Glaube im Alltag

Tote und Verletzte durch Terroranschläge, Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt, Elend in Flüchtlingslagern, im Bürgerkrieg zerstörte Städte und Dörfer, Angst in Europa - die Aufzählung ließe sich fortsetzen. In diese düsteren Bilder hinein begingen Christinnen und Christen die stillen Kartage, das Gedenken an Jesu Leiden und Sterben - das passt.

In diese düsteren Bilder hinein aber feiern dieselben Christinnen und Christen Ostern, das Fest der Auferstehung und des Lebens. Auf den ersten Blick erscheint das so unpassend wie wohlfeile, fromme Worte eines oberflächlichen Trostes an die Opfer von Terror und Gewalt. Blicken wir knapp zweitausend Jahre zurück. Wir sehen neben Schaulustigen am Wegesrand die Menschen, die dabeibleiben, als Jesus zur Hinrichtung geführt wird. Namentlich bekannt sind einige Frauen, die sich auch vom Schrecken des Kreuzes nicht daran hindern lassen dabei zu bleiben. Für die Bibel genau das richtige Handeln angesichts der menschlichen Katastrophe. Wie richtig solches Dabeibleiben auch heute empfunden wird, zeigen Blumen und Kerzen, Schweigeminuten und die vielen Solidaritätsbekundungen nach den Anschlägen in Brüssel und anderswo. Als dieselben Frauen später zum Grab Jesu zurückkehren, erfahren sie, dass Tod und Grab nicht das Ende sind. Und sie werden beauftragt das weiterzusagen. Als Christinnen und Christen feiern wir Ostern, weil wir davon überzeugt sind, dass Gott für alle Lebenslagen taugt, für tiefstes Leid und überschäumende Freude. In all dem bleibt Gott neben uns - das bezeugen Menschen über die Jahrhunderte immer wieder. Dieses Dabeibleiben Gottes ermöglicht es immer wieder aufzustehen mitten im Leben, dem Tod nicht das letzte Wort zu lassen, und das feiern wir. Ingrid Müller, Pastoralreferentin in Trier

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