Hoffnungslose Fälle

Die marode Aulstraßenbrücke hat die Stadt durch ein Provisorium ersetzt. Auch an den sechs anderen von der Bahn "geerbten" Brücken im Stadtgebiet nagt der Zahn der Zeit. Die "Zementbrücke" und der Bahnübergang Hermes-straße sind nicht mehr zu retten.

Trier. Als Schulnote bedeutet eine "4" ausreichend. Bei den Zustandsnoten, die Triers Bahnbrücken bei regelmäßigen Untersuchungen (zu Standsicherheit, Verkehrsicherheit, Dauerhaftigkeit) erhalten, ist eine "4" der schlechteste Wert und bedeutet das Aus. So geschehen 2008 bei der Aulstraßenbrücke. Sie wurde nach der Untersuchung gesperrt, später abgerissen und kürzlich durch ein Provisorium ersetzt. Doch auch die anderen sechs Bahn-Brücken, die Trier 1994 per Bundesgesetz ungefragt aufgedrückt wurden, haben sich als Problemfälle entpuppt. Ein Zustandsbericht, der dem Baudezernats-Ausschuss vorgelegt wurde, bewertet die Brücke am Grüneberg (im Volksmund "Zementbrücke" genannt) mit der Note 3,9 - was im Schulgebrauch "Versetzung sehr stark gefährdet" bedeuten würde. Der Bericht empfiehlt Abriss. Dafür sollen 750 000 Euro im Etat für 2012 und 2013 bereitgestellt werden. Beim Bau der Neuanbindung Avelertal/Metternichstraße soll eine neue Brücke entstehen, doch wann das soweit sein wird, steht in den Sternen. Die Kürenzer Ratsmitglieder Karl Lübeck, Manfred Maximini (beide UBM) und Dominik Heinrich (Grüne) plädieren dafür, die 1925 errichtete Zementbrücke nicht komplett abzureißen, sondern so weit zurückzubauen, dass wenigstens Fußgänger und Radfahrer diese "sinnvolle Verbindung" weiterhin nutzen können. Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani zeigt sich skeptisch, will aber die Realisierungschancen prüfen lassen.

Mit der Note 3,7 steht die Brücke in der Hermesstraße (Baujahr 1912) geringfügig besser da, gilt aber ebenfalls als unrettbar. Die Gutachter empfehlen einen Neubau. Karl-Josef Gilles (FDP) spricht sich aus finanziellen Gründen dagegen aus: "Auch hier sollte man die Möglichkeit des Rückbaus auf einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke prüfen. Für Kraftfahrzeuge gibt es mehrere Brücken ganz in der Nähe."

Die weiteren städtischen Brücken aus Ex-Bahnbesitz:

Fußgängerbrücke am Sandbach (Trier-Süd; Baujahr 1914): Zustandsnote 3,4; wird 2010 möglicherweise mit einem Aufwand von 100 000 Euro saniert.

Brücke Petenweg (Quint, Baujahr 1892): Zustandsnote 2,4. Sanierung kostet 140 000 Euro und soll in den kommenden Jahren umgesetzt werden.

Pfeiffersbrücke (Ehrang, Servaisstraße, Baujahr 1949): Note 3,4, soll 2012 für 150 000 Euro instandgesetzt und später bei Bau des Anschlusses B422/B53 ersetzt werden.

Fußgänngerbrücke Pfeiffersbrücke (Ehrang, Baujahr 1905/1956): Note 3,0. Mittelfristige Sanierung erforderlich, Stadt will 80 000 Euro in der mittelfristigen Finanzplanung aufnehmen.