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„Meine Hilfe zählt“ - In Trier wird mittags für rund 50 Kinder gekocht

Spendenaktion : Ein gesundes Essen am Tag für junge Trierer

„Meine Hilfe zählt“: Künftig kann in Trier mittags für rund 50 Kinder in der „Miez“ gekocht werden – drei Jahre lang. Spenden machen es möglich.

Viele Krankheiten gehen auf schlechte Ernährung zurück. Aber Essen ist noch viel mehr, als dem Körper Gutes zu tun. Gemeinsam zu essen, ist ein Ritual, das verbindet.

Zusammen gegessen wird mittags schon lange bei der „Miez“, wie die Trierer den Mergener Hof umgangssprachlich auch schon lange und liebevoll nennen. Der Leiter des Hauses, Kai Wichmann, sagt: „Bisher beziehen wir das Mittagessen über einen Caterer“. Doch die Miez möchte aus mehreren Gründen einen neuen Weg einschlagen. Einer davon: Immer mehr Kinder aus Familien, die monatlich wenig Geld zur Verfügung haben, könnten sich die 3,70 Euro für das warme Mittag­essen im Jugendzentrum nicht mehr leisten. Die Folgen seien fatal, so nehme etwa die Konzentration der Kinder ab und es komme beispiels­weise zu Mangel­erscheinungen, sagt Wichmann.

Die Miez möchte, dass alle Kinder auch in Zukunft mittags warm essen können. Und: Sie möchten selbst kochen. Eine Köchin, ein Koch oder eine Hauswirtschafterin soll eingestellt werden. Die Suche laufe zurzeit, sagt Wichmann. Beim Kochen solle besonders darauf ge­achtet werden, dass die Zutaten gesund, saisonal, regional und frisch seien.

 Mit einem großen Familienfest wurde im Spätsommer 2019 das 50. Jubiläum des Mergener Hofs gefeiert.
Mit einem großen Familienfest wurde im Spätsommer 2019 das 50. Jubiläum des Mergener Hofs gefeiert. Foto: Franziska Wonnebauer/Franziska Wonnebauer

Rund 50 Schülerinnen und Schüler kommen nach der Schule in das Jugendzentrum in der Rindertanzstraße 4 in der Innenstadt. Bevor Haus­aufgaben gemacht werden und sie zusammen spielen, findet der so­genannte betreute Mittagstisch statt, wie es in der pädagogischen Fachsprache heißt.

„Der betreute Mittagstisch stellt einen wichtigen Bestandteil des Betreuungs­angebotes und der Hilfen zur Erziehung dar“, sagt Wichmann. Er sei an den Familien­tisch angelehnt. Das bedeute, Kinder und Jugendliche hätten ein Gemeinschafts­erlebnis in ruhiger und entspannter Atmosphäre. Eine päd­agogische Fachkraft betreue die Gruppe, unterstütze beim Einhalten der Tischregeln, achte auf angemessene Tisch­gespräche – und eine ausgewogene Ernährung. Beim Mittags­tisch könnten die Kinder und Jugendlichen zur Ruhe kommen. Wichmann sagt: „Sie erlernen und erleben bei uns eine positive Tisch­kultur.“

Und der Miez ist es wichtig, was auf den Tisch kommt: Ausgewogen und gesund soll die Ernährung laut Hausleiter sein, zubereitet aus regionalen, fairen, saisonalen und bio­logischen Lebensmitteln. „Als Kinder- und Jugend­einrichtung möchten wir einen Beitrag leisten zur Reduzierung langer Trans­port­wege und Liefer­ketten, hin zu einer regionalen und saisonalen Versorgung“, betont Wichmann. Zudem seien Koch­projekte gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen angedacht, in denen sie lernten, gesunde, saisonale und leckere Gerichte zuzubereiten. Und das bei der Miez Erlernte könne so wiederum in die Familien getragen werden.

 Der Leiter des Jugendzentrums Mergener Hof in Trier, Kai Wichmann.
Der Leiter des Jugendzentrums Mergener Hof in Trier, Kai Wichmann. Foto: TV/Katja Bernardy

Das alles kostet Geld – zu viel für einen gemeinnützigen Verein, der auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Ein Jahr lang ein warmes Mittagessen kostet 888 Euro, für einen Monat sind es 85 Euro. Über das Spendenportal des Trierischen Volksfreunds, „Meine Hilfe zählt“ auf

www.volksfreund.de/meinehilfe

hatte der Verein Jugendzentrum Mergener Hof das Projekt „Warmer Mittagstisch für bedürftige Kinder“ eingestellt. Die gute Nachricht: Es ist für drei Jahre komplett finanziert, 102 Spenden sind eingegangen, exakt 11 211 Euro wurden für das Angebot gesammelt. Wichmann kündigt an, „Meine Hilfe zählt“ weiter zu nutzen. Für neue Projekte und ge­gebenen­falls für eine Verlängerung des Mittagstischs – damit die Miez-Kinder in der Römerstadt mittags warm und gesund essen können.

Drei weitere Projekte der Miez konnten über „Meine Hilfe zählt“ bereits finanziert werden: Dank der Spenden der TV-Leserinnen und -Leser hat der Mergener Hof die Corona-Krise überstanden, ein Ball­wagen und Materialien für Kinder sowie neue Tische und Stühle für die Hausaufgabenbetreuung wurden angeschafft.

Die Abkürzung MJC steht für die Marianische Jünglings-Congregation, die bereits 1617 gegründet worden war. Was verstaubt klingt, ist ans Heute angepasst. Dass die Miez mit der Zeit geht, darauf verweist der Verein auf seiner Internetseite unter

www.mjctrier.de

Und die Angebote vom Mittagstisch über Beratung, Sport und Musik bis hin zu Jugendfreizeiten – um nur einige zu nennen – sprechen für sich. Sie richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Im Blick ist dabei immer deren Förderung. Unter anderem ist die Miez auch Arbeit­geber und bietet Möglich­keiten, sich ehren­amtlich zu engagieren.