Moselsektdusche vor der Porta

Moselsektdusche vor der Porta

Der Platz vor der Porta Nigra ist ein Meer belgischer Fahnen: Begeisterte Fans feiern am Sonntag in Trier den völlig überraschenden Rallyesieg des Belgiers Thierry Neuville. Der Fahrer aus Hünningen bei St. Vith ist völlig aus dem Häuschen und duscht die Fans mit Moselsekt.

Zwischen St. Vith und Trier liegen keine 90 Kilometer. Keine Statistik erfasst, wie viele Belgier sich am Sonntag spontan entschließen, ins Auto zu springen und noch schnell an die Mosel zu fahren. Es sind mit Sicherheit einige. Jerôme zum Beispiel. "Wir waren in den letzten Jahren schon mehrmals hier und wissen deshalb, dass die Siegerehrung ein tolles Spektakel ist", sagt der 32-jährige Motorsportfan.
Dieses Jahr hatten Jerôme und seine Clique keine Rallyetickets. "Nein, 2014 war nicht geplant", räumt er ein. "Aber als klar war, dass Thierry der Sieger ist, da war alles anders und wir mussten nach Trier." Zum Glück, fügt er an, braucht man keine Eintrittskarten für die Siegerehrung.
Alles war plötzlich anders - das sehen nicht nur Jerôme und seine Jungs so. Niemand hat damit gerechnet, dass Jari-Matti Latvala und Kris Meeke, die beiden Führenden, am Sonntag, dem letzten Rallye-Tag, durch Unfälle ausfallen würden. Freie Bahn für Thierry Neuville. "So geht das im Motorsport", sagt Florian mit der Gelassenheit eines erfahrenen Rallye-Fans. "In letzter Sekunde fliegst du raus." Florian ist neun. "Er liebt die Rallye", sagt sein Vater Jens.
Der Belgier Neuville auf Platz eins macht am frühen Sonntagnachmittag aus der traditionellen Siegerehrung vor der Porta Nigra eine Party, die in dieser Intensität eine Premiere ist. Derart krachend wurde noch kein Sieger in Trier gefeiert. Mit Tröten, Fahnen und großartiger Laune verfolgen die Massen die Präsentation der Top 10 auf der Rampe vor der Porta."Dämlicher Unfall"


Wie immer sind die Skandinavier zahlreich vertreten. Einige der Finnen wirken ein wenig grummelig wegen des Ausscheidens ihres favorisierten Landsmanns. "Latvala hätte gewinnen können und müssen", erklärt Jalo (30), der jedes Jahr zur Rallye nach Trier reist. "So ein dämlicher Unfall." Kurze Denkpause. "Aber auf der anderen Seite habe ich noch nie einen so spannenden Rallyesonntag erlebt."
Skandinavien geht aber nicht ganz leer aus. Jalo und seine Gruppe jubeln für den Dritten der Rallye, den Norweger Andreas Mikkelsen.
Auch die spanischen Rallyefans melden sich lautstark, als einer der ihren auf die Rampe fährt: Daniel Sordo hat die Rallye Deutschland 2013 gewonnen, dieses Mal fährt er auf Platz zwei. "Fantástico!", ruft Alejandro. Er ist nur für den Showstart und die Siegerehrung nach Trier gereist. "Ich mache ab September ein Auslandssemester in Deutschland und hatte es nicht weit", sagt er. "Trier ist übrigens klasse."Strahlender Belgier


All das ist jedoch nur eine Ouvertüre des ohrenbetäubenden Jubels, der die Porta erschüttert, als Thierry Neuville und sein Beifahrer Nicolas Gilsoul auf die Rampe rollen. Die beiden sind außer sich vor Freude und rennen mit Flaschen feinsten Moselsekts auf die ersten Fanreihen zu, für die es kein Entkommen gibt. Nichts erinnert an den spektakulären Unfall beim Shakedown am Donnerstag, als Neuville sich in den Weinbergen sechsmal überschlagen hat. Die Fans jubeln und feiern den strahlenden Belgier.
Schließlich ist die Siegerehrung vorbei, der Motorsport gibt Triers Straßen und Wege wieder an ihre täglichen Nutzer zurück.
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