Seltene Vögel kippen Windkraft-Pläne

Seltene Vögel kippen Windkraft-Pläne

Geplante Windräder in Fell, Pölich und Teilen von Mehring können offenbar nicht realisiert werden. Der Grund: Laut einem Gutachten kommen dort die schützenswerten Vogelarten Rotmilan und Schwarzstorch vor.

Fell/Riol/Mehring/Waldrach. Die Windkraftpläne der Gemeinden Fell, Mehring und Pölich haben einen Dämpfer erlitten: Wie Bürgermeisterin Christiane Horsch am Mittwochabend im Verbandsgemeinderat Schweich mitteilte, zeigt ein von Windkraft-Investor Juwi in Auftrag gegebenes ornithologisches Gutachten, dass schützenswerte Vogelarten vorkommen. In Fell sei es der Rotmilan und auf der Mehringer Höhe der Schwarzstorch. Juwi hatte Ende 2102 mit den Gemeinden Mehring und Riol vertraglich vereinbart, dass zwölf neue Windräder gebaut werden sollen: Zu den zehn Anlagen an der A 1 bei Mehring sollen sieben hinzukommen, nach Riol, wo es bisher noch keine gibt, fünf.
Die Verbandsgemeinde (VG) Schweich will das Juwi-Gutachten noch prüfen. Ein zweites Gutachten erwarte die VG für September, sagte die Bürgermeisterin. Darin würden Fledermäuse untersucht. "Bei uns wird ein Großteil der Windkraft-Pläne nicht zu realisieren sein", so das ernüchternde Fazit von Horsch. Ein weiteres Ausschlusskriterium, in dem es mal nicht um die Tierwelt geht, ist noch gar nicht im Detail bekannt: die kulturhistorisch bedeutsamen Kulturlandschaften. Das Land hat diese schützenswerten Räume jetzt im Groben benannt, aber die konkrete Planung für die Region, mit der die Planungsgemeinschaft Region Trier beauftragt wurde, wird erst im Herbst erwartet.
Fells Ortsbürgermeister Rony Sebastiani sagte, man konzentriere sich nun statt der Windkraft auf die Solarenergie (siehe Extra). Der Feller Berg sei geeignet für einen weiteren Photovoltaik-Park. Der erste liefert seit 2009 Strom. Nach Beschwerden aus der Bevölkerung drängt der Gemeinderat Fell auch darauf, dass Lärmmessungen am Waldracher Windpark vorgenommen werden. Dort sind drei zusätzliche Windräder geplant.
"Ich freue mich, dass die erste Hürde genommen ist, kommentiert Helmut Schneiders (Fell, SPD) die Ergebnisse des Vogelgutachtens. Doch ganz zufrieden ist der Vorsitzende des Feller Vereins Gegenwind nicht. Wie es aussieht, sind am Feller Berg dank des Rotmilans zwar Windräder tabu, aber die Bürgerinitiative wehrt sich ja auch gegen Vorhaben der Nachbarn in Waldrach und Riol. Dort störten die Rotorriesen ja nicht minder, klagt Gegenwind. Ein Bild von Höhe und Lage sollen sich Bürger am Sonntag, 8. September, ab 17.30 Uhr machen können. Dann steigt ein Kleinhubschrauber auf.
Nicht vom Tisch sind die fünf Anlagen, die Juwi an der Autobahn oberhalb von Riol plant. Weder seltene Vögel noch die Kulturlandschaft sprechen bisher dagegen. "Die Planungen laufen", so Riols Ortsbürgermeister Arnold Schmitt.Meinung

Der Schwarzstorch hat kein Problem
Alle Planungen stoppen und keinen müden Euro mehr in den Standort investieren. Auch die hartnäckigsten Windkraft-Investoren wissen mittlerweile, was sie zu tun haben, wenn schützenswerte Vögel auftauchen. Ob diese Vögel sich tatsächlich durch die Windräder gestört fühlen, steht auf einem anderen Blatt. Offenbar ist es so, dass sich die Schwarzstörche erst nach dem Bau der Windräder auf der Mehringer Höhe angesiedelt haben oder die Zone als Durchflugrevier in den Hunsrück nutzen. Und jetzt dürfen wegen ihnen keine neuen Anlagen mehr aufgestellt werden. Das verstehe wer will. a.follmann@volksfreund.deExtra

Alle Orte der Verbandsgemeinde Schweich sind aufgerufen, geeignete Flächen für Photovoltaikanlagen zu benennen. Bürgermeisterin Christiane Horsch bezeichnete das im Verbandsgemeinderat als Bringschuld. "Wo Wind nicht geht, wird gefragt, ob Photovoltaik geht", so die Verwaltungschefin. Die Flächen müssten nicht im Eigentum der Gemeinden stehen. Einstimmig hat der Rat beschlossen, die landespflegerische Stellungnahme zu beantragen und Bürger und Behörden frühzeitig zu beteiligen. Die VG Schweich gehört deutschlandweit zu den größten Erzeugerregionen regenerativer Energie. Die Maximalleistung aller Solaranlagen beträgt über 30 Megawatt. alf