Marie Jostock aus Köwerich ist neue Moselweinkönigin

Brauchtum : „Köwerich steht kopf“ – ein Dorf feiert seine Weinkönigin

Marie Jostock ist neue Moselweinkönigin: Ein Treffen zwischen dem Nach-der-Krönung-Fest und dem ersten offiziellen Termin mit Innenminister Roger Lewentz.

Samstagmorgen, Köwerich, Jugendheim: Durch die offenen Fenster dringt „O Mosella“, musikalischer Nachschlag eines historischen Abends.   Frauen und Männer entsorgen leere Weinflaschen, rücken Tische und Bänke wieder an ihren Platz. „Köwerich steht kopf“, sagt Claudia Schlöder. Denn erstmalig ging die Krone der Moselweinkönigin an eine Frau aus dem 400 Einwohner zählenden Ort, an Marie Jostock.

Als die Frischgekrönte samt Fans kurz vor Mitternacht mit dem Bus  in ihrem Heimatort ankam, stand das halbe Dorf von der Kirche bis zum Jugendheim jubelnd Spalier. Festausschuss und Gemeinderat hatten ein Büfett und einen Alleinunterhalter bestellt, ein Banner mit dem Foto von Marie gespannt, Weinflaschen geöffnet. „Leev Marie, der Wein hat dich zur Queen gemacht“, wurde immer und immer wieder gesungen. Ortsbürgermeister Elmar Schlöder hat diese Momente mit seinem Smartphone festgehalten. Maries Krönung sei auch die Krönung einer neuen Dorfentwicklung, sagt er. Erst seit 2016  gebe es, nach langer Zeit ohne, wieder ein Weinfest und eine Weinkönigin in Köwerich. Seit 2018 ist Marie im Amt. Und seit Freitagabend ist sie Moselweinkönigin (siehe nebenstehenden Text). Gefeiert hätten die Köwericher so oder so, ob Prinzessin oder Königin, sagt Schlöder. Die Freude müsse ja irgendwohin.

Auch am Samstagmorgen kommen noch Gratulanten: Eine Radfahrerin hält an und gratuliert. Gerhard Scholtes, 92, drückt lange Maries Hand, gerührt sagt er: „Wie hast du das bloß geschafft?“ Und er prophezeit: „Du schaffst alles!“ Marie möchte auch noch mehr. Die junge Frau, die ab Oktober ein duales Studium bei der Polizei beginnt, gerne joggt und Tennis spielt, will deutsche Weinkönigin werden. „Alles oder nichts“, sagt sie selbstbewusst.

An den Gänsehautmoment in der Mosellandhalle in Bernkastel-Kues, als sie wusste, sie hat es geschafft, erinnert sie sich  mit dem für sie typischen Strahlen im Gesicht: „Ich dachte nur, nicht weinen, bloß nicht weinen, das sieht nicht gut auf dem Foto aus.“ Weinkönigin zu sein, sei ihr ein Gehäjschnis. Sie übersetzt das Mundartwort mit Wohltat und Ehre. Ihr Wissen rund um den Wein hat sich Marie Jostock in Weinbergen und Weinkellern angeeignet. „Man muss es gemacht haben, um es zu verstehen“, sagt sie 13 Stunden nach der Krönung und drei Stunden vor ihrem ersten offiziellen Termin. Die Gebietsweinkönigin, die ihren Krönungswein „Mariesling“ mit entworfen und sich dafür eingesetzt hat, dass die Flasche weiß statt grün ist, trifft ihren künftigen Chef, Innenminister Roger Lewentz, in Föhren. Die Verbandsgemeindebürgermeisterin habe das Treffen schnell noch arrangiert, sagt der Ortsbürgermeister.

Er chauffiert die Weinhoheit persönlich in deren  Dienstwagen. Laura Gerhardt, Marie Jostocks Vorgängerin, hat ihr nicht nur für ein Jahr die Krone, sondern auch den Schlüssel für den Kleinwagen mit der Aufschrift „Mosel - Faszination Wein - Weinkönigin“ weitergereicht. Nach dem Termin mit Lewentz geht es weiter nach Graach: Weinprobe mit ihren Prinzessinnen Bärbel Ellwanger (Trier), Julia Weis (Zell) und Julia Gries (Kobern-Gondorf) steht im Terminkalender. Dann sitzt Vater Reimund Jostock am Steuer. „Sie war gestern Abend mit Abstand die Jüngste und so souverän“, sagt er stolz. „Aber wir bleiben auf dem Teppich.“

Marie Jostock (rechts) ist mit 19 Jahren zur Gebietsweinkönigin gewählt worden. Sie wird von ihren Prinzessinnen Bärbel Ellwanger, Julia Weis und Julia Gries (von links) unterstützt. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Sogar in Brasilien werden die Menschen von der neuen Moselweinkönigin erfahren. Ralf und Nora Götte sind in der für Köwerich denkwürdigen  Nacht nach Südamerika geflogen – mit im Gepäck: Fähnchen und Buttons, auf denen Marie Jostock zu sehen ist. Weil die Brasilianer diese Tradition liebten, heißt es. Die Köwericher auch.

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