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Ruwerweinfest 2013 ist gestrichen: Zwei-Jahres-Rhythmus im Gespräch

Ruwerweinfest 2013 ist gestrichen: Zwei-Jahres-Rhythmus im Gespräch

Zu viel Arbeit, immer weniger Helfer: Darüber klagen die Kaseler Ortsvereine, die jedes Jahr im Wechsel das Weinfest für das untere Ruwertal organisieren. Für 2013 hat sich kein Veranstalter gefunden, das Fest ist abgesagt. Die Gemeinde überlegt, künftig nur alle zwei Jahre groß zu feiern.

Kasel. Das Ruwerweinfest hat in Kasel Tradition. Im Juni haben Ortsvereine, Winzer und Gäste aus dem unteren Ruwertal zum 46. Mal ihre Weinmajestäten gefeiert. Diesmal war der Männergesangverein Kasel Ausrichter. Die Sänger waren eingesprungen, nachdem das Fest 2011 mangels Veranstalter ausfallen musste. Die Vereine hatten damals geklagt, die Organisation sei zu teuer und zu aufwendig.

Absage 2013: Jetzt sieht es erneut düster aus: Laut Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald fällt das Weinfest 2013 aus. "Niemand hat sich bereiterklärt, die Organisation zu übernehmen", begründet Ewald die Entscheidung. Der Aufwand für das Weinfest sei groß. Als Veranstalter kämen nur wenige Ortsvereine in frage, die alle abgelehnt hätten. 2014, sagt Ewald, soll es aber wieder ein Weinfest geben. Dann wird für die amtierende Ruwer-Weinkönigin Laura Steffes eine Nachfolgerin gewählt. "Es wäre möglich, dass wir künftig das Fest parallel zur Krönung in diesem Zwei-Jahres-Turnus organisieren", denkt Ewald bereits über die Zukunft nach.

Reaktion der Ortsvereine: 2014 soll der Jugendring das Weinfest ausrichten. Der Verein feiert dann 40-jähriges Bestehen. Für die Absage 2013 hat Paul Neumann, Vorsitzender des Jugendrings, Verständnis: "Für den Veranstalter ist das ein Riesenaufwand." Es müssten Sponsoren gefunden, ein Programm erstellt, der Auf- und Abbau organisiert werden. "Meinen Mitgliedern kann ich das nicht zweimal hintereinander zumuten", sagt Neumann.
Ähnlich äußert sich auch Günther Rothbrust, Vorsitzender des Männergesangvereins. "Wir sind alle nicht mehr die Jüngsten. Wir können das nicht schon wieder organisieren." Dennoch habe er sich bemüht, habe anderen Vereinen angeboten, bei der Sponsorensuche zu beraten: "Aber zwingen kann man sie nicht." Auch die Feuerwehr, die 2010 Ausrichter war, hat sich diesmal zurückgehalten. "Der Aufwand ist uns zu viel", sagt Wehrführer Klaus Raskob. Zudem habe allein das Zelt 10 000 Euro gekostet. Raskob vermisste außerdem einen Beitrag der Winzer bei der Programmfindung.

Das sagen die Winzer: Die Winzer hätten "nicht die Möglichkeit", sagt Oliver Scherf vom Kaseler Weingut Erhard Scherf, bei der Organisation zu helfen und parallel drei Tage lang ihre Stände zu betreiben. Zudem fielen im Sommer im Weinberg "sehr viele Arbeiten" an. Das Ruwerweinfest, findet Scherf, sei "eine Traditionsveranstaltung im dörflichen Vereinsleben". Deshalb sollten die "kulturtragenden Vereine" einbezogen bleiben.
Für Frank-Stefan Meyer vom Verein Ruwer-Riesling wäre "mehr Engagement" aller Ruwer-Winzer "wünschenswert". Schließlich sei es "ein Fest des ganzen unteren Ruwertals". Der Verein könne die Betriebe jedoch "nicht zwingen". Und selbst zu helfen, sei "nicht machbar". Denn von April bis Juni organisiere der Verein einige "sehr zeit- und arbeitsaufwendige Großveranstaltungen", darunter die Weinparty WineTime und den Ruwertaler Frühling in den Weinbergen. Ein Ruwerweinfest alle zwei Jahre "als schönen Rahmen für die Krönung der Weinkönigin" hält Meyer aber für "praktikabel und sinnvoll".

Mögliche Alternativen: Für die Jahre zwischen den Festen will der Kaseler Ortschef eine "weniger aufwendige Alternative" suchen - etwa ein Straßenfest in der Dorfmitte. Dabei wäre, verteilt auf mehrere Plätze, jeder Stand für ein "attraktives Programm" selbst verantwortlich. "So verteilen wir die Last." Eine Idee, die Gerhard Biewer, Vorsitzender der Winzergenossenschaft Kasel unterstützt. Er hält eine Kombination mit einem Hoffest an der Weinmanufaktur für möglich. Die Vinothek im renovierten Gebäude in der Schulstraße (der TV berichtete) soll wegen der Straßenbauarbeiten in Kasel doch erst Ostern 2013 eröffnen. "Für ein Hof- und Straßenfest wäre die Vinothek ein schöner Ort, und der Aufwand wäre überschaubar." cweb
Meinung

Alle müssen mitanpacken!
Der Aufwand für die Ortsvereine, eine viertägige Veranstaltung wie das Ruwerweinfest auf die Beine zu stellen, ist enorm. Und wenn es dann auch noch immer dieselben trifft, ist nur allzu verständlich, dass die Betroffen irgendwann streiken. Deshalb ist es richtig, das Fest 2013 auszusetzen - und die Sache 2014 mit neuem Schwung anzugehen. Auch die Idee, das Weinfest künftig alle zwei Jahre parallel zur Krönung der Weinkönigin zu feiern, ist sinnvoll. Das bringt den Vereinen eine Verschnaufpause. Das eigentliche Problem ist damit aber noch nicht gelöst. Denn auch, wenn nicht mehr jedes Jahr groß gefeiert wird, der Aufwand für den Veranstalter bleibt gleich. Um eine wirkliche Entlastung zu schaffen, gibt es nur zwei Alternativen: Das Fest wird kleiner, das Programm zurückgefahren. Oder: Es packen wirklich alle mit an. Und damit sind nicht nur die anderen Vereine gemeint. Auch die, die auf dem Fest ihren Ruwerwein verkaufen und von der Veranstaltung profitieren, sollten sich einen Ruck geben und bei der Vorbereitung helfen. Nur so kann das Fest langfristig gerettet werden. c.weber@volksfreund.de