Geplanter Gewerbepark – Braucht Mehring mehr Industrieflächen?

Wirtschaft : Geplanter Gewerbepark – Braucht Mehring mehr Industrieflächen?

Der geplante Gewerbepark auf der Mehringer Höhe wird sehr zwiespältig beurteilt. Während Politik und Wirtschaft die Notwendigkeit weiterer Flächen für Firmen betonen, stehen Anwohner und Naturschützer dem Projekt kritisch gegenüber.

Es ist ruhig geworden um den Gewerbepark Mehringer Höhe, der auf etwa 110 Hektar südlich der A-1-Anschlussstelle Mehring errichtet werden soll (der TV berichtete). Derzeit sammelt die Verbandsgemeinde (VG) Schweich die Bedenken und Anregungen, die während der mehrwöchigen Offenlegung der Pläne von Kommunen, Organisationen und Privatpersonen eingegangen sind. Die VG betreibt die Änderung des Flächennutzungsplans für das Gebiet, das derzeit überwiegend aus Wiesen und Wald besteht und sich im Alleinbesitz der Gemeinde Mehring befindet.

Eine Komplettübersicht mit Auswertung der Eingaben liegt voraussichtlich erst nach den Sommerferien vor. Dann werden sich auch die neuen Räte konstituiert haben, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai gewählt werden. Ihnen obliegt es, den weiteren Verfahrensweg bis zur möglichen Umsetzung zu begleiten.

Viele Nachbarkommunen von Mehring hatten keine Einwände gegen den geplanten Gewerbepark, es gab aber auch kritische Stimmen. So fordert etwa der Gemeinderat Fell weitergehende Untersuchungen auf mögliche Auswirkungen auf Fauna und Flora im angrenzenden Fellerbachtal. Auch sollen Veränderungen auf das Kleinklima durch Eingriffe wie beispielsweise die Rodung von Wald untersucht werden.

Auch im Hochwald wird ein kritisches Auge auf das Projekt geworfen. Der VG-Rat Hermeskeil befürchtet  „erhebliche Auswirkungen” auf das eigene, nur wenige Kilometer entfernte Gewerbegebiet in Hermeskeil und den geplanten Gewerbepark an der A 1 bei Reinsfeld. Sorgen macht man sich auch in der Stadt Trier. Das Oberzentrum hat zwar selbst kaum mehr Gewerbeflächen, der Bauausschuss hält aber eine Klärung des Flächenbedarfs auf regionaler Ebene für notwendig.  Das vorgesehene Areal liege weit über dem Bedarf für den Raum Schweich, so das Argument.

Bedenken äußert auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz. Das Gebiet biete hervorragende Bedingungen für die Wildkatze, wie Experten bestätigten. An mehreren Stellen seien Tiere gesichtet beziehungsweise fotografiert worden.

Eine mehrere Punkte umfassende Stellungnahme haben Evamarie Bange und Lucien Ernster an die VG Schweich geschickt. Sie bewirtschaften seit 2014 den Lindenhof im Distrikt Schleicherberg, betreiben extensive Rinderzucht (Galloways). Das etwa 20 Hektar große Anwesen mit Obstbäumen, Wald und Wiesen liegt auf der anderen Autobahnseite – nur wenige Hundert Meter vom geplanten Gewerbepark entfernt. „Hier soll ein Industriegebiet ohne Not errichtet werden”, sagt Ernster. „Brauchen wir nicht eher mehr Natur in Zeiten des Klimawandels und des Artensterbens?”

Die Auswirkungen des Vorhabens auf die Aussiedlerhöfe in der Umgebung, darunter auch Neu-Mehring, würden in der Planung  nicht ausreichend berücksichtigt, kritisiert Ernster. Dies betreffe Eingriffe in die Erschließung, die Siedlungsstruktur, die Natur und den Wasserhaushalt. Im Gebiet liegt eine Quelle, die mehrere Höfe speist.

Für Erich Bales aus Mehring, Beigeordneter der Verbandsgemeinde Schweich und einer der Initiatoren des Projekts, sind die Bedenkenträger bei solch einer Größenordnung „keine Überraschung”. Er glaubt – wie im Übrigen auch das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium und die Kammern – an den Bedarf für großflächige Firmenansiedlungen. Bales sagt, er habe Verständnis für die Kritik aus Reinsfeld. Allerdings könnten sich dieses Gewerbegebiet und eines auf der Mehringer Höhe durchaus „sinnvoll ergänzen”.

Nach Auskunft von Reinhard Müller, Geschäftsführer des Zweckverbands Industriepark Region Trier (IRT), übersteigt derzeit die Nachfrage nach Gewerbeflächen in attraktiven Lagen das Angebot im Kreis Trier-Saarburg (freie Flächen siehe Info).

Im IRT bei Föhren sei die Nachfrage bereits so groß wie die geplante Erweiterungsfläche (40 Hektar). Derzeit sei nicht davon auszugehen, so Müller, dass der mittelfristige Bedarf an Gewerbeflächen im Kreis gedeckt werden könne.

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