Glück selten geworden, sagt Lindig. Um Tierhalter in der Urlaubszeit zu helfen, unterstützt das Trierer Heim die Urlaubsaktion "Nimmst Du mein Tier, nehme ich dein Tier": Interessenten können sich unter Telefon 0176/51394414 melden. Zehn bis 20 Pärchen fänden sich so jedes Jahr in Trier, berichtet Lindig. Manchmal meldeten sich auch Leute, die sich nicht ständig um ein Tier kümmern könnten oder wollten, für einen überschaubaren Zeitraum aber gerne als "Hunde- oder Katzensitter" zur Verfügung stünden. Neben unbedachten Anschaffungen liegt Tierschützer Lindig das "Katzenproblem" im Magen. Vor allem im ländlichen Gebiet würden viele Katzen immer noch nicht kastriert, kritisiert er. Die Folge seien zahllose, oft herumstreunende, verwahrloste und kranke Nachkommen. Landeten sie im Heim, weigerten sich viele Kommunen, die fälligen Pauschalen zu zahlen. Fünf Euro pro Tag verlangt das Tierheim in solchen Fällen - für maximal 56 Tage. Ausnahme ist die Stadt Trier: Sie zahlt jedes Jahr eine Pauschale von 38 500 Euro, damit ist die Versorgung aller Fundtiere abgegolten. 360 000 Euro Betriebskosten im Jahr

Bisher habe man auch Katzen aufgenommen, die außerhalb des Stadtgebiets gefunden worden seien und für die man kein Geld erhalten habe, berichtet Lindig. "Das können wir aufgrund unserer finanziellen Situation nicht mehr lange leisten." Die Rücklagen seien so gut wie aufgebraucht, in Zukunft drohten Einsparungen. Die Betriebskosten für das Heim, das vom Tierschutzverein Trier getragen wird, liegen bei rund 360 000 Euro im Jahr. Neben Lindig arbeiten dort fünf Tierpfleger, drei Azubis und eine Verwaltungskraft. Nur 50 Prozent der Kosten werden durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Erbnachlässe und Patenschaften sowie öffentliche Zuschüsse und Erstattungen gedeckt. Die andere Hälfte muss erwirtschaftet werden. Wer ein Heimtier haben möchte, zahlt 50 bis 80 Euro für eine Katze - allein die Kastration sei oft teurer, sagt Lindig - und 100 bis 200 Euro für einen Hund. Auch, wer ein Tier im Heim abgibt, wird zur Kasse gebeten. Aus pädagogischen Gründen, wie Lindig erklärt: "Die Leute sollen wissen, dass man nicht immer wieder einen süßen Welpen anschaffen und ihn im Tierheim abgeben kann, wenn er groß ist."